Nordische Kombination

160 Teilnehmer der Sachs-Franken-Classic kamen vom Regen des 2. Laufes in Berchtesgaden in die Wetter-Traufe nach Bad Kissingen zur 3. Veranstaltung der Classic-Masters. Und dort zeigte sich, wer schlechtes Wetter gewohnt ist: Die Rallye war fest in norddeutscher Hand.

Drei verschiedene Wertungen wurden ausgeschrieben, alle drei gingen an norddeutsche Teams. Die Rallye rund um das Staatsbad Bad Kissingen war aufgeteilt in eine so genannte Wertungsfahrt, bei der die Teilnehmer es nur mit bekannten Zielen an Lichtschranken und Druckluftschläuchen zu tun bekamen. Erschwerte Bedingungen erhielt auf Wunsch, wer sich für die Sonderwertung „Gleichmäßigkeit“ einschrieb: Hier kamen zu den bekannten Zeitmessungen geheime Zeitmessungen, Schnittwechsel und Orientierungsprüfungen nach Pfeilskizzen hinzu. Und wie es sich für eine Rallye in einem Staatsbad gehört, wurde das Ganze abgerundet durch einen Concours d’Elegance.

Der Regen im Frankenland war der Segen der Norddeutschen: Der Gesamtsieg der Wertungsfahrt ging an das Hamburger Team Thomas Senn und Ivonne Birkhölzer auf Ihrem MG A Coupé. Landeten auf dem zweiten Platz noch das sympathische Vater-Sohn-Gespann Stefan und Alexander Rott aus dem bayerischen Oberhaching war aber schon der dritte Platz wieder nordisch besetzt: Wolfgang und Barbara Stegemann aus Buchholz in der Nordheide konnten erstmalig den Fehlerteufel aus dem Cockpit Ihres Jaguar XK 120 OTS fernhalten und endlich ihr wahres Potential zeigen.

Die Sonderwertung für die Masochisten unter den Rallyefahrern zeigte fast das gleiche Bild: Platz 1 für Senn/Birkhölzer, Platz 3 für Stegemann und Stegefrau. Nur der zweite Platz auf dem Treppchen wurde getauscht: Die in der Classic-Masters-Wertung führenden Michael Münzenmaier und Anja Schiemann steuerten Ihren Jaguar XK 140 OTS wie immer in die für die Meisterschaft wichtigen Punkteränge.

Beim Concours d’Elegance vor tausenden von Zuschauern im Kurgarten Bad Kissingens stahl dann der ebenso seltene wie atemberaubende Naish-Healey von Niels Hansen und Maria Fischer aus Schenefeld bei Hamburg der Konkurrenz die Schau: Wenn die kühlen Norddeutschen einmal in Fahrt kommen, dann eben gewaltig.

Veranstalter Karl-Heinz-Schott durfte trotz des grausligen Wetters höchstzufrieden sein mit seiner feinen Veranstaltung. Er hatte es geschafft, dass die deutsche Rallye-Elite fast vollständig angetreten war. Eine solche Dichte an potentiellen Rallyegewinnern hatte es lange nicht mehr in einem Starterfeld gegeben. Dass die ganzen Meister der Szene seinem Ruf gefolgt sind hat verschiedene Gründe: Zum einen sind die Kulissen bei der Sachs-Franken-Rallye immer etwas ganz Besonderes. Zwei Bergrennstrecken, dazu mit dem Mercedes-Benz-Grand-Prix von Hain und dem ZF Sachs-Grand-Prix in der Schweinfurter Innenstadt gleich zwei spektakuläre Fahrerstrecken vor großem Publikum und dazwischen immer wieder die Naturschönheiten des Frankenlandes und der Rhön sowie die immer wieder eindrucksvollen Abendveranstaltungen in Palmengarten, Wandelhalle und Regentenbau. Und zum anderen ist es die nicht uninteressante Zeitwertung bei der Sachs-Franken-Rallye: Auf Zeitkontrollen vor den Wertungsprüfungen wird komplett verzichtet. Wer früher da ist, kann auch früher fahren. Und trotzdem sind entspanntes Tanken auf den Verbindungsetappen, ein erlösendes Pipipäuschen oder ein kleiner Abbiegefehler kein Problem, da die Uhr nur auf den Wertungsprüfungen tickt. Was auch zur Folge hat, dass sich die sonst obligatorischen Staus vor den Wertungsprüfungen vermeiden lassen: hinkommen, wegfahren, fertig.

Einen Stau gab es dann allerdings doch noch, als sich zwei selbsternannte Hilfssheriffs an der WP 13 bemüßigt fühlten, mangels Hirnmasse kurzfristig die Strecke zu sperren. Die echten Gesetzeshüter konnten dem Treiben der Verwirrten aber schnell ein Ende setzen.

Ach ja: Einen weiteren Grund, warum die Starterheerscharen so über die Sachs-Franken herfallen ist sicherlich auch der Hauptpreis der Veranstaltung, ein Borduhrenset der Firma Chronoswiss im Wert von rund 3500 Euro. Eine durchaus nicht gewöhnliche Dreingabe, die nun künftig in Hamburg die Zeichen der Zeit erkennen lässt.

In der Gesamtwertung der Classic-Masters-Serie liegen nach dem dritten Lauf weiterhin Münzenmaier/Schiemann deutlich in Front, gefolgt von Senn/Birkhölzer und Hans Werner Wirth, der nach einem Schnitzer in einer Orientierungsprüfung mit einem unfreundlichen 21. Platz bei der Sachs-Franken-Rallye vorlieb nehmen musste. Aber das heißt alles noch gar nichts: Schließlich werden nur die sechs besten Ergebnisse der zehn Classic-Masters-Läufe gewertet.

Die nächste Chance auf eine Ergebniskorrektur gibt es vom 3. bis 5. Juni bei der Südwest-Classic in Balingen, denn im wilden Süden regnet es nie und somit sollten die Norddeutschen auch wieder in den Griff zu bekommen sein. Obwohl: Warum heißt eigentlich die norddeutsche Standard-Kopfbedeckung „Südwester“…?

Weitere Informationen unter www.classicmasters.de, www.langenburg-classic.de, www.rossfeld-historic.de, www.sachs-franken-classic.de und www.suedwest-classic.de.

Text: Tom Augustin
Fotos: Sachs-Franken-Classic


ClassicInside - Der Classic Driver Newsletter
Jetzt kostenlos abonnieren!