Mille Miglia 2003: Mercedes-Benz Ante Portas


Mercedes-Benz 300 SLR Rennsportwagen mit dem Stirling Moss bei der Mille Miglia, 1955 siegreich durchs Ziel fuhr

Vom 22. bis 25. Mai 2003 wird die historische Mille Miglia im norditalienischen Brescia zum 21. Mal zu lautstark pulsierendem Leben erweckt. Dann flammen für kurze Zeit auch die Diskussionen wieder darüber auf, ob die Original Mille Miglia zwischen 1927 und 1957 mehr Faszination ausstrahlte als ihr historisches Pendant seit 1977. Auch diesmal werden sie spätestens dann wieder unentschieden verstummen, wenn die Motoren der rund 370 gemeldeten Wagen vor dem Start zur 21. Mille Miglia warmlaufen und den Ton angeben.

Intime Kenner des berühmtesten Langstrecken-Klassikers und seiner Geschichte wissen es längst, die Neulinge erfahren es jetzt: Schon von früh an ist die Marke Mercedes-Benz mit der seit 1927 ausgetragenen Mille Miglia durch herausragende Klassen- und Gesamtsiege aufs engste verbunden.

Die ewige Siegerliste der Mille Miglia führte Rudolf Caracciola im SSK bereits 1930 auf dem 6. Platz und 1931 mit einem SSKL als ersten Gesamtsieger auf Mercedes-Benz.

Die Teams Kling/Klenk und Caracciola/Kurrle belegten 1952 auf 300 SL-Prototypen die Plätze Zwei und Vier im Gesamtklassement, während Moss/Jenkinson (300 SLR) 1955 in neuer Rekordzeit siegten. Juan Manuel Fangio fuhr damals in seinem 300 SLR die ganze Strecke ohne Copilot und belegte dennoch den 2. Platz. Die amerikanisch-deutsche Mannschaft Fitch/Gesell (300 SL) gewann die GT-Klasse über 1,6 Liter, und Retter/Lacher (180 D) die Diesel-Kategorie.


Der sensationelle Mercedes-Benz Sieg in Italien, Brescia 1931

Auch bei der Mille Miglia seit 1977 setzen Mercedes-Benz Erfolge die lange Tradition fort: 1986 steuerten Schildbach/Netzer ihren SSK Baujahr 1929 an die Spitze der Gesamtwertung, 1989 und 1997 war es die Italiener Valseriati zusammen mit Copilot Favero auf 300 SL (1955) bzw. mit Sabbadini im Cockpit eines 300 SL-Prototyp von 1952.

370 Teilnehmer aus 19 Nationen mit 58 Marken am Start

Das imposante Teilnehmerfeld der über 370 gemeldeten Fahrzeuge rekrutiert sich in diesem Jahr aus 19 Nationen, darunter Argentinien, Australien, England, Japan, Malaysia, Südafrika und die USA. Nicht zuletzt daran lässt sich auch die ungebrochene Anziehungskraft der dieses italienischen Oldtimersport-Festivals ablesen.

Dem Gastgeberland Italien mit der naturgemäß größten Teilnehmerzahl von zusammen 142 Wagen, folgen 2003 Deutschland (87) vor den USA (33), Japan (23) und England (20).

Allein 58 verschiedene Fahrzeug-Marken mit traditionsreichen Namen gestalten in Brescia die bunten Bilder der technischen Abnahme auf der Piazza della Vittoria und der abendlichen Startaufstellung in der Viale Venezia. Mit 37 Fahrzeugen wird Mercedes-Benz am stärksten im Feld vertreten sein, gefolgt von Ferrari (34), Alfa Romeo (30), Fiat (26), Porsche (25) und Bugatti (23). Aber auch Firmen-Logos wie Amilcar, Bizzarini, Cysitalia, Maserati, Osca, Rile, Talbot Lago oder Veritas und andere mehr erinnern an die großen Zeiten der Original-Mille Miglia.

Auch in diesem Jahr unterstützt Mercedes-Benz Classic die Mille Miglia wieder als Hauptsponsor und beteiligt sich zusätzlich mit acht Wagen: Einem Kompressor-Typ 710 SS von 1929, vier 300 SL, je einem 300 SLR bzw. 300 SL Prototyp und einer 180 D-Limousine, alle aus den 50er-Jahren. Mit dabei auch wieder Ex-Rennfahrer Jochen Mass, diesmal im Cockpit des 300 SLR. Der 180 D steht der Redaktion von Motor Klassik zur Verfügung. Den Beifahrerplatz darf der Sieger oder die Siegerin eines Leserwettbewerbs des Oldtimer-Fachmagazins einnehmen.

Die Faszination beginnt nicht erst beim abendlichen Start

Stilvolle Einstimmung auf das klassische Motorsport-Event „Mille Miglia, Brescia-Rom-Brescia“, ist die technische Abnahme der Fahrzeuge am Donnerstag von 9.00 bis 18.00 Uhr auf der Piazza della Vittoria im historischen Zentrum von Brescia. Dort harren die rund 370 Rennsport-Legenden dicht gedrängt darauf, ihre Zulassung zum Start zu bekommen. Hunderte Menschen verfolgen das Geschehen und begleiten das bunte Treiben mit sachverständigen Kommentaren. Glücklich, wer noch einen Sitzplatz vor oder in einer der umliegenden Cafeterias ergattern kann. Dort hat er nicht nur einen Logenplatz vor diesem unglaublichen Szenario, sondern auch die Chance, die eine oder andere Rennfahrer-Legende aus nächster Nähe erleben zu können. So eingestimmt, ist die südländische Begeisterung für den historischen Motorsport im allgemeinen und für die Mille Miglia im besonderen, sowohl beim abendlichen Start als auch am Wendepunkt in Rom, beim Zieleinlauf in Brescia, und entlang des vielgestaltigen Apenninen-Kurses, nicht zu zügeln.

An den interessantesten Stellen verfolgen Tausende begeisterter Tifosi und ausländische Fans das vorbeirollende Rennsport-Museum. Mit tosendem Beifall erweisen sie den technischen Zeitzeugen glorreicher Motorsport-Epochen auch unterwegs begeistert ihre Referenz.

Viele Fans fahren noch vor dem Start gezielt zu sehenswerten Streckenpunkten, beispielsweise nach Ferrara, San Marino oder zum historischen Bergdorf Radicofani. Oder zu den Stadt-Durchfahrten in Ravenna bzw. Florenz, aber auch zu den beiden Pässen Futa und Raticosa. Eines versäumen sie jedoch nie: Das furiose Schauspiel der abendlichen Zielankunft in Brescia.

Text & Fotos: DaimlerChrysler