Mini Rocketman Concept: Kleiner geht noch

Auf der Fashion Week in Mailand hat Mini eine neue Designstudie präsentiert, die sich dem bisherigem Modellwachstum widersetzt. Das kompakte Mini Rocketman Concept ist als variabler 3+1-Sitzer ausgelegt und demonstriert neue Formen und Materialien, die in Zukunft den Look der Marke prägen könnten.

Erst Hatchback, dann Clubman, dann Countryman: Seit der Einführung des neuen Mini im Jahr 2001 hat sich nicht nur das Portfolio der BMW-Tochter stetig vergrößert – auch in den Abmessungen sind die Modelle immer weiter gewachsen. Dabei entspricht gerade der winzige Classic Mini, mit dem Sir Alec Issigonis Anfang der Sechzigerjahre die städtische Mobilität revolutionierte, den heutigen Wünschen urbaner Kunden nach einem möglichst kleinen und praktischen, aber qualitativ hochwertigen Cityflitzer, wie kaum ein anderes Automobil. Nach Daimler und Smart drängen derzeit auch andere Hersteller in diesen Wachstumsmarkt. Kein Wunder also, dass sich Mini für den langfristigen Ausbau des Modellprogramms wieder auf die althergebrachten Dimensionen besinnt: Auf dem Genfer Salon zeigt die britisch-bajuwarische Marke in diesem Jahr die Designstudie Rocketman, die mit 3,42 Metern Länge etwa die Mitte zwischen Ur-Mini und aktuellem Modell markiert. Bei einer Preview im Rahmen der Mailänder Fashion Week wurde der „Raketenknirps“ nun erstmals präsentiert.

Viel kleiner, so stellt der neue Chefdesigner Anders Warming von vornherein klar, kann ein Mini angesichts der heutigen Komfort- und Sicherheitsstandards nicht mehr werden. Dem Gestalter und seinem Team ging es bei der in nur einem Jahr entwickelten Studie auch eher darum, die Möglichkeiten kreativer Raumnutzung im Sinne des Markenstils zu erforschen und zu interpretieren. Wahrlich großzügig soll man im Mini Rocketman zu zweit unterwegs sein, ein verschiebbarer Einzelsitz hinter dem Beifahrer nimmt aber auch einen dritten Passagier auf. Und sollte man tatsächlich einmal zu viert Einsteigen, genügen einige Handgriffe und eine Art Klappsitz im Fond steht zur Verfügung. Andernfalls klappt man die Rückenlehne nach vorn und erhält zusätzlichen Stauraum. Praktisch erscheinen auch die langen Coupé-Türen, die den Einstieg im Fond erleichtern sollen. Um beim Parken in engen Lücken nicht beim Nachbarn anzuecken, lassen sich die Türen über zusätzliche Scharniere anwinkeln, ohne den Einstieg einzuschränken. Clever wirkt auch die zweigeteilte Heckklappe mit einer nach oben schwingenden Klappe und einem separat ausfahrbaren Schubfach.

Mini Rocketman Concept: Kleiner geht noch Mini Rocketman Concept: Kleiner geht noch
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Ob sich diese und ähnliche Lösungen in die Serie überführen lassen, wird sich zeigen. Neben der Praktikabilität stand beim neuesten Mini-Konzept auch das Einsparen von Gewicht im Fokus. Als Basis des Rocketman dient deshalb eine Spaceframe-Konstruktion aus Carbon, die den Kleinwagen zwar deutlich leichter, zur aktuellen Preislage jedoch auch unbezahlbar machen würde. Rein dekorativ ist dagegen das Glasdach, in dem leuchtende Streben die Umrisse der britischen „Union Jack“-Flagge bilden. Wie bei Designstudien derzeit üblich, wurde auch sonst nicht mit LED-Beleuchtungen gespart: Scheinwerfer, Bügel-Rückleuchten und zahlreiche Interieur-Elemente lassen das Konzept in futuristischem, mitunter farblich wechselndem Licht erstrahlen. Neben Lack und Nubukleder kommt im Innenraum erstmalig auch Papier zum Einsatz – das gepresste und maschinell gefaltete Material verleiht Armauflagen und Dekorleisten eine ungewöhnliche Struktur. Interessant, innovativ, sicherlich – doch hätte ein wenig mehr Minimalismus nicht geschadet.

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Beim Bedien- und Entertainmentkonzept, für Marketingleute weltweit der Schlüssel zum Herz der Facebook-Generation, hat sich ebenfalls einiges getan. Das Zentralinstrument lässt sich theoretisch herausnehmen und am heimischen Computer mit Fotos, Videos oder Routenzielen füttern. Ins Internet gelangt man über die Schnittstelle selbstverständlich auch. Momentan ist der Mini Rocketman als statische Designstudie ausgelegt – doch an guten Vorsätzen für die Motorisierung fehlt es nicht: Ein Verbrauch von drei Litern soll bei entsprechendem Leichtbau definitiv machbar sein, der passende Dreizylinder-Motor muss erst noch entwickelt werden.

Ob der Mini Rocketman tatsächlich von den Vorständen der BMW Group abgesegnet wird, ist derzeit noch nicht gewiss. Laut den Designern handelt es sich zunächst um eine Vision, die neue Ideen visualisieren soll. Zunächst sind sowieso die Markteinführungen von Coupé und Roadster geplant und auch beim klassischen Hatch steht der Modellwechsel an. Bis also wieder ein Mini im klassischen Mini-Format auf die Straße kommt, wird man sich noch etwas gedulden müssen. Und wie schmetterte Elton John noch gleich in seinem Song „Rocket Man“: And I think it’s gonna be a long long time...

Text: Jan Baedeker
Fotos: Mini