Porsche 911 Carrera 4S

Der Blick auf den Kalender zeigt es unübersehbar deutlich. Und täglich nimmt der Druck zu. Der 24.12. naht wieder einmal und damit die alljährliche Frage, wie man die Liebsten beschenken soll. Zu dieser schwer zu entscheidenden Frage gesellen sich die Faktoren: keine Zeit und keine Lust auf stundenlanges Schlangestehen in Parfümerien oder Schmuckläden. Wir hätten da etwas. Versuchen Sie doch Ihr Glück beim Porschehändler. Wir garantieren Ihnen freundliche und kompetente Beratung und kein Schlangestehen. Die Qualität der Ware in Form des neuen Porsche 911 Carrera 4S haben wir uns erlaubt, im Vorwege für sie zu untersuchen.

Um es vorwegzunehmen, dieses Geschenk muss nicht verpackt werden. Es wäre schade drum’. Ohne Umschweife ist festzustellen, bereits die Außenansicht des aktuellen Porsche 911 signalisiert: Qualität! Spaltmaße, die auf ein notwendiges Minimum reduziert wurden, wie Diamanten funkelnde Scheinwerfer und Blinker und eine exzellente Lackqualität lassen den in dieser Beziehung vielfach kritisierten Vorgänger weit hinter sich. Dies ist wieder ein echter Porsche 911, so wie man es sich wünscht. Unaufdringlich, der Historie verpflichtet, ohne dabei altmodisch zu wirken. Fast möchte man den Rundungen der Kotflügel einen Klaps mit der Hand geben, so verführerisch knackig wirken diese in die Gesamtlinie integriert. Damit diese lange unversehrt bleibt, sollte der Einparkpilot auf dem Wunschzettel stehen, denn ohne dieses Hilfsmittel parkt es sich vor kritischem Publikum – aufgrund der eingeschränkten Übersicht nach hinten – eher beschwerlich ein.

Porsche 911 Carrera 4SPorsche 911 Carrera 4S

Der Innenraum bietet zwei Personen mit leichtem Gepäck ausreichend Raum. Die Kopffreiheit unter dem edlen Alcantaradachhimmel überrascht angesichts der Tatsache, dass es sich um ein Sportcoupé handelt. Zu dem überragenden Langstreckenkomfort tragen die beiden ausgezeichneten Sportsitze bei. Obwohl diese optisch zunächst weit hinter den aufwändig gestalteten Sesseln der Mitbewerber zurückbleiben, bieten sie in Kurven genug Seitenhalt und auf langen Passagen genügend Variationsmöglichkeiten, um auch empfindliche Rücken nicht zu malträtieren. Die elektrische Verstellung sollte indes etwas zügiger arbeiten. Auch eine „easy entry“ Funktion für den einfacheren Zugang zu den hinteren Notsitzen wäre angemessen.

Einmal Platz genommen, fällt der Blick auf das außergewöhnlich reichhaltig mit Leder tapezierte Interieur. Selten hat eine werksseitige Innenausstattung einen derart positiven Eindruck hinterlassen. Sauber verarbeitetes Leder wohin das Auge schaut. Jede Ziernaht sitzt, wie mit dem Lineal gezogen. Selbst an den ungewöhnlichsten Stellen wurde Leder oder Alcantara verbaut. Dazu ein hochwertiger Veloursteppich, der fast zu schade ist, um mit Schuhen betreten zu werden. Das Tüpfelchen auf dem „I“ bilden die beiden liebevoll konstruierten Cupholder aus massivem Aluminium und die im Chronopaket enthaltene Stoppuhr auf dem Armaturenbrett. Die Bedienung des Porsche erschließt sich weitestgehend von selbst. Lediglich das Navigationssystem, das sich zudem mit einem integrierten Mobiltelefon aufrüsten lässt, erfordert etwas Übung. Das Soundsystem hingegen erfüllte die Erwartungen nicht. Muffige Bässe und unausgewogene Höhen lassen keine Stimmung aufkommen. Hier sollte auf jeden Fall das Bose-System geordert werden, will man neben dem Verkehrsfunk auch Musik in angemessener Qualität hören.

Der Fahrkomfort eines Sportwagens wird im Wesentlichen von dem Zusammenspiel von Fahrwerk und Antrieb geprägt. Und obwohl der Porsche bereits in der Normalstellung des serienmäßigen, in zwei Stufen verstellbaren PASM Fahrwerks eine beflissene Härte zeigt und auch der Sechszylinder-Boxermotor eine kräftige Aussprache liebt, steigt man nach langen Strecken aus, als wäre man gerade eingestiegen. Die Stellung „Sport“ hingegen ist für den Fahrbetrieb auf öffentlichen Straßen schlicht überflüssig. Das Auto wirkt als sei sämtliches Gummi aus der Radaufhängung verschwunden. Diese Stellung macht nur Sinn bei extrem sportlicher Fahrweise, die mit Rücksicht auf die anderen Verkehrsteilnehmer lediglich auf abgesperrten Rennstrecken ausgeübt werden sollte.

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Dass der Grenzbereich des Carrera 4S außergewöhnlich hoch angesiedelt ist, liegt zu einem Großteil auch an dem neu konstruierten Vierradantrieb. Durch die Allrad-Technik mit Visco-Lamellenkupplung bringen die vorderen Räder ständig mindestens fünf Prozent und bei höherem Bedarf bis zu 40 Prozent der Antriebskraft auf die Straße. Unterstützt wird dieses Höchstmaß an Traktion durch die sehr breite Spur an der Hinterachse. Selbst auf vollständig mit Schnee bedeckten Straßen bietet der 911 Carrera 4S ein ungewöhnlich hohes Maß an Spurtreue. Es bleibt zu wünschen, dass sich der Fahrer über die gefahrene Geschwindigkeit stets im Klaren ist, denn auch die hochwirksame Bremsanlage ist bei Schnee und Eis kein Garant für eine unfallfreie Fahrt. Bei trockener Straße ist die Wirkung dieses – vom Porsche Stability Management (PSM) beeinflussten – Bremssystems mehr als überzeugend. Fading ist auch nach zahlreichen Vollbremsungen für die Vierkolben-Festsattelbremse ein Fremdwort.

Das Beste zum Schluss: Der Motor des 911 Carrera 4S harmoniert perfekt mit dem Fahrzeug. Spontanes Ansprechen auf die Bewegung des Gaspedals gehört ebenso zu seinen Meriten, wie eine ungehemmte Drehfreude. Bei all der Sportlichkeit bleibt die Alltagstauglichkeit nicht auf der Strecke. So lässt sich der 355-PS-Bolide bei Bedarf mit 60 km/h im sechsten Gang bewegen, ohne sich dabei zu verschlucken. Ist es gewünscht, reicht ein kurzer Druck auf das Pedal und der Porsche zieht ohne zu ruckeln zügig an. Der Verbrauch bleibt selbst bei häufiger Nutzung der verfügbaren Leistung in akzeptablen Grenzen und liegt bei circa 14 Litern.

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Besondere Freude bereitet das Aggregat auf Landstraßen und Autobahnen. Ab 4.800/min könnte man glauben, der Porsche werde nunmehr von einem riesigen Magneten gezogen. Das Ganze wird untermalt von einem herrlichen Auspuffsound, der zwar stets präsent, aber niemals lästig wird. Dieser Sound ist es auch, der einen großen Teil des ungeheuren Fahrspaßes ausmacht. Selbst nach langen Autobahnettappen reicht ein kurzer Zwischenspurt, um die Vorfreude auf die nächsten Kilometer zu wecken.

Schade nur, dass das Vergnügen aufgrund des mit 67 Litern etwas klein geratenen Kraftstofftanks nicht besonders lange andauert. Ein größerer Tank wäre im Hinblick auf den Aktionsradius zu begrüßen. Wer den Porsche häufiger in den überfüllten Innenstädten bewegen möchte, dem sei die Tiptronic S ans Herz gelegt. Zwar verringert die Automatik die Fahrleistungen des Elfers, angesichts des hohen Leistungsvermögens dürfte dies jedoch zu verschmerzen sein. Auf der anderen Seite bringt sie empfindlichen Naturen eine spürbare Entlastung im linken Bein.

Alles in allem verdient sich der Porsche das Prädikat „vom Weihnachtsmann empfohlen“! Er dürfte zu den Geschenken gehören, die ganz sicher nicht in der ersten Woche nach Weihnachten ihren Weg zur Umtauschaktion finden. Na dann: Frohes Fest!

Text: Sven Jürisch
Fotos: Lichterwahn


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