Rolls-Royce-Sammler Hans-Günter Zach

Könige sind auch nur Menschen. Beim Anblick eines sonnenfunkelnden Rolls-Royce dreht sich selbst ein Staatsoberhaupt um. Na ja, und weil ein R-R eben auch nur ein Automobil ist, wäre das eigentlich keine Schlagzeile wert. Wäre da nicht Hans-Günter Zach. Der Selfmade-Mann aus dem Hessischen schaffte es, das englische Königshaus mit einem Traum von Rolls-Royce in Freude zu versetzen. Der Maschinenhändler ist als Rolls-Royce-Sammler berühmt geworden und sagt über sich selbst: „Ein Verrückter reicht.“

United Kingdom, ein strahlender Tag Ende April. Vor dem ehrwürdigen Grau des Schloss Windsor rollt ein blitzendes Traumauto vorbei. Nur drei Zuschauer sind dabei, aber drei entscheidende: Queen Elizabeth II, ihr Ehemann Prinz Philip und Peter Baines, Generalsekretär des britischen Rolls-Royce Enthusiasts' Club. „His Royal Highness“ Prinz Philip winkt dem Fahrer in dem einmaligen R-R Phantom II „Star of India“ zu. Hans-Günter Zachs Traum ist wahr geworden. Er darf zum 50. Thronjubiläum der englischen Königin eine Legende vorführen, die eigentlich Staatsschatz des Empires sein müsste.

Mit der Nummer 160 und drei besten Freunden defiliert Zach im dem Maharadscha-Rolls. Der passionierte Sammler weiß, dass dieses Erlebnis einmalig bleiben wird und bleibt dennoch auf dem Teppich. Später wird er einem würdevoll auftretenden Fan sein Schmuckstück erläutern, ein Poster schenken und zum Abschied freundschaftlich auf die Schulter klopfen. Und als er später erfährt, dass eben dieser Fan Prince Richard, der Herzog von Gloucester und Cousin der Königin ist, wird er schmunzeln und sich entschuldigen, er könne halt kein Englisch verstehen.

Ein Verrückter reicht. Was Zach über sich selber sagt, könnten auch andere über ihn meinen. So lehnte der Endfünziger auch mal eben das Millionenangebot eines arabischen Geschäftsmannes ab. Denn der Rolls-Royce Phantom II „Star of India“ mit der Chassis-Nummer 188PY, der Zulassungs-Nummer RRR 65 ist d a s Original der royalen Gefährte; neben dem R-R Silver Ghost natürlich. Das All-Wheather-Cabriolet aus der Manufaktur Thrupp & Maberly wurde 1934 für den Maharadscha von Rajkot nach Indien ausgeliefert. Der als Gottheit verehrte Herrscher orderte damals eine Spezialanfertigung mit High-Tech. Aufsehen erregend waren damals die Zusatzscheinwerfer, die mit der Lenkraddrehung die Kurven ausleuchteten. Weitere Besonderheiten sind die ockerfarbenen Leuchten, die wie Polizei-Blaulichter „eingebaute Vorfahrt“ versprachen. Eine Augenweide auch das ockerfarbene Leder; die Farbe war in Indien nur Herrschern vorbehalten, weiß der europaweit bekannte Rolls-Royce-Spezialist Klaus-Josef Roßfeldt zu berichten. Der damals noch unbekannte Kofferraum, die festgeschnallten Jagdgewehre – all dies bringt Rolls-Royce-Profis wie Roßfeldt heute noch zum Jubilieren.

Beinahe wäre dies alles Geschichte gewesen, Bilder im Archiv, eine düstere Erinnerung. Bei einem unglücklichen Zufall – Tropfen aus einer porrösen Benzinleitung entzündeten sich beim Check-up – wurde der automobile Schatz zur Hälfte vernichtet. Im August 2001 stand Hans-Günter Zach vor einer halben Ruine, weggeschmolzenen Teilen und der Unmöglichkeit, dieses Kunstwerk der Technik zu restaurieren. Dabei war der nach dem größten Diamantenfund benannte „Star of India“ schon 1966, als er auf dem Subkontinent wieder gefunden wurde, einmal arg lädiert gewesen.

Ein schwerer Schlag für Zach. In acht Monaten wollte er beim Golden Jubilee in London antreten, so wie der „Star of India“ schon beim silbernen Thronjubiläum im Jahr 1977 – damals auch mit der Fahrtnummer 160 – dabei gewesen war. Alles schien vorbei. Doch Zach wäre nicht der „Verrückte“, wenn er es nicht geschafft hätte. Es folgten 30 anstrengende Wochen, in der er reihenweise Zulieferer und Werkstätten an den Rand des Nervenzusammenbruchs brachte – so erinnert sich sein Freund Roßfeldt. „Für ihn ist nichts gut genug, außer es ist perfekt“, konstatiert der Fachautor. Vom finanziellen Aufwand ganz zu schweigen, nur der unermüdliche Eifer und Willen des 150-prozentigen Sammlers ließ den „Star of India“ wieder erstrahlen, so dass man sagen könnte, die Automobillegende sehe heute besser aus als vorher.

Und das Kronjuwel hat schon eine bewegte Geschichte erlebt. 1934 gebaut, war der „Star of India“ nach der Staatsgründung in Indien bis 1966 verschollen und zwei Jahre später als Museumsstück wieder öffentlich gemacht worden. 1988 erwarb ein deutscher Arzt das einmalige Gefährt von Bill Meredith Owen’s (seinerzeit bekannter Sammler) Nachfahren. Zach schließlich zahlte im Jahre 2000 eine unbekannte Liebhabersumme.

Hans-Günter Zach ist das Beste, was einem Rolls-Royce passieren kann. Er mag seinen weltweit berühmten Phantom II gerne selber fahren, würde aber für jeden Fan halten und die Geheimnisse der Turbine erläutern. So war es für Zach auch selbstverständlich, beim European Concours d’Elegance Anfang Juli in Schwetzingen (wir berichteten) aufzutreten. Und wer das verpasst hat, kann diesen Meilenstein der Automobilgeschichte in seinem Privatmuseum in Mülheim am Main besichtigen, neben 15 anderen Rolls-Royce. Anruf genügt.

Oben im Bild zu sehen: Hans-Günter Zach steuert den Rolls-Royce Phantom II „Star of India“ an Queen Elizabeth II vorbei. Zuschauer v.l.: Peter Baines, Queen Elizabeth II, Prince Philip; Im Auto: Hans-Günter Zach (am Steuer), daneben Wolfgang Hisgen, Klaus-Josef Roßfeldt und Bernard L. King (beide hinten).

Text: Carsten Hennig

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