Rolls-Royce Phantom: Erste Erfahrungen (2)

Rolls-Royce Phantom: Erste Erfahrungen (2)

Bei zahlreichen Gesprächen und Reaktionen fiel beruhigend auf, dass dieses Auto für die meisten Mitmenschen kein „Mega-BMW“, sondern ausschließlich ein Rolls-Royce ist! Obwohl sie den Phantom vorher noch nirgends gesehen hatte, rief unsere Nachbarin ihrem Mann zu: „Der Herr Ehrhardt steigt aus einem Rolls-Royce!“ Das ist der eindeutige Beweis dafür, dass dieses Auto auf einen Schlag als Rolls-Royce erkannt wird. Ein anderer Nachbar wollte nicht glauben, dass es sich hierbei um das neueste Rolls-Royce Modell handelt. Zu klassisch erschien ihm das Design.

Rolls-Royce Phantom: Erste Erfahrungen (2) Überhaupt waren die Reaktionen der Menschen ausschließlich positiv. Lauter fröhliche Gesichter von Menschen, die sich freuten, den neuen Phantom einmal live zu sehen. Die Leute winken einem lächelnd zu, andere Verkehrsteilnehmer fahren respektvoll vorbei oder geben deutlich Vorfahrt, wie auf dem Parkplatz einer Billigsupermarktkette geschehen, als mich eine junge Frau applaudierend vor ihr aus meiner Parklücke fahren ließ, damit sie den Wagen von allen Seiten betrachten konnte. Das schönste Erlebnis allerdings hatte ich am Samstag Morgen, als ich an der ersten Ampel stand. Da kam ein völlig aus dem Häuschen geratener junger Mann auf den Wagen zu und deutete mir hektisch an, die Scheibe herunterzulassen. Dann sprach er in bestem Englisch: „Do you know where I´m goin´ tomorrow? I´m goin´to Goodwood, building Rolls-Royces!”

Schon allein seine Präsenz im Straßenbild ist beeindruckend. Es war im Frühjahr, als ich ihn das erste Mal auf der Straße sah. Er stand, inmitten zahlreicher anderer Autos an einer Ampel. Was für ein Wagen, was für eine Erscheinung. Riesig, alles überragend stand er da, klassisch und aristokratisch. Wenn man ihn so im direkten Vergleich mit anderen Autos sieht, besteht kein Zweifel mehr: Da steht nicht nur ein Rolls-Royce, da steht ein Rolls-Royce Phantom!

An jenem Samstag, an dem ich die hier gezeigten Aufnahmen machte, hatte ich die Möglichkeit, verschiedene Rolls-Royce-Typen nebeneinander zu sehen und teilweise auch zu fahren. Nun sind der Silver Shadow oder Silver Seraph recht stattliche Fahrzeuge mit über fünf Metern Länge. Steigt man aber direkt vom neuen Phantom in diese um, kommen sie einem geradezu klein und zierlich vor. Da wird einem schnell klar, dass der Phantom eine ganze Klasse höher angesiedelt ist und tatsächlich zu den „großen“ Rolls-Royce gehört. Nimmt man dann zum Vergleich in einen Phantom VI platz, bestätigt sich dieser Eindruck: Setzt man sich in einen Phantom, entspricht das eher einer Aufwärtsbewegung, während man sich, um in einen Seraph zu gelangen, wie bei allen anderen PKWs, nach unten bewegt.

Mag er auch nur fünf- bzw. viersitzig und daher auch kein direkter Nachfolger der Typen Phantom V und VI sein, die in der Regel siebensitzige Chauffeurlimousinen mit Trennwand waren, gibt es in der Historie durchaus zahlreiche Vier- oder Fünfsitzer unter den „großen“ Rolls-Royce. Daher ist der aktuelle Phantom von der Konzeption her eher der direkte Nachfolger des Phantom III, der letzte Phantom der Vorkriegszeit und erste Rolls-Royce Zwölfzylinderwagen überhaupt. Ebenfalls als (letzter) Vorgänger kann der Silver Wraith gelten, der ab 1946 bis Mitte der Fünfziger Jahre gebaut wurde. Allerdings besaß dieser nur sechs Zylinder, aber im Gegensatz zum „kleinen“ Silver Dawn war er ab Werk lediglich als Chassis zu kaufen und der Bau der Karosserie wurde von speziellen Karosserieherstellern als reine Spezialanfertigung durchgeführt. Der parallel gebaute Phantom IV muss als Sonderfall gelten, da er in nur 18 Exemplaren gefertigt, ausschließlich für gekrönte Häupter zu haben war. Bei dem großen Gruppenbild wurde - mangels Verfügbarkeit - der Phantom IV durch eine siebensitzige Silver Wraith Limousine mit langem Radstand ersetzt.

Rolls-Royce Phantom/Michael Ehrhardt (Autor)
Fotograf: Adolf Eichinger

Diese Fotos zeigen den neuen Rolls-Royce Phantom mit allen anderen je gebauten Phantom Typen, abgesehen vom Phantom IV. Wenn man sich die Reihe so anschaut, passt der neue Phantom charakterlich genau zu seinen Vorgängern. Auch er ist genauso stattlich, elegant und majestätisch, wie es sich für einen Rolls-Royce mit dem Namen Phantom gehört.

Rolls-Royce Phantom: Erste Erfahrungen (2)

Zu den beiden Phantom V und VI ist noch zu sagen, dass sie nicht irgendwelche Wagen sind. Genau diese beiden Wagen waren es, die während der Entwicklungsphase des neuen Rolls-Royce von einigen Ingenieuren von Project Rolls-Royce genau inspiziert und vermessen wurden. Sie haben also direkt etwas mit der Innenraumgestaltung des neuen Phantom zu tun!

Als der Rolls-Royce Phantom I erschien, wurde er als „New Phantom“ bezeichnet. Das änderte sich erst, als das Nachfolgemodell Phantom II vorgestellt wurde. Somit zeigen die unteren beiden Fotos zwei „Neue Phantoms“, deren Altersunterschied allerdings ca. 75 Jahre beträgt.

Rolls-Royce Phantom: Erste Erfahrungen (2)Rolls-Royce Phantom: Erste Erfahrungen (2)

„Erfahrungen mit dem neuen Rolls-Royce Phantom – 1. Teil – Das Fahrerlebnis“ lesen Sie hier.

Text & Fotos: Michael Ehrhardt