Ein Besuch bei den Manschettenjuwelieren von Deakin & Francis

Seit sieben Generationen widmet sich die Manufaktur Deakin & Francis dem Manschettenknopf. Für die Emaillekünstler, Sattler und Goldschmiede des Familienunternehmens ist der Knopf weitaus mehr als nur ein Weg, um die Manschette zusammenzuhalten. Wir haben das Atelier in Birmingham besucht.

Eine abenteuerliche Familienlegende 

Fast jede Familie hat eine Legende, die sich bei Familientreffen gerne erzählt wird. Doch die Geschichte der Deakins ist dann aber doch sehr außergewöhnlich: Im Jahr 1430 wurde ein Schiff mit königlichen Gästen an Bord auf dem Weg nach England von Piraten überfallen. Eingekesselt von zwei Piratenschiffen, begannen die Räuber mit dem Entern des britischen Schiffes. Die Situation schien ausweglos, denn immer mehr Piraten stürmten über gespannte Taue auf den Segler. Ein Vorfahr der Deakins wollte das Schiff jedoch nicht verloren geben und bahnte sich, bewaffnet mit einer Streitaxt, den weg bis zur Rehling, wo er die Taue, die sein Schiff fest im Griff hielten, durchtrennte und so für Rettung sorgte. Als Anerkennung für diese heroische Tat, war es der Deakin-Familie fortan erlaubt, ein Familienwappen zu tragen. Das Wappen zeigt eine Krone, aus deren Mitte ein Arm entspringt, der eine Axt in der Hand hält. Der dazugehörige königliche Erlass hängt heute hinter Glas an einer Wand im Hauptquartier von Deakin & Francis in Brimingham. Seit 228 Jahren werden an diesem Ort feine Manchettenknöpfe gefertigt - manche Menschen halten die Knöpfe sogar für die besten der Welt. 

Ein ungewünschtes Kompliment

Es kann gut sein, dass viele Herren Manchettenknöpfe von Deakin & Francis besitzen, ohne es zu wissen. Denn der britische Handwerksbetrieb fertigt für viele große Modemarken, deren genauen Namen die diskreten Manchettenknopf-Künstler verschweigen. Neben diesem Geschäft werden in Birmingham auch maßgeschneiderte Manchettenknöpfe für Königshäuser, Politgrößen und Rockstars von Hand gefertigt. Es scheint fast, als wäre Deakin & Francis eines der bestgehüteten Geheimnisse des Vereinigten Königreiches. “Für uns ist es das schlimmste Kompliment, das wir sehr häufig zu hören bekommen. Immerhin sollte eine Firma, die über zwei Jahrhunderte im Geschäft ist, nicht mehr als Geheimtipp gelten", sagt Henry Deakin, der Ur-Ur-Urgroßneffe von Charles Washington Shirely Deakin, einem der beiden Firmengründer. “Nun versuchen wir die Wahrnehmung für unsere Marke zu stärken. Zukünftig werden die Manchettenknöpfe in Deakin & Francis-Boxen angeboten und auch auf den Knöpfen selber findet sich unser Firmenname." Um dieses Ziel zu erreichen, wurde mit einigen der wichtigsten Verkaufspunkten Verträge geschlossen, so dass man nun Deakin & Francis als eigenständige Marke wahrnehmen wird - soweit der Plan. 

Die Zeit steht still

Nach wie vor liegt das Hauptsitz der Frima im historischen Juweliers-Quartier in Birmingham. In der Manufaktur scheint die Zeit still zu stehen: Man sieht Goldschmiede, wie sie von Hand jedem einzelnen Manchettenknopf das hauseigene Signet verpassen und Steinsetzer, die mit ruhiger Hand einen mit blauen Steinen verzierten "Kopf" eines Manschettenknopfes verzieren. Einen Raum weiter sind Modelleure damit beschäftigt, die von Hand gezeichneten Designentwürfe in eine dreidimensionale Form zu bringen. Dies alles geschieht ohne Hilfe von 3D-Programmen und Computern. Alles erinnert an Zeiten, in denen britische Handwerkskunst weltweit Beachtung fand - bevor die Welt dem Billig- und Wegwerfwahn verfiel. 

Morbide Besteller

Henrys Bruder James Deakin sagt: “Wenn man Menschen aus aller Welt fragt, was für Sie typisch britisch sei, dann lautet die Antwort in 8 von 10 Fällen: Die Briten sind Exzentriker. Tatsächlich bestätigt sich das jeden Tag in unseren Ateliers. Keine Idee ist zu spleenig, als dass wir Sie nicht umsetzen würden." Der Juniorchef sieht Manchettenknöpfe als "Ausdrucksmittel unserer Stimmungen und der Persönlichkeit". Wenn dem so wäre, müßte man sich allerdings ernsthaft sorgen machen um den Zustand unserer Gesellschaft - denn der "Bestseller" in der Kollektion ist ein Modell mit Totenkompfmotiv. Auch bei Manchettenknöpfen liegt Schönheit eben im Auge des Betrachters. 

Unbegrenzte Kreativität

Doch der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. So wurden zum letzten Weihnachtsfest Manchettenknöpfe in Form zweier Zigarrenkisten aus handbemaltem Gelbgold besonders häufig verschenkt. Eben das perfekte Weihnachtsgeschnek für den Rome y Julieta rauchenden Zigarren-Aficionado. Doch solche Geschenke sind je nach Betrachtungsweise recht preisintensive Anschaffungen. Dies Paar Manschettenknöpfe kostet immerhin 11.260 Britischen Pfund. Noch heute fühlen sich die Macher hinter Deakin & Francis dem Königshaus verbunden, daher fertigte man zu Ehren des diamantenen Kronjubiläums Ihrer Majestät eine limitierte Serie von 12 Manchettenknöpfen in der Form von mit Diamanten besetzten Totenköpfen an. 

Den beiden Firmenführern in der siebten Generation geht nun darum, ihre Marke einem weltweiten Kundenkreis näher zu bringen. Auch wenn sie heute wohl kaum mit der Streitaxt bewaffnet losziehen müssen, um Ketten von Ladentüren zu öffnen, ist die Expansion keine leichte Aufgabe. Doch es wäre gelacht, wenn die Deakins nicht auch dieses Ziel erreichen würden. Es würde in jedem Falle für etwas mehr Stil an der Manschette sorgen. 

Dieser Artikel ist zuerst im Londoner City Magazine erschienen. Weitere Informationen unter rwmg.co.uk.