Modena Motorsport: Tutti Ferrari

„Fährt der Ferrari, freut sich der Pilot!“ Diese simple „Wenn-Dann-Verknüpfung“ ist passionierten Ferraristi allzu geläufig. Insbesondere klassische Sportwagen der Marke kultivieren konsequent ihren eher zweifelhaften Ruf exaltierter Diven. Dies Gebaren gilt umso mehr für historische Formel1-Rennwagen. Glücklicherweise gibt es in solchen Fällen Stützpunkte wie Modena Motorsport in Langenfeld, Nordrhein-Westfalen. Uwe Meissner und sein versiertes Team geben störrischen Cavallini Rampanti die Sporen und das mit offiziellem Segen aus Maranello. Der leidenschaftliche Mechaniker gilt als Spezialist für Ferrari-Zwölfzylinder.

Passionierte Ferraristi haben seine Visitenkarte im Bordbuch, bei den Fahrzeugpapieren oder kennen seine Rufnummer gar auswendig: Uwe Meissner, Inhaber von „Modena Motorsport“ aus Langenfeld südlich von Düsseldorf, genießt bei Ferrari-Piloten Vertrauen und einen exzellenten Ruf. Handel, Wartung, Teil- und Komplettrestaurationen von Ferrari-Sportwagen sind das Fach des 50-jährigen; nun schon seit bald dreißig Jahren. Mehr noch: als weltweit einziges unabhängiges Unternehmen betreut Meissner die historischen Formel1-Rennwagen der prestigeträchtigen F1-Clienti Rennserie - bis hin zum Ex-Schumacher Monoposto. Und das seit zehn Jahren, ausdrücklich mit dem offiziellen Placet aus der Ferrari-Zentrale in Maranello. Seit 1992 veranstaltet der Spezialist für die schnellsten Modelle der Marke alle zwei Jahre zudem die Modena Trackdays. Seine ganz eigene private Ferrari-Fahrveranstaltung für Ferrari-Rennwagen und ehemals in echten Grand-Prix-Rennen eingesetzten Formel1-Boliden.

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Üblicherweise arbeitet Meissner diskret hinter verschlossenen Werkstatttüren. Für Classic Driver öffnete er jedoch die Rolltore und stellte seine aktuellen Projekte vor. Interessiertes Publikum sollte sich zudem den 5. bis 7. Februar 2010 notieren. Denn dann ist Meissner mit Modena Motorsport und zwei seiner Exponate auf der Bremen Classic Motorshow.

„Ich bin mit Ferrari groß geworden“, bekennt Uwe Meissner gegenüber Classic Driver. Seit Vater arbeitete früher bei Auto Becker in Düsseldorf als Lackierer mit spezieller Hingabe für die diffizilen Nitro- und Thermoplastlacke, welche frühe Sportwagen zierten. „Damit war ich infiziert und startete mit 16 Jahren als Kfz-Lehrling bei Becker“, so Meissner. Die roten Sportwagen packten ihn, und er hatte das „Privileg“, wie er selbst sagt, bei Ferrari-Fachmann Egon Welling zu lernen. Der erkannte sein Talent und nahm ihn sogar mit nach Maranello, während langjährige Gesellen das Nachsehen hatten. „Meister, wir müssen unbedingt zur Hausstrecke Fiorano fahren. Heute noch. Dort sollen Formel1-Wagen zu Abstimmungszwecken unterwegs sein“, erinnert sich Meissner an seine frühe Überzeugungsarbeit. „So habe ich Welling rumbekommen und wir trafen vor Ort tatsächlich auf die Fahrzeuge und - was noch beeindruckender war - auf Enzo Ferrari persönlich.“ Meissner konnte damals nur ein paar Blicke erhaschen, doch dieser Moment prägte sein Leben.

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Fortan gab es nur noch Ferrari für den Mann aus Langenfeld. Mit Mitte 20 legte Meissner selbst die Kfz-Meisterprüfung ab und eröffnete 1982 seinen eigenen Betrieb. „Vielleicht mein größter Erfolg: Es gelang mir sogar, meinen eigenen Vater vom großen Auto Becker abzuwerben. Das war für mich ein großartiger und emotionaler Augenblick, der mich in meinem Tun bestätigte“, berichtet Meissner rückblickend. Schnell wuchs der Kundenstamm. „Die Lage in der geografischen Mitte von Deutschland mit Düsseldorf und dem Ruhrgebiet vor der Tür entpuppte sich als ideal.“ Meissner verdiente sich die Sporen, Sammler vertrauten ihm die Pflege und Wartung ihrer Kollektionen an. Mit vielen Fahrer-Größen ist er heute per Du. Mit Jacky Ickx beispielsweise geht er regelmäßig auf Tour. Denn er fährt auch selbst leidenschaftlich gerne Rennen und nicht nur „Vergnügungsfahrten“ wie die Mille Miglia.

Heute arbeitet Meissner mit einem Team von acht Leuten bei Modena Motorsport. „Alles Top-Leute. Mein Chefmechaniker ist schon seit 22 Jahren dabei. Er hat einfach ein Gen mehr und ist ein begnadeter Motoren-Mechaniker“, schwärmt Meissner. Dabei gilt er selbst als Kapazität für die komplexen 312-Zwölfzylinder Motoren. „Hinzu kommt noch ein Netzwerk zu anerkannten Experten.“ Wichtigste Verbindung ist dabei wohl der direkte Draht ins Ferrari-Werk. „Wir haben aufgrund unserer Partnerschaft Zugang zu den Konstruktionsplänen und Blaupausen selbst für die F1-Boliden und fertigen notfalls auch jedes fehlende Teil nach.“ Dabei nutzt er eine Partnerschaft zur materialwissenschaftlichen Fakultät der FH in Aachen. Zwei bis drei Vollrestaurierungen pro Jahr durchlaufen so seinen Workshop. Aktuell sind es neben einem Ferrari Dino, alleine zwei 250er Lusso und ein 275 GTB, die bei Meissner von Grund auf saniert werden.

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Größte Herausforderung indes bleiben die Formel-Fahrzeuge. Fahrzeuge, wie sie auch bei den alljährlichen Ferrari Racing Days im Rahmen der „Corse Clienti“ Rennen zum Einsatz kommen. Warum aber sind diese Fahrzeuge so anspruchsvoll? Vergleichsweise einfache Karosserieteile werden kaum der Grund sein. Es ist vielmehr die Motortechnik, die es in sich hat. „Extrem hoch drehende Motoren dieser Leistungsklasse sind an der absoluten Grenze des Machbaren gebaut. Dünne Ventile, dünne Wandungen, Leichtbau in allen Bereichen bei maximaler Leistungsausbeute resultieren in enormen Belastungen und sehr engen Wartungsintervallen“, weiß der Langenfelder.

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Oder in ungewollten „Blow ups“, wie Meissner die kostspieligen Motorplatzer nennt - das Horrorszenario eines jeden F1-Piloten. „Auch deswegen haben wir in der F1-Clienti-Serie die Maximaldrehzahl um rund 1.000 Touren reduziert. „Es ist ein ständiges Lernen“, gibt Meissner bescheiden zu. Ein zehn oder 20 Jahre alter Formel-Motor sei einfach anders zu behandeln, als ein aktuelles Serienaggregat. Das Material altert, ermüdet. Im Rennbetrieb werden solche Aggregate alle 300 Kilometer zerlegt. Die Alterung dieser Motoren ist ein Prozess mit zahlreichen Unbekannten: Wie lange halten Kolben, Wellen, Ventile, Wandungen? Wie vertragen sich neue Tauschteile mit dem eingefahrenen mechanischen Gefüge? Welche Wirkung entfalten heute Dreh- und Anzugsmomente an Schrauben und Gewinden, die vor Jahren in mittlerweile leicht angegilbten Werkstatthandbüchern festgelegt sind?

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Probieren, Tricksen und die daraus resultierende Erfahrung ist in dem Job alles. Da der Ferrari-Fachmann fast jeden Tag selbst in der Werkstatt ist und die Fahrzeuge auch ständig bewegt, kann er reichlich aus diesem Potential schöpfen. Das wiederum schont das Budget seiner Kunden. Denn oft lassen sich Problemstellen lokalisieren, noch bevor der betroffene Motor seinen ansonsten vielleicht letzten Startvorgang erleiden musste. „Die Laboranalyse des Motoröl beispielsweise gibt oft Aufschluss über die mechanische und thermische Situation im Betrieb“, erklärt Meissner. Ganz so, wie das festgestellte Blutbild bei einem menschlichen Patienten die Anamnese ergänzt.

Ferrari der 308er- und 328er-Baureihen aus den achtziger Jahren mögen herkömmliche Sportwagen-Werkstätten ins Schwitzen bringen, bei Modena Motorsport sind diese Achtzylinder Standardkost. Doch auch hier lauern Tücken. „Viele dieser Sportwagen aus den 1980er Jahren sind leider verbastelt – ehemals gut gemeinte, doch meist schlecht gemachte Tuning-Versuche an Motor, Fahrwerk und Abgasanlage“, berichtet Meissner. „Ich weiß allerdings genau, wie sich ein solcher Ferrari ab Werk fahren muss, um dem Piloten den originalen Charakter zu vermitteln.“ Diese im wahrsten Sinne „eigenen Erfahrungen“ seien für Meissner eine der wichtigsten Quellen für die Endabstimmung der Kundenfahrzeuge.

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Zum Abschluss unseres Termins präsentiert Uwe Meissner noch eine absolute Pretiose. Kaum zu glauben und ausnahmsweise mal kein Ferrari. Sondern den originalen Rohrrahmen des Porsche 917 aus dem Speedhead-Streifen „Le Mans“ mit Steve McQueen. An den Ausfallenden des Rahmens sind noch die angeschweißten Aufnahmen für die Filmkameras erhalten. „Projekt 917-024 soll 2011 fertig werden“, kommentiert Meissner trocken das schwarz lackierte Rohrgeflecht. Und wir haben wenig Zweifel, dass es anders kommen wird.

Das Ferrariangebot von Modena Motorsport finden Sie im Classic Driver Automarkt.

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Text & Fotos: Mathias Paulokat


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