
Aller Anfang ist schwer. Diese Erfahrung musste auch der Düsseldorfer EDV-Spezialist Roland Schwertner machen, als er sich 1990 ins sächsische „Tal der Ahnungslosen“ begab. Im Januar 1991 bescherte er dort der 1906 ins Leben gerufenen und bereits 1910 unrühmlich eingestellten „Piratenmarke“ Nomos Glashütte ein Comeback. 1993 lieferte Nomos die erste Tangente, welche bei kostenbewussten Liebhabern des sachlichen Bauhaus-Designs auf Anhieb punktete.
Wie schon die ursprünglichen Namensgeber, musste sich auch Roland Schwertner damit herumschlagen, dass die Glashütter-Mitbewerber heftig gegen die Verwendung eidgenössischer Uhrwerke protestierten. Die Anfeindungen gingen freilich ins Leere, denn Nomos konnte eine Glashütter Wertschöpfung jenseits der 50-Prozent-Marke zweifelsfrei belegen. Spätestens seit 2005 regt sich gar niemand mehr auf. Durch das Automatikkaliber Zeta, von Nomos selbstironisch Tangomat getauft, mauserte sich das familiär geführte Unternehmen zu einer waschechten Uhrenmanufaktur. Mit Hilfe eines umfassenden Parks überlieferter und hypermoderner Maschinen produziert sie mehr als 80 Prozent der Komponenten im sächsischen Müglitztal. Selbst Zahnräder fertigt Nomos zwischenzeitlich unter dem eigenen Dach.
Das Zeta-Werk dient so als idealer Motor für mechanische Zeitmesser unterschiedlichster Art. Das gilt auch für die neueste Nomos-Kreation, die 40 Millimeter große Tangomat GMT. Kosmopoliten dürften die weltmännische Attitüde des Newcomers anhand der drei magischen Buchstaben auch ohne große Worte erraten. Von seinem Zifferblatt lassen sich nach einem unkomplizierten Synchronisierungsprozess gleich zwei Zonenzeiten ablesen: Die Heimat- und eine beliebige Ortszeit. Vielflieger haben in der Tat ein leichtes Spiel: Während des Flugs von Frankfurt nach Bangkok betätigen sie so oft den Drücker bei der 2, bis im Zifferblattausschnitt bei der 9 die Buchstaben BKK erscheinen. Mit jedem Druck springt allein der Stundenzeiger einen Schritt weiter. Die Minuten bleiben so auch in Thailand gleich. Auch die bei der 3 digital im 24-Stunden-Rhythmus angezeigte Heimatzeit tangieren Vielfliegers Zeitzonen-Manipulationen logischer Weise nicht. Schließlich möchte er seine Angebetete nur zu rechtschaffender Zeit ans Telefon holen. Die ausgeklügelte Manufakturarbeit mit weltmännischem Flair kostet übrigens deutlich weniger als ein Business-Trip in die Thai-Metropole.
In Edelstahl ist sie für 2.690 Euro wohlfeil. Und bei etwas Pflege überdauert das Opus Technicus mit Sicherheit klaglos viele Reisen rund um den Globus. Bleibt am Ende ein kleiner Unsicherheitsfaktor: Erst im Herbst 2010 - nach Abschluss einer ausgiebigen Testphase - wird sich Nomos auf das endgültige Zifferblattdesign festlegen
Weitere Informationen erhalten Sie auf der Homepage von Nomos www.glashuette.com.
Text: Gisbert L. Brunner
Fotos: Nomos
Gisbert L. Brunner beschäftigt sich seit 1964 mit Armbanduhren, Pendeluhren und Präzisionszeitmessern. Während der Quarzkrise in den 1970er Jahren wächst die Liebe zu den anscheinend aussterbenden mechanischen Armbanduhren. Ein leidenschaftliches Sammelhobby führt ab den 1980er Jahren zu zahlreichen Artikeln und Büchern über dieses Metier.
ClassicInside - Der Classic Driver Newsletter
Jetzt kostenlos abonnieren!






