Mini, Snow-Man und die kalte Kanone

Mini, Snow-Man und die kalte Kanone

Adel verzichtet. Aber die Country-Männer mögen’s weiß. Und kalt. In Kühtal in Tirol. Unter all den groß gewachsenen ALL 4 auch ein Classic Mini, pilotiert vom Geheimagenten 00Finn. Der Snow-Man aus dem hohen Norden war auf der Jagd nach der kalten Kanone.

Die Mütze! Ein Ding wie aus einer anderen Welt. Da weiß jedes Kind sofort, warum der Geheimagent Snow-Man heißt. Das Ding sieht aus wie die Trockenhauben, die unsere Mütter in den Fünfzigern benutzten und von einem Schlauch zu ihrem Kopf aufblasen ließen. Snow-Mans Mütze braucht keinen Schlauch und kein Gebläse. Das Fell stammt von einem finnischen Berghund. Er hat es ihm gewaltfrei vom Körper geklaut und sich daraus dieses Monstrum anfertigen lassen. Und so einer will Geheim-Agent sein?

Snow-Man fällt deshalb nicht auf, weil er sich gebiert wie ein alternder Rentner, der nur oben herum etwas modisch Ausgefallenes trägt. Ansonsten ist er die Gelassenheit und Ruhe in Person. Die Falten in seinem Gesicht sprechen von vielen „Missionen“, die er nicht alle ohne Schaden überstanden hat. Ein wirklich harter Hund, der offensichtlich auch mit bloßen Händen arbeitete. Dabei sind einige der kernigen Finger wohl mal zu Bruch gegangen. Und wenn er vollkommen inkognito sein möchte, zückt er die Lesebrille, schnappt sich sein iPhone und spricht in einem Idiom, dass offensichtlich noch geheimer ist als seine aktuelle Mission.

Mini, Snow-Man und die kalte Kanone

Die Finn-Task-Force (FTF) hat ihn nach Tirol entsandt, damit er da unten mal aufräumt. Selbst bis in den hohen Norden, wo 65,4 Prozent des Jahres mit reichlich Schnee stattfinden, war es anrüchig geworden, dass die Südländer bluffen. Schöne Postkarten suggerieren zwar auch hier im Kühtal viel Schnee und lauschige Stimmung an offenen Feuern. Aber es ist alles Fake. Kalte Kanonen sollen im Einsatz gewesen sein, um rechtzeitig zum Fest der Feste eine pulvrige weiße Schicht zu erzeugen. Derweil darbt das Heimatland von 00Finn unter Touristenmangel, obschon sie dort den schönsten Schnee in Hülle und Fülle anbieten können. Also hat sich der Snow-Man in sein von I auf schiere Unscheinbarkeit gestyltes Agentenauto gesetzt und ist die 3.000 Kilometer mal eben runter gezoomt. Auf 12-Zoll-Rädchen, mit schnarrendem Auspuff, mit zwei Litern Motoröl auf der Rückbank und der Mütze im Kofferraum.

Snow-Man hat unterwegs mittels Choke (das ist ein geharnischter Raketenantrieb) auf Topspeed geschaltet, die Radioblende abgenommen und auf IFR umgestellt, so dass er nur wenige Stunden später in Innsbruck landen konnte. Hier unten im Tal sah alles noch normal aus: kein Schnee. Aber auf 2.200 Metern Höhe quollen ihm riesige LKW entgegen, die mit der weißen Pracht beladen waren. Waren das bereits die kalten Kanonen? Snow-Man zog die Stirn noch ein wenig krauser, setzte die Lesebrille auf, in deren Gläser ihm die FTF alle Daten einspielte. Und entschied: nein. Die kalte Kanone musste irgendwo anders zu finden sein. Er bog von der Straße ab und gesellte sich zu den Aborigines, die dort im künstlichen Schnee einem typischen Brauch der Mittel- und Südeuropäer fröhnten.

Mini, Snow-Man und die kalte Kanone

Sie saßen auf Fellen – „das haben sie auch bei uns abgeguckt“, schnurrte Snow-Man in seinen Bart – und tranken undurchsichtiges heißes Zeug. Das würde es in Finnland nie geben, dachte Snow-Man, probierte aber trotzdem. Da wurden die Einheimischen gesprächig. 00Finn speicherte alle Details, bedankte sich für das Heißgetränk und ging entspannt zu seinem Classic Mini. Er drückte den Gebläseschalter und plötzlich fuhr der Tacho zur Seite und ein Micro-Rechner ging auf Stand-by. Er sprach die Details in ein unsichtbares Mikrofon und die Maschine erstellte aus den Daten ein Rendering der Kalten Kanone. Da wurde auch Agentenhund Spike wach, der bis zu diesem zeitpunkt genüsslich auf dem Beifahrersitz geschlafen hatte. Spike wusste intuitiv, wann seine Nase wichtig war. Jetzt! Spike schüttelte sich, 00Finn zog die Agentenmütze auf, startete den Motor und fräste sich unter viel Wheelspin zurück auf die Straße. Jetzt war er in seinem Element. Wurde aber auch langsam Zeit, denn der Tag neigte sich seinem Ende zu.

Mini, Snow-Man und die kalte Kanone

Ein Höllenritt mit einem Höllenhund an Bord. Snow-Man war so drauf, dass er links bremsend und gleichzeitig Gas gebend seinem Namen alle Ehre machte. Nach nur wenigen Kilometern zischte er mit einer geschickten Handbremswende auf einen Parkplatz und sah gerade noch, wie eine Pistenraupe die kalte Kanone vorne in die Zange nahm und den eisglatten Hang hinauf tobte. „Jetzt muss ich zum ersten Mal in meinem Leben Schneeketten aufziehen“, stöhnte 00Finn. Spike brummte. So kannte er sein Herrchen gar nicht. Immer cool, sonst. Die Nacht war dann auch schon fast undurchschaubar geworden, als Snow-Man wieder hinter dem Volant saß. Und was er dort so gerade noch erkennen konnte, ließ selbst ihn, den alt gedienten Haudegen der FTF, entgeistert aufstöhnen. Der ganze Hang war gespickt mit kalten Kanonen, die brummend und blitzend kaltes Wasser in die Luft stäubten. Mit dem iPhone gab er in diesem eigentümlichen Dialekt seine Meldung an die FTF-Zenrale. Mission impossible. Die kalten Kanonen sind klar in der Überzahl. Vielleicht könnte ja Tom Cruise alias Ethan Hunt die Mission von Snow-Man zu Ende führen. 00Finn jedenfalls war jetzt eher nach einen klaren Getränk im eisigen Tippi. Er setzte seine Mütze auf und ging bedächtig von dannen. Perkele, entfuhr es ihm. Er war der geborene Gewinner. Dieses Mal aber war er verdammt noch mal gescheitert.

Wie man einen Sportwagen auf echtem Schnee und Eis richtig beherrscht, lernt man am besten bei Rauno Aaltonen in seiner finnischen Winter-Fahrschule. Weitere Informationen unter http://www.aaltonenmotorsport.com

Text: Jo Clahsen
Fotos: Uwe Fischer