Range Rover Sport

Wer an der Spitze des Erfolges steht, hat eine schwere Aufgabe vor sich: Gilt es doch, das aufwändig ausgehandelte Jahresgehalt zielsicher, bewusst und mit Stil und Klasse zurück in Umlauf zu bringen. Neben britischen Maßhemden, schweizer Armbanduhren und dänischen Designerlampen muss auch ein Automobil ausgewählt werden, dass weder zu ‚posh’ noch zu angestaubt wirkt, stets die optimale Außenwirkung erzeugt und nebenbei auch noch Freude am Fahren zu bieten hat.

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Abgesehen von den üblichen Vollgas-Verdächtigen aus der Sportwagenabteilung erfreut sich in der finanziellen Upper Class vor allem der Range Rover als voluminös-luxuriöses, gleichzeitig auch extravagantes und dezentes Statussymbol großer Beliebtheit. Weil aber auch die unstetesten Mitglieder des ‚Billionaire Boys Club’ reiche Söhne und Töchter in die Welt setzen und von Zeit zu Zeit auch ein paar junge Senkrechtstarter in die elitären Sphären der oberen Zwanzigtausend emporschießen, hat sich Land Rover etwas Besonderes einfallen lassen – den neuen Range Rover Sport. Classic Driver hat den „kleinen Range“ nun exklusiv im norddeutschen Watt getestet.

Beim Design des mittlerweile fünften Modells im aktuellen Markenportfolio scheint man dem Windkanal erstmals ein bestimmtes Mitspracherecht eingeräumt zu haben. Vor allem der große Range Rover schien sich mit seiner radikal rechteckigen Form bisher fast trotzig gegen positive cw-Werte zu sträuben. Der neue Range Rover Sport und dessen stark geneigte Frontscheibe, die voluminösen Lufteinlässe, dominant ausgestellten Radhäuser und der dezente Heckspoiler wirken dagegen geradezu sinnlich. In der messbaren Aerodynamik liegt er sogar vor dem sportlich gerundeten Porsche Cayenne.

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Doch nicht nur das Exterior Design setzt sich vom großen Modellbruder ab, auch beim Image mussten Späne fallen. War der Stylecode für den klassischen Range Rover – Duffelcoat auf dem Beifahrersitz, Goldberg-Variationen im CD-Wechsler, zwei haarende Setter im Gepäckraum - in der einschlägigen Szene bereits fest geregelt, ist der mit 4,78 m Länge und 2,17 m Breite fast zierlich geratene „Sport“ noch ein angenehm unbeschriebenes Blatt.

Beim ersten Probesitzen wird klar, warum Land Rover das neue Modell als perfekte Verschmelzung einer luxuriösen Limousine mit einem sportlichen Offroader preist: Die traditionelle, hohe „Command“-Fahrerposition des großen Range – ein deutlicher Pluspunkt gegenüber M-Klasse und Co. –wurde erhalten, ebenso die Vorliebe für Holz, Leder und Metall. Die kompaktere Anordnung der Armaturen, die ergonomischen Sitze und die hohe Mittelkonsole sorgen jedoch für Cockpit-Atmosphäre und unterstreichen deutlich die neue, athletische Ausrichtung. Für besondere Alltagstauglichkeit auf allen Terrains steht zudem die geteilte Heckklappe, durch die sich frisch erlegte Hasen ebenso schnell einladen lassen wie gerade geschossene Einkaufstüten.

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Technisch basiert der Range Rover Sport übrigens auf der Plattform des Land Rover Discovery. Unser Testwagen ist mit dem 299 PS starken 4,4 Liter V8-Triebwerk plus Sechsgang-Automatik ausgestattet, das den knapp 2,5 Tonnen schweren Geländewagen auf den ersten Autobahnminuten in Richtung Norden souverän bis Tempo 225 beschleunigt und mit seiner Luftfederung jede Bodenwelle glatt zu bügeln scheint. Zwar bietet die „Supercharged“-Motorisierung mit 390 PS noch zusätzlichen Druck, doch ein Blick auf den Durchschnittsverbrauch unseres „normalen“ Achtzylinders, der nur selten unter 20 Liter Superbenzin auf 100 Kilometer liegt, bestätigt unsere Wahl als völlig ausreichend für einen entspannten „Cruise“ an die Küste.

Zwischen den Dünen und auf dem nassen Sandstrand überzeugt der Range Rover Sport ebenfalls schon auf den ersten Metern. War die geschwindigkeitsabhängige Servolenkung auf der Autobahn noch angenehm weich, reagiert der Wagen jetzt direkt auf jeden Lenkbefehl. Der vom Discovery übernommene Antriebsstrang, die höhenverstellbare Luftfederung und das wunderbar professionelle Geländeprogramm ‚Terrain Response’ , machen den „Sport“ zu einem echten Geländewagen. Das ‚Terrain Response’ System bietet über einen Schalter an der Mittelkonsole fünf verschiedene Einstellungen an; entsprechend dem von uns angewählten Untergrund werden autoimatisch die elektronischen Steuerungen und Traktionshilfen - Niveauregulierung, Drehmomentabgabe des Motors, Bergabfahrkontrolle ‚Hill Descent Control’, Traktionskontrolle und Getriebekennfelder – aktiviert. Lifestyle-SUVs von Volkswagen, Mercedes und Volvo bleiben in diesem Punkt schnell zurück.

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So behände und leichtfüssig der Range Rover Sport durch tiefe Priele und Gräben zieht, so komfortabel gleitet er über den flachen Strand. Neu ist das nicht für die Marke – steht das Firmenlogo doch praktisch als Synonym für ultimative Geländegängigkeit. Kein anderer Land Rover zuvor war jedoch so kultiviert, aber auch so handlingsicher wie das Nachwuchs-Modell. Eine harte Bremse-Gas-Kombination und ein Schlag ins Lenkrad genügen, um dies sofort vor Augen zu führen und den Sportler für einen Sprint aufzuwecken.

Es ist erfreulich, wie unaufgeregt der Range Rover Sport die für seine SUV-Klasse vorbildlich große Bandbreite an Fähigkeiten präsentiert. Gerade angesichts der zahllosen Möchtegern-Alleskönner und Modell-Mutationen steht der „kleine Range“ für eine Art von zeitlosem Understatement, das wirklich Charme und Klasse hat. Gerade diese ‚classiness’ werden ihm die Mädchen und Jungs auf dem Weg nach oben danken und ihn – mit ihrem ersten Jahresgehalt von mindestens 61.800 Euro für den Grundpreis - vielleicht sogar zu ihrem favorisierten automobilen Insignium wählen. Als stilistisch korrekte Wahl für den passenden Zweitwagen zum Range Rover Sport erlauben wir uns, den „kleinen“ Aston Martin V8 Vantage in „Tungsten Grey“ mit kastanienbraunem Lederinterieur und dunkelvioletten Kedernähten zu empfehlen. Bei der Wahl Ihres Maßschneiders und der perfekten Uhr wollen wir dann aber nicht mehr dazwischenquatschen.

Text & Fotos: Jan Baedeker


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