Biba in Kensington war einst das coolste Kaufhaus der Welt

Wie die britische Popsängerin Mary Hopkin in 1968 so richtig sang: „Those were the days, my friend.“ Die Tage, in denen Londons Straßen gefüllt waren mit Morris Minors und MGBs, als die Beatles und die Rolling Stones Musikgeschichte schrieben und die englische Modemarke Biba der Trendsetter war.

Wer heutzutage eine Marke wie Biba auf den Markt bringen wollte, der würde zunächst ein riesiges Team von Marketingleuten beschäftigen, um den Namen zu finden. Ein noch größeres Team an Designern würde dann den passenden „Look“ kreieren, und eine kleine Armee von Marktstrategen würde entscheiden, was man eigentlich verkaufen will. Dann müsste noch ein fürstlich bezahlter Chefdesigner her und ein Promi als „Gesicht“ der Marke. 

Eine Sensation über Nacht

In den 1960er Jahren gingen die Uhren in der Welt der Haute Couture allerdings noch anders. Als die 28-jährige ehemalige Modestudentin Barbara Hulanicki im Jahr 1964 beschloss, ihren bescheidenen Bekleidungsversandhandel ins Leben zu rufen, suchte sie sich als „Flagshipstore“ eine alte Apotheke in der Abingdon Road im Londoner Stadtteil Kensington. Die Schaufensterdekoration war ausgesprochen Art Déco und der Shop bis unter die Decke mit Pappkartons voller pinkfarbener Gingham-Kleider – „wie das von der Bardot“ – gefüllt. Das Ergebnis? 4.000 Kleidungsstücke gingen allein am ersten Tag über den Ladentisch. Mit anderen Worten: Aus Biba war über Nacht ein neuer Stern am britischen Modehimmel geworden. Kurze Zeit später wurde der Laden zum Stammladen von britischen Prominenten wie Mick Jagger, David Bowie und „last but not least“ Cathy McGowan.

Typisches 1960er-Jahre-Girl

Cathy McGowan war das „It-Girl" der 1960er Jahre im Inselkönigreich und wurde – genau wie ihre Lieblings-Modemarke Biba – mit ihrer TV-Musikshow „Ready, Steady, Go!“ über Nacht zum Star. McGowan trug ihre Biba-Outfits aber nicht nur nach Feierabend, sondern auch bei ihren Fernsehauftritten, sodass anschließend in dem Modeladen die Telefone glühten. Aber der Biba-Look war nicht „jederfraus“ Fall. Nur 20-Jährige „frische Fohlen mit langen Beinen, strahlenden Gesichtern und runden Puppenaugen“ konnten die hautengen, preiswerten Biba-Kleider, die aus Materialien wie Satin, Krepp und Chiffon hergestellt wurden, überhaupt tragen. 

Big Biba

Mit wachsenden Umsätzen mussten auch die Räumlichkeiten wachsen, also zog das Label in einen alten Teppichladen in der Kensington Church Street um, später dann in die High Street und 1974 schließlich in das ehemalige „Derry and Toms“-Kaufhaus mit sieben Stockwerken: „Big Biba“ war geboren. Dort konnte sich die Marke dann „austoben“ und das stilvolle Gebäude mit Art-déco-Möbeln, Garderobenständern und Lebensmitteln in exzentrischen Vitrinen füllen. Die Schaufenster wurden zugeklebt, um die Neugierde der vorbeigehenden Passanten zu wecken. Biba hatte inzwischen auch weit mehr als Mode im Angebot: von Büchern über Dekorationsmaterial, Gemüse und Spielzeug – der Biba-Stil hatte Einzug in den Alltag gehalten. Sogar das Dach hatte einen Touch Biba, denn der Dachgarten – in dem pinkfarbene Flamingos umherspazierten – war seinerzeit der größte Europas.

Ein Schritt nach vorne, zwei zurück

Obwohl sich Big Biba zu einer der beliebtesten Touristenattraktionen Londons gemausert hatte und bis zu eine Million Kunden wöchentlich anlockte, schnellten die Kosten für den Unterhalt massiv in die Höhe und trieben die Konten der Modefirma in die roten Zahlen. Trotz einiger Finanzspritzen von externen Investoren musste Biba schließlich 1975 seine Pforten schließen.

Das waren noch Zeiten

Es gab drei Versuche, die berühmte Marke wieder zum Leben zu erwecken, aber sie scheiterten allesamt, bis die britische Modekette House of Fraser 2009 die Marke kaufte und gemeinsam mit Biba-Gründerin Hulanicki als Beraterin wieder erfolgreich im Markt etablierte. Aber wie unsere Fotos aus der goldenen Zeit der Marke anschaulich dokumentieren: „THOSE were the days, my friend“. 

Fotos: Getty Images

Schwelgen Sie gerne in Erinnerungen an die gute, alte Zeit? In unserem Classic Driver Markt werden hunderte von Autos aus der Ära von „Biba“ zum Kauf angeboten.