Pininfarina 2uettottanta: Umwerfend, unaussprechlich

Schöner die Zungen nie brechen! Zum 100. Markengeburtstag von Alfa Romeo präsentiert Pininfarina in Genf eine aufreizende Spider-Studie. Seit der Enthüllung dieser erdbeerroten Versuchung auf Rädern beschäftigen Alfisti nur noch zwei Fragen: Wann kommt der Alfa 2uettottanta auf die Straße? Und porca madonna - wie spricht man bloß diesen Namen aus?

Wer den Niedergang der Erotik im zeitgenössischen Automobildesign beklagt, kommt an diesem glattgelutschten Stück italienischer Karosseriekunst nicht vorbei. Tatsächlich ist es Pininfarina gelungen, die einhundertjährige Faszination von Alfa Romeo in einem einzigen, funkelnden Modell zu konzentrieren. Natürlich, so wissen wir als langjährige Beobachter des ewigen Spiels von Verlockung und Zurückweisung, handelt es sich beim Alfa 2uettottanta lediglich um eine aufreizende Vision. Wenn die Studie in einigen Monaten oder Jahren als neuer Alfa Spider auf die Straße kommt, wird die ursprüngliche Erotik der Form den Zulassungsvorschriften und Zahlendrehern zum Opfer gefallen sein. So war es immer, so wird es auch dieses Mal sein. Bis dahin bleibt allerdings genügend Zeit zum hemmungslosen Schmachten.

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Diese sanft geschwungenen Kurven, dieser sinnliche Kühlermund, diese entrückt leuchtenden LED-Augen, dieses unfassbare Rot. Vergessen Sie alles, was wir jemals verächtlich über italienische Automobile geschrieben haben – Pininfarina bügelt mit diesen Formen alle mechanischen Missgriffe wieder aus. Natürlich hat das weltberühmte Turiner Designstudio mit dieser Art der in Blech gehauenen Betörung einige Erfahrung: Genau 80. Jahre ist es her, dass Battista „Pinin“ Farina unter seinem Namen einen kleinen Karosseriebetrieb eröffnete. Marken wie Ferrari, Maserati und eben Alfa Romeo sollte Pininfarina, wie sich das Studio seit 1961 schreibt, mit herausragenden Entwürfen zu Weltruhm verhelfen. So ist die Präsentation des 2uettottanta nicht nur eine Hommage an die in Freundschaft verbundene Firma Alfa Romeo, sondern auch eine Ehrung der eigenen Geschichte. Dass die Enthüllung zudem auf dem 80. Genfer Autosalon stattfindet, wo viele Pininfarina-Ikonen das Licht der Welt erblickten, ist wohl mehr als ein schöner Zufall.

Doch zurück zu den Kurven. Unter dem knallengen, 4,20 Meter langen Blechkleid kommt ein 1,75 Liter großer Turbomotor zum Einsatz – ein Verweis auf den Alfa 1750 GTV von Bertone. Ganz der Zeit entsprechend lässt der Prototyp seinen Fahrer über den Charakter entscheiden – von „Dynamik“ über „Normal“ bis „All Weather“ scheint der Alfa für jede Situation die passende Abstimmung für Motor, Fahrwerk und Lenkung parat zu haben. Die Kraftübertragung erfolgt über ein Doppelkupplungsgetriebe, das sich auch manuell per Lenkrad-Paddel bedienen lässt. Im Cockpit geht es – im Gegensatz zur Karosserie – übrigens recht pragmatisch zu: Über die Fahrleistungen informieren klassische Rundinstrumente, die Kontrolle hält man über ein unten leicht abgeflachtes Dreispiechen-Volant. Unnötige Knöpfe, Displays, Joysticks haben sich die Designer glücklicherweise gespart.

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Der kryptische Modellname 2ettottanta setzt sich übrigens zusammen aus der Typenbezeichnung Duetto – so wurde der ursprüngliche Rundheck-Spider genannt, der an der Seite von Dustin Hofmann in „Die Reifeprüfung“ zu Weltruhm gelangte – und dem italienischen Wort für achtzig, ottanta, das auf das Markenjubiläum von Pininfarina verweist. Allen Sprechchören, die sich demnächst vor den lokalen Alfa-Vertretungen einfinden werden, sei zudem die korrekte Aussprache verraten: Skandieren Sie nur fordernd genug „Duetto-tanta“ – und Ihnen wird geholfen. Vielleicht.

Text: Jan Baedeker
Fotos: Pininfarina







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