Porsche Cayenne Turbo S (955)

Destination Dubai Desert. Wer heutzutage das Hinterland Dubais erkundet, lässt das klassische Wüstenschiff vorzugsweise im Stall – schneller und komfortabler als auf dem Kamel bewegt man sich mit einem Geländewagen durch den weichen Untergrund. Die automobile Fortbewegung allein ist dem anspruchsvollen Wüstenbewohner jedoch längst nicht mehr genug. Gekauft wird ein SUV, das den Luxus einer Oberklassenlimousine mit der Leistung eines Sportwagens verbindet. Die Krönung dieser Symbiose stellte uns Porsche vergangene Woche mit dem 521 PS starken Cayenne Turbo S für eine Testfahrt zur Verfügung.

Porsche Cayenne Turbo S (955) Porsche Cayenne Turbo S (955)

Schon am Morgen wärmt die Sonne mit angenehmen Temperaturen um 30 Grad den frischen Asphalt der schnurgraden Straßen auf. Und das ist gut so. Denn wer die 720 Nm des V8-Triebwerks zwischen 2.750 und 3.750/min. schlupffrei und ohne elektrischen Assistenten auf die Straße bringen will, braucht vor allem einen geeigneten Untergrund. Der hoch temperierte Asphalt bietet für meine geplanten Vollgas-Aktionen beste Voraussetzungen. Für die Testfahrt wird mir ein in der dem Turbo S vorbehaltenen Sonderfarbe „Marineblaumetallic“ lackierter Cayenne Turbo S übergeben. Sein Interieur ist bis in die kleinste Ecke mit sandfarbenen Leder ausgeschlagen. Selbst der Alcantarahimmel passt sich harmonisch an die Umgebung des Wüstenemirats an. Ohnehin lässt die Serienausstattung des Topmodells kaum noch Wünsche offen: Klimaautomatik, 5 x Sitzheizung, PCM, Bi-Xenon-Scheinwerfer mit Kurvenlicht und ein Parkassistent sind im 117.573-Euro-Grundpreis enthalten.

Der erste Druck auf das Gaspedal erinnert mich unmissverständlich daran, dass ich hinter dem Lenkrad des weltweit stärksten Serien-SUV sitze. Der überarbeitete V8-Biturbomotor leistet dank höherem Ladedruck maximale 521 PS bei 5.500 Touren, die beim Beschleunigen an die Startphase eines Jumbos erinnern. Nach 5,2 Sekunden ist Tempo 100 km/h erreicht. Doch Vorsicht! Ein einsames Schild am Straßenrand mahnt vor erhöhter Geschwindigkeit. Danach folgt der erste Blitzer. Kaum zu übersehen ragt der weiße Kasten aus dem Wüstensand empor und zwingt mich zur Bremsattacke. Der 2.355-Kilogramm-Fuhre wirkt Porsche mit einer optimierten Bremsanlage entgegen, dessen Bremsscheiben vorn 380 Millimeter und hinten 358 Millimeter messen. Doch auf Höchstgeschwindigkeit bin ich an diesem Tag ohnehin nicht eingestellt – auf mich wartet eine ganz andere, für mich völlig neue Erfahrung. Die Wüste.

Nach einer halben Stunde stehe ich vor einem großen Tor mit der Aufschrift „Dubai Desert Conservation Reserve“. Nur mit Sondergenehmigung bekommt man hier Einlass in die unendliche Weite. Bevor ich mich ins Abenteuer stürze, wird der Reifenluftdruck des Cayenne Turbo S auf 1,0 Bar gesenkt. Die Niederquerschnittsreifen im Format 20 Zoll sind jetzt nicht viel dicker als eine Schuhsohle, versprechen bei dem niedrigen Luftdruck jedoch deutlich mehr Traktion. Mit manueller Gangwahl folge ich der Karawane und den Anweisungen des Instruktors, der mich darauf hinweist, Abstand zum Vordermann und das Fahrzeug immer in Bewegung zu halten. Donnergrollen erschüttert die Wüste jedes Mal, wenn ich aus einer Senke heraus beschleunige, um den nächsten Dünenkamm zu erklimmen. Dann wieder Stille. Langsam rollt der Cayenne Turbo S den nächsten Abhang hinab, am Scheitelpunkt erwecke ich mit einem kraftvollen Gasstoß den 521 PS starken Achtzylinder erneut zum Leben...

Porsche Cayenne Turbo S (955) Porsche Cayenne Turbo S (955)

Wer sich an die extremen Bedingungen der Wüste gewöhnt hat, erlebt unter vollster Konzentration einen unvergleichlichen Fahrspaß. Bei jeder Beschleunigung graben sich die Räder knietief in den Sand und wirbeln Meterhohe Sandfontänen in die Luft. Dabei brüllt der Achtzylinder wie eine wütende Kamelherde. Als ich das Wüstenkamp um die Mittagszeit erreiche, öffne ich die Tür, und stehe zum ersten Mal auf eigenen Beinen in der Wüste. Was mein Begleiter in den letzten zwei Stunden ertragen musste, wird mir nun bewusst. In der klimatisierten Luxuskabine des Wüstenschiffs hatte ich bei angenehmen 24 Grad verpasst, einen Blick auf die Außentemperaturanzeige zu werfen: 39 Grad – und das im Winter. Der Sand ist glühend heiß und wird vom Wind in jede kleinste Ritze getragen. Meine Befürchtungen, das Porsche-SUV sei für den harten Geländeeinsatz nicht geeignet, haben sich in der trockenen Wüstenluft aufgelöst – die nun kontinuierlich meinen Puls in die Höhe treibt. Mindestens so durstig wie mein Sandkastenfreund – Porsche gibt sehr positiv einen Schnitt von 15,7 l/100 km an – genieße ich den einmaligen Ausblick bei einer Flasche ‚Emirates’ (Mineralwasser).

Auf dem Rückweg zur asphaltierten Straße bewege ich den Cayenne Turbo S über eine ebene Sandpiste und habe Gelegenheit, richtig Gas zu geben. Durch den schwammigen Untergrund driftet das Kraftpaket nahezu permanent, reagiert dabei jedoch überraschend sensibel auf kleinste Lenkeinschläge. Auch nach Verlassen der Wüste gönne ich dem Zuffenhausener keine Pause. Mein Dubaikurztrip soll mit einem kurzen Sightseeing der Wüstenmetropole vollendet werden. Auf der Autobahn Richtung Innenstadt treibe ich den brüllenden Cayenne erstmals jenseits der 200-km/h-Marke. Wohl wissend, dass der Geschwindigkeitsrausch erst bei 270 km/h endet, gleite ich mit 100 Sachen der bizarren Skyline von Dubai City entgegen. Entlang an skurrilen Wolkenkratzern, luxuriösen Hotelbauten, wie dem berühmten ‚Burj Al Arab’, und märchenhaften Moscheen schiebe ich mich durch den regen Großstadtverkehr und träume bereits von meinem nächsten Abenteuer in der Wüste.

Fazit: Der Porsche Cayenne Turbo S ist ein SUV der Superlative. Wer ihn bestellt, will alles haben und bekommt genau das serviert. Diskussionen über den hohen Grundpreis oder ein allzu durstiges Triebwerk sind ebenso müßig, wie die Frage, ob sich das Porsche-SUV für die Fahrt ins Gelände eignet. Ein positiver Absatz im Heimatland des schwarzen Goldes sei Porsche – zumindest bis ein stärkerer Geländewagen nachrückt – versichert.

Text & Fotos: Jan Richter / Markus Leser


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