Rétromobile Paris 2010: Klassik à la Carte

Wer den Verlockungen des Internationalen Unterwäsche-Salons in der Messehalle gegenüber widerstehen konnte, fand bei der diesjährigen Rétromobile eine automobile Veranstaltung der Extraklasse. Selten konnte die Pariser Klassikermesse derart überzeugen.

Aus dem bestechenden Angebot der Rétromobile ein Automobil als „Best of Show“ herauszustellen, ist auch im Rückblick keine leichte Aufgabe. Allein schon die offiziellen Markenauftritte überzeugten: Bei Mercedes-Benz wurde das Dauerbrenner-Thema Flügeltürer mit einem frühen Prototypen des 300 SL inszeniert. Der neue Mercedes-Benz SLS AMG durfte bei diesem Aufhänger natürlich auch nicht fehlen. Zum 100. Markenjubiläum war auch Alfa Romeo mit wichtigen Meilensteinen der eigenen Modellgeschichte angereist; auf dem Stand war neben einem Vorkriegs-Spider auch ein moderner 8C Competizione zu sehen. Den Heimvorteil nutzten derweil Peugeot und Citroën, die großflächig ihre Designikonen angeordnet hatten. Während bei Citroën vor allem – und immernoch – der wunderbare SM die Besucherherzen schneller schlagen ließ, lag der Fokus bei Peugeot bei den allgemeinen Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag der Marke.

Nicht weniger hochkarätig waren die Auftritte der Klassikhändler besetzt. Vor allem die britischen Spezialisten, allen voran Hall & Hall und Fiskens, hatten beeindruckende Messestände mit kompetent zusammengestellten Klassikern nach Paris transportiert. Im Vorjahr hatte sich Hall & Hall mit einem frühen Renn-Flügeltürer und einem Werks-F1-Porsche positioniert; in diesem Jahr gab es auf dem Stand einen von Tom Wheatcroft wundervoll aufgebauten Bugatti Royale zu sehen – ein bewegender Tribut an den im vergangenen Herbst verstorbenen Motorsport-Unternehmer und Automobilenthusiasten. Bill Harding, Repräsentant von Hall & Hall auf der Rétromobile, fügte hinzu: „Wir bringen zu diesem Anlass eben immer gerne Autos nach Paris, die vorher noch niemand gesehen hat.“ Selten aus der Nähe zu bestaunen dürften in der Tat auch der „Scheunenfund“ eines Ford GT40 sein, der ursprünglich an Max Aitken ausgeliefert wurde, ein Le Mans- und Targa Florio erprobter Alfa Romeo SZ Coda Tronca von 1962 und eine Reihe von F1-Rennwagen, die ebenfalls auf dem Stand versammelt waren.

Der Gentleman Dealer Fiskens aus Kensington war ebenfalls mit großem Aufgebot an die Seine gereist. Unter den Klassikern, die Fisken auf königsblauer Auslegeware präsentierte, fanden sich unter anderem ein Ferrari 275 GTB/C von 1966, ein 1933er MG K3 mit eindrucksvoller Patina und ein Porsche 910 von 1968. Frühestes Modell der Palette war ein Bentley 3-litre Speed von 1925, gegen den der Fiat 8V Berlinetta mit Zagato-Karosserie von 1955 tatsächlich höchst modern anmutet. Auch beim Schweizer Händler Lukas Hüni gab es einiges zu Entdecken: Neben Präziosen wie Maserati Birdcage und Ferrari 512M war es vor allem ein dunkelblauer Lancia Flaminia Zagato, der für Aufsehen sorgte. Bei derartigen Modellen gehen einem dann auch schmerzhaft die eigenen Versäumnisse durch den Kopf: Vor einigen Jahren hätte man derartige Schönheiten wohl noch für „kleines Geld“ erwerben können. Heute gehört der Zagato sicherlich zu den Highlights der Show.

Nach dem wenig erfolgreichen Auftritt von 2009 im Erdgeschoss hatte Bonhams seine Auktion in den ersten Stock verlegt. Die größte Aufmerksamkeit erregte sicherlich der Bugatti Brescia Type 22 Roadster, der im vergangenen Jahr aus dem Lago Maggiore gefischt worden war und nun für den Sensationspreis von 260.500 Euro den Besitzer wechselte. Doch auch für mäßiger dimensionierte Portemonnaies gab es auf der Rétromobile durchaus interessante Kaufoptionen, sei es bei einem der zahllosen Stände für Automobilia, Ölkanister, Schrauben oder Scheinwerfer.

Noch bis zum Sonntag, den 31. Januar 2010 lockt die große französische Klassiker-Messe nach Paris. Wer es auch in diesem Jahr nicht schafft, die Rétromobile in Paris zu besuchen, sollte sich für Januar 2011 bereits ein Kreuz in den Kalender machen. Es lohnt sich. Und wenn die Koordinatoren der Messe ihre Hallen wieder so geschickt belegen wie in diesem Jahr, dürfte auch die Anreise samt Gemalin ohne Diskussionen ablaufen – der Salon International de la Lingérie hat schließlich auch seine Reize.

Weitere Informationen unter: www.retromobile.fr

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Text: Steve Wakefield
Fotos: Classic Driver


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