Mercedes-Benz G 350 Bluetec: Die Trutzburg

Totgesagt war er schon einige Male, und mit der GL-Klasse gab es sogar schon ein designiertes Nachfolgemodell. Doch auch 31 Jahre nach Produktionsbeginn rollt der Geländewagen von Mercedes-Benz unverdrossen im steirischen Graz vom Band. Und an der Form hat sich so gut wie nichts geändert. Die einzige größere Überarbeitung fand 1990 statt. Seitdem läuft die Baureihe unter dem Code W463. Das Ursprungsmodell - der W461 - ist als G 300 CDI Professional übrigens seit kurzem auch wieder erhältlich.

Das G-Modell tritt gerade in der von uns gefahrenen Langversion so massiv auf, dass sich im Vergleich selbst ausgewachsene SUVs wie die M-Klasse aus gleichem Hause ausgesprochen bescheiden ausnehmen. Da die kastenartige Form zudem den gegebenen Raum optimal ausnutzt, verfügt der Geländewagen über ein sehr großzügiges Platzangebot. Das Gepäckraumvolumen variiert zwischen 480 und 2.250 Liter, und das Raumgefühl ist auf allen Plätzen hervorragend. Die Aussicht nach vorn und zur Seite ist erstklassig, die breiten D-Säulen schränken allerdings den Blick nach schräg hinten ein. Ein Unsicherheitsfaktor beim Einparken ist zudem das sperrige Reserverad, das über die Karosserie hinausragt.

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Die Armaturentafel ist schmal und im Grundriss konservativ gezeichnet, wurde allerdings im Laufe der Jahrzehnte mit derart vielen jeweils neuen Stilelementen ergänzt, dass Fahrer und Beifahrer nun auf ein veritables Sammelsurium an Uhren, Knöpfen und Bildschirmen aus 31 Jahren Cockpit-Entwicklung blicken. Genaues Studium empfiehlt sich, denn nur wer sich zum Beispiel in die Feinheiten der drei zuschaltbaren Differentialsperren und des Verteilergetriebes vertieft, kann das ganze Potential des G ausnutzen. Und das ist erheblich, was im Übrigen auch an stolzen 22 cm Bodenfreiheit und der Wattiefe von 50 cm liegt.

Mercedes bietet die Baureihe W463 mit drei Motoren an - einem 3,0-Liter-V6-Diesel mit 211 PS, einem 5,5-Liter-V8 mit 388 PS und einem 5,4-Liter-V8-Kompressor mit 507 PS. Die beiden V8-Benziner genehmigen sich gerne auch mal mehr als 20 Liter der teuren Essenz, doch selbst der Dieselmotor ist ein recht trinkfester Geselle. Einem Normverbrauch von 11,2 l/100 km stehen Realverbräuche gegenüber, die selbst bei großer Zurückhaltung die 13 Liter nicht unterschreiten, sich bei schneller Autobahnfahrt aber auch bei 17 Litern einpendeln können. Verantwortlich dafür ist einerseits das hohe Leergewicht von 2.580 kg, andererseits der rekordverdächtig hohe cw-Wert von 0,54. Liebhaber lassen sich davon natürlich nicht beeindrucken, sondern räsonieren lieber über die Langzeittauglichkeit des wie für die Ewigkeit gebauten G - und danken dem Hersteller im Stillen für die weitsichtige Entscheidung, einen fast 100 Liter fassenden Tank einzubauen.

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Im Alltag lässt sich mit dem in der Langversion ab 80.194,10 Euro teuren G-Modell sehr gut leben. Der Motor tritt kräftig an, das Geräuschniveau ist relativ niedrig, das Fahrverhalten stabil - und so schlimm, dass man mit diesem Auto nicht mehr weiterkommt, kann die Krise gar nicht werden. Schließlich schwören auch Militärs aus aller Welt auf deutsch-österreichische Ingenieurskunst. Bei der Bundeswehr hört das G-Modell auf den Namen "Wolf". Bleibt zu hoffen, dass Mercedes das Modell noch lange im Programm lässt. Denn einen adäquaten Ersatz gibt es nicht - weder im eigenen Haus noch anderswo.

Text: Jens Meiners
Fotos: Daimler