Rückblick – 3. Langenburg-Classic 2003

Immer dann, wenn der Duft von Benzin und der tiefe Klang betagter Motoren in der Luft des Hohenloher Landes liegt, weiß man, es ist wieder soweit – es fällt der Startschuss zur Langenburg–Classic. Vom 25.-27. April wurden 150 klassische Automobile in die fürstliche Residenzstadt Langenburg geladen, um an drei Tagen drei verschiedene Prüfungen zu bestehen und um den begehrten Siegerpokal zu gewinnen. Auch ich hatte das Glück, an dieser Veranstaltung teilzunehmen.

Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich bis zum letzten Wochenende nicht wusste, wo sich die Stadt Langenburg befindet – was sehr schade ist, da Langenburg wunderschön ist. Das auf einem Berg gelegene Langenburg blickt herrschaftlich über das Hohenloher Land. Nicht nur die Landschaft ist malerisch, sondern auch die Stadt selbst hat einiges zu bieten. Zum einen das Langenburger Schloss, in dem Kraft Fürst zu Hohenlohe-Langenburg das kleine - aber um so feinere - Deutsche Automuseum betreibt und zum anderen die jährlich stattfindende Rallye Langenburg–Classic.

Die Langenburg–Classic, die vorweg gesagt eine der besten Veranstaltungen war, die ich je besucht habe, ging dieses Jahr erst zum 3. Mal an den Start – man hatte aber das Gefühl, dass die Damen und Herren des L.E.O.–Teams schon mindestens 15 Rallyes auf die Beine gestellt hätten – ein sehr professioneller Auftritt des Veranstalter-Teams.

Den Nachtprolog am Freitag habe ich leider nur in der Endphase mitbekommen, da mir die Sperrung der A7, verursacht durch die aus den Nachrichten bekannte Busentführung, in die Quere kam. Aber gleich nachdem ich in Langenburg angekommen war, schlug mein Herz immer höher. Bei dem Anblick der vielen Oldtimer, die mit ihren Fahrern von der ersten Prüfung nach Langenburg heimkehrten. Unter den Schmuckstücken, die sich mir als erste im Dämmerlicht präsentierten, war ein roter Lagonda M45 und ein Alfa Romeo 6C 1750S – mir war klar: Hier bin ich richtig! Nach einem kurzen Stopp im großen Festzelt machte ich mich auf den Weg in mein Hotel, denn am nächsten Morgen sollte ich selber als Co–Co–Co–Pilot (die Co´s werde ich später noch erklären) an den Start gehen.

Der Samstag stand ganz im Zeichen des „Landtages“. Die Teilnehmer hatten die Möglichkeit, sich zwischen der sportlichen oder der touristischen Ausfahrt zu entscheiden. Der Unterschied besteht in den jeweiligen Leistungsanforderungen – bei der touristischen Ausfahrt wird historisches Wissen verlangt, wogegen bei der sportlichen Ausfahrt Geschicklichkeit und Zeitvorgaben zu bewältigen waren. Freundlicherweise hatte Philipp zu Hohenlohe–Langenburg sich bereit erklärt, mich als weiteren Co–Piloten mit auf die sportliche Ausfahrt zu nehmen. Jetzt klärt sich auch die Formulierung Co–Co–Co–Pilot; denn neben dem Piloten Philipp zu Hohenlohe–Langenburg, bestiegen Saskia Binder (Navigator), Johannes (1.Zeitoffizier) und ich (2.Zeitoffizier) einen Alvis 4.3 Vandenplas Sports Tourer Baujahr 1938, um den Langenburg–Pokal zu gewinnen. Am Ende waren wir allerdings mit am weitesten von dieser begehrten Trophäe entfernt, aber der Preis für das freundlichste Team war uns sicher.

Der „Landtag“ zog sich über eine Strecke von 270 Kilometern durch das Hohenloher Land. Das Planungsteam hat eine sehr schöne und anspruchsvolle Strecke ausgearbeitet und auch das Roadbook war sehr präzise. Sehr verblüffend: Das große Interesse der Zuschauer. In jedem Ort, an jedem Stopp fanden sich Menschen die den Fahrern zujubelten und ebensoviel Spaß hatten. Nachdem am Abend alle Fahrer heil und gesund nach Langenburg zurückkehrten, wurde bei einem guten Essen und dem einen oder anderem Bier über das am Tage erlebte in einem Benzingespräch philosophiert. Auch am Abend zeigte sich, wie professionell das L.E.O.–Team die Planung der Langenburg–Classic durchführt. Die Abende waren ebenso gelungen wie die Rallye an sich.

Und damit das Wochenende für die Halter der wertvollen Fahrzeuge wirklich sorgenfrei ist, sorgt ein Wachunternehmen für die Bewachung der Wagen während des Programms. Ein mobiles Ferrari-Serviceteam steht für das gesamte Wochenende zur Verfügung.

Am Sonntag fand ein weiterer Höhepunkt der Langenburg–Classic statt – der Bergtag. Ziel war es, zweimal die Bächlinger–Steige, eine exakt zwei Kilometer lange Bergstrecke, zu erklimmen in möglichst der gleichen Zeit. Der Bergtag war der absolute Publikumsmagnet, denn nicht nur Automobile mit Straßenzulassung konnten angemeldet werden, sondern auch Rennfahrzeuge. Darunter waren Formel Ford, Formel 2 und historische GP–Fahrzeuge. Fast auf der gesamten Länge der Strecke bestaunten die Zuschauer die Fahrkünste der tollkühnen Piloten und ihren Beifahrern beim Sprint auf den Berg.

Natürlich, darf eine Siegerehrung nicht fehlen: Thomas Senn und Ivonne Birkhölzer haben in diesem Jahr das fast Unglaubliche geschafft: Die Bergstrecke von ca. 2 km in exakt der gleichen Zeit zweimal hochzufahren. Das ist eine Premiere bei der Langenburg Classic. Der Kommentar von Ivonne Birkhölzer, als Sie dieses Ergebnis erfuhr: "Den Fahrer geb' ich so schnell nicht wieder her.“ Doch nicht nur bei der Bergprüfung waren die beiden vorne, ebenso die sportliche Gesamtwertung und damit auch den Klassensieg gewannen sie.

Bei der Siegerehrung im Zelt stapelten sich die Pokale am Tisch des Hamburger Dreamteams. Auch Reinigungsprobleme werden die beiden in der nächsten Zeit nicht mehr haben. Ausgerüstet mit diversen Kärcher-Geräten, vom Dampfstrahler bis zum Staubsauger, traten Sie die Rückreise in den hohen Norden an. Damit erledigt sich auch das Problem die vielen Pokale "abzustauben".

Es war ein ganz besonderes Wochenende für Teilnehmer und auch für die vielen Zuschauer, die lautstark die Fahrer und Ihre Co-Piloten unterstützten. Ich habe es selten erlebt, dass eine ganze Stadt so hinter einer Veranstaltung steht, wie es die Langenburger gezeigt haben und definitiv auch in Zukunft zeigen werden. Die Langenburg–Classic ist eine großartige Rallye, die jeder Automobilenthusiast mindestens einmal besuchen sollte.

Text & Fotos: J.Philip Rathgen