Rückblick: Langenburg Classic 2005

Strahlendes Wetter, strahlende Teilnehmer und merkwürdige Strahlen empfangende Funkuhren kennzeichneten den Auftakt zur Classic-Masters-Serie für historischen Rallyesport: Die ersten Regentropfen fielen mit dem Zieleinlauf des letzten Autos – das nennt man eine korrekte Organisation. Rund 250 Teams verteilten sich an den drei Tagen in Langenburg zum ersten von zehn Läufen zur Classic-Masters-Serie. Auf dem Programm standen ein Nachtprolog, ein Landtag und ein Bergrennen – doch wer dort auf einen Überraschungssieg gehofft hatte, wusste spätestens am Sonntagnachmittag, dass die Besten des letzten Jahres auch die Besten 2005 sein würden.

Die amtierenden „Classic Masters 2004“, Michael Münzenmaier und Anja Schiemann, zogen den Hoffnungen der vollständig versammelten Konkurrenz schon beim Auftaktlauf sämtliche zart sprießenden Milchzähne. Standen sie am Samstagabend nach 18 Wertungsprüfungen schon als Gesamtsieger fest, setzten sie am Sonntag noch einen drauf und gewannen mit sechs Hundertstel Abweichung auch das extra gewertete Bergrennen. Wenn Sie also im Lauf des Jahres bei einer Rallye den grünen Jaguar XK 140 OTS mit den beiden Piloten unter ihren markanten weißen Helmen antreffen: Schrauben Sie Ihre Siegambitionen zurück auf ein homöopathisches Maß.

Aber auch dahinter offenbarten sich keine Überraschungen: Die wegen ihres noch atomisierten Railtons (O-Ton Schäfer) mit einem zivileren und auch zuverlässigeren Jaguar XK 140 auftrumpfenden Thomas Schäfer und Stefan Albrecht belegten den zweiten Rang vor den letztjährigen drittplazierten der Classic-Masters-Serie, Thomas und Alexandra Engl, die statt ihres BMW 2002 Targa einen Porsche 911 S Targa an den Start brachten.

Was die Veranstalter der Langenburg Classic indes an Streckenauswahl und Aufgabenstellung zu bieten hatten, erwies sich wirklich eines Classic-Masters-Laufes würdig. Straßen mit Mittelstreifen waren so gut wie nicht vorhanden, fernab jeglichen Hausfrauenverkehrs wurde der anspruchsvolle Wettstreit vor den zahlreichen Zuschauern ausgetragen. Dass im Veranstaltungskomitee mit Jürgen und Oliver Illig auch erfahrene Rallye-Profis sitzen, wurde bei den abwechslungsreichen und kernigen Wertungsprüfungen deutlich. Schlauchfahrten, bekannte Ziele mit geheimen Zielen gemischt, Rundkurse und Schnittwechsel im Abstand von wenigen hundert Metern legten schon sehr früh einige Din-A4-Seiten Abstand in den Ergebnislisten zwischen Profis und Hobbyfahrern.

Einziger Wermutstropfen waren sich zeitweilig verselbstständigende Startuhren an den Wertungsprüfungen, die für blässliche Gesichter bei den Teams sorgten. Mit Zeitabweichungen von bis zu zweieinhalb Sekunden zur Funkuhrzeit mischten die Uhren das Feld besonders am Freitagabend großzügig durch. Am Ende relativierte sich das Malheur aber wieder: Die Gesamtsieger Michael Münzenmaier und Anja Schiemann hätten in ihrer gegenwärtigen Form die Rallye auch gewonnen, wenn nach Sonnen-, Rathaus- oder Sanduhren gefahren worden wäre – zu überlegen ist das eingespielte Team derzeit.

Besondere Highlights für die Zuschauer waren am Sonntag die Sonderläufe der Rennfahrzeuge. Audi-Tradition brachte einen Ex-Blomqvist-Quattro an den Start und Walter Röhrl persönlich zeigte mit charakterfesten Drifts in einem alten Safari-Werks-Porsche, dass sich tote Fliegen deutlich besser an der Seiten- als an der Frontscheibe machen.

Der zweite Lauf der Classic-Masters-Serie findet vom 5. bis 7. Mai mit der Rossfeld-Historic-Rallye in Berchtesgaden statt. Weitere Informationen unter www.classicmasters.de, www.langenburg-classic.de und www.rossfeld-historic.de.

Text: Tom Augustin
Fotos: Langenburg Classic


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