Planai Classic Winterallye 2012: Schlitterfahrt auf Zeit

Planai Classic Winterallye 2012: Schlitterfahrt auf Zeit

Wer sagt denn, dass eine Klassikerrallye nicht im Winter stattfinden kann? Die Planai als kleiner Bruder der Ennstal Classic eröffnet jedes Jahr auf spektakuläre Art und Weise die Saison. Skirennen inklusive.

Der Winter ist nicht allein zum Skifahren da; auch nicht in Schladming, wo 2013 die alpine Ski-WM stattfinden wird. Das Jahr ist gerade ein paar Tage alt, da holen autoverrückte Oldtimerfans bereits ihre Prachtstücke aus der wohl beheizten Garage und brechen kurz nach Weihnachten und Neujahr auf ins österreichische Ennstal. Dort, wo mit der Ennstal Classic eine der anspruchsvollsten Oldtimerrallyes Europas stattfindet, geht es im Winter noch etwas abgefahrener zu. Die Planai Classic ist nichts für Schönwetterfahrer und Autopolierer. Auf Schnee und Eis ist am Steuer der historischen Boliden echtes Fahrkönnen gefragt, noch mehr als bei der Ennstal Classic. Helmut Zwickl, zusammen mit Michael Glöckler seit 20 Jahren Veranstalter der Rallyes: „Die Bedingungen waren dieses Jahr besonders teuflisch, doch es wurde hervorragend gefahren. Es gab keine Blechschäden.“

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Die Planai Classic ist eine der spektakulärsten Oldtimerveranstaltungen des Jahres, denn die meisten Wertungsprüfungen auf der zweitägigen Rallye werden auf schwer berechenbaren Eis- und Schneepisten der Region rund um Schladming gefahren. Mit einem guten Oldtimer allein ist es nicht getan, denn die Fahrzeuge müssen mit Winterreifen, Spikes und Ketten perfekt auf die Bedingungen vorbereitet werden. Das lockt selbst echte Rallyehaudegen an. Im Starterfeld der 16. Planai Classic finden sich unter anderem so bekannte Namen wie Björn Waldegaard (Rallyeweltmeister) oder Rauno Aaltonen, das unangefochtene finnische Rallye-Urgestein. Waldegaard hatte kurz vor der Planai Classic noch die historische Ostafrika-Rallye gewonnen. Doch auf der schwierigen Planai hatten die Rallyelegenden aus Skandinavien keine Chance auf den Gesamtsieg. Der ging an das Fahrerdoppel Karsten Wohlenberg und Mike Höll auf einem Mercedes 230 SL von 1964, die die lange Zeit führenden Michael und Maximilian Münzenmaier auf einem Opel Ascona Rallye doch noch abfangen konnten.

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Das Spektakuläre an einer Winterrallye sind ihre unvorhersehbaren Bedingungen. Björn Waldegaard hatte es nach der ersten Wertungsprüfung auf der Eisbahn von Gröming bereits befürchtet, als er zum verhangenen Dachsteinmassiv hinaufblickte: „Man muss sich nur diese Wolken anschauen. Da kommt einiges auf uns zu.“ Er sollte Recht behalten, denn drei Stunden später gab es bei der Königsetappe hinauf zum Dachstein Eisplatten, Schneetreiben und Verwehungen. Die 50 Piloten hatten alle Hände voll zu tun, ihre historischen Renner die Kehren hinaufjagen. Besonders spektakulär lief das beim Team mit der Startnummer 19 ab. Der leistungsstarke BMW 2002 ti Rallye von 1969 wurde seinerzeit von Rallye-As Rauno Aaltonen gefahren. „Mit dem Wagen war ich auf der österreichischen Alpenrallye und bin in Führung liegend mit einem Schaden an der Hinterachse ausgefallen“, erinnert sich der Rallye-Professor beim Wiedersehen mit seinem Gefährt von einst, „ein sehr schnelles Auto. Aber nicht einfach zu fahren auf Eis und Schnee. Viel Leistung auf der Hinterachse und kein Gewicht.“ Besonders problematisch bei der nächtlichen Sonderprüfung den Dachstein hinauf, wenn Schein- und Zusatzscheinwerfer beim Kurvendrift auf einen Schlag komplett ausfallen. Das BMW-Team schaffte das Unmögliche und brachte den blau-weißen Rallye-Bayern ohne Blessuren nur knapp hinter der Zeitvorgabe sicher ins Ziel – und war bei den Teilnehmern der Gesprächsstoff des ersten Tages.

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Das Fahrzeugfeld auf der Planai Classic ist vom Durchschnitt her etwas jünger, als bei den sommerlichen Oldtimerrallyes. Die meisten Boliden stammen aus den Jahren 1953 bis 1972. Da es auf der Planai Classic mehr denn je um Fahrkönnen und Traktion geht, setzen viele Teilnehmer auf das probate Konzept eines Hecktrieblers, bei dem sich Motor und Antriebsachse hinten befinden. Bei Modellen wie Porsche 911, Porsche 356, VW Käfer oder Skoda R 110 kommt die Motorleistung auch bei rutschiger Piste am besten auf die Fahrbahn. „Die Ennstal kann doch jeder fahren“, lacht Veranstalter Helmut Zwickl, „doch die Planai ist eben etwas für echte Kerle. Viele machen beides und haben einen Oldtimer für Rallyes wie die Ennstal Classic im Sommer und einen zweiten für den Winter.“

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Die einzelnen Wertungsprüfungen bei der Jagd nach Hundertstelsekunden sind tückisch. Am ersten Tag werden die Etappen nahezu komplett als Nachtprüfung gefahren. Gleißend helle Lichtkegel durchschneiden unterlegt von brüllenden Motoren die abgelegenen Straßen des verschneiten Ennstals. Im Innern der Fahrzeuge sind nur die spärlichen Beleuchtungen zu erkennen, mit denen die Copiloten aus den Gebetsbüchern vortragen. Gerade donnert Björn Waldegaard mit der Startnummer 18 auf einem weißen Porsche 911 S aus dem Jahre 1969 die tief verschneite Planaistraße zum Gipfel hinauf. Im heißen Drift geht es um die zweite, besonders enge Kehre. Dank spezieller Rallyereifen mit zwei Millimeter langen Spikes spuckt der Rallye-Elfer eine weiße Schneefontäne nach hinten aus. Bei dem BMW 2002 ti, den Ende der 60er Jahre Rauno Aaltonen pilotierte, sieht es noch wilder aus. Knapp 200 PS und ein ausbrechendes Heck müssen die Passstraße hinauf erst einmal im Zaum gehalten werden.

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Da tut sich der Rallye-Mini, ebenfalls aus dem Jahre 1969, leichter. Pilot Rauno Aaltonen: „Der Mini ist für die Planai das perfekte Auto. Sein geringes Gewicht, wenig Trägheitsmoment und kurze Überhänge – das ist ideal.“ Der Finne hat sich wie zu jeder seiner Rallyes akribisch vorbereitet. Sein blaugrüner Mini Cooper S hat zwar nur halb so viel Leistung wie der Elfer von Björn Waldegaard, ist jedoch leichter. „Unser erster Gang geht bis über 60 km/h“, erklärt Aaltonen, „so können wir die Kehren auf Eis und Schnee im ersten Gang fahren. Der Drehzahlmesser darf nicht unter 5.000/min sinken.“ Während sich die Piloten vor dem Start zu den einzelnen Wertungsprüfungen vor der Heizung im Fahrzeug aufwärmen, haben die Piloten der Vorkriegsmodelle mit den Wirren des Planai-Wetters besonders zu kämpfen. Denn weder ein 36er Lagonda Rampler noch ein Sunbeam Supersports von 1930 bieten ihren Insassen irgendeinen Schutz vor Schnee, Regen und Kälte.

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Nach den zahlreichen Rallye-Etappen gibt es zum Abschluss auf der Planai Classic eine Wertungsprüfung der ganz besonderen Art. Wieder auf Eis und Schnee, aber ohne Auto geht es beim Prominenten-Skirennen unter Flutlicht den Weltcuphang von Schladming herunter. Während es oben auf der Planai 30 Zentimeter Neuschnee gab, herrschte beim Slalom Dauerregen. Helmut Zwickl ist zufrieden mit seiner 16. Auflage der Rallye, denkt jedoch schon an den Sommer: „Die Vorbereitungen zur 20. Ennstal Classic laufen auf Hochtouren. Von den 220 Plätzen sind schon fast 100 ausgebucht.“ Die meisten Teilnehmer der Planai kommen auch zu Zwickls Sommerfestival ins Ennstal. Motorsport wie damals eben. Das kommt an.

Text: Stefan Grundhoff
Fotos: Gudrun Muschalla