Mercedes-Benz 300 SE Coupé und Cabriolet: Die schönen Schwestern

Mercedes-Benz 300 SE Coupé und Cabriolet: Die schönen Schwestern

Mit den vor 50 Jahren erstmals vorgestellten Modellen 300 SE Coupé und Cabriolet markierte Mercedes-Benz seine Spitzenposition im Automobilbau. Die vom legendären Designer Paul Bracq gezeichneten Zweitürer sollten mehr sein, als die schönen Schwestern der konservativen Heckflossen-Limousine 300 SE.

Obwohl nur mit Sechszylindern erhältlich, die Konkurrenz setzt auf die Kraft der Acht, wurden 300er SE Coupé und Cabriolet sofort von der Fachpresse als „non-plus-ultra des modernen Automobilbaus“ gewürdigt. Vor allem aber eroberten sie mit insgesamt über 3.100 verkauften Einheiten in fünfjähriger Produktionszeit einen einzigartigen Bestsellerstatus in einem Segment, das bis dahin fast nur zwei- oder dreistellige Verkaufszahlen kannte. Schon die Modelle 300 S und 300 Sc mit dem damals fast mystischen Zahlencode von Bundeskanzler Konrad Adenauers erster neuer Staatslimousine hatten ab 1951 den Auftakt für einen so noch nie da gewesenen Coupéboom gesetzt. Innerhalb weniger Jahre zogen fast alle Luxusmarken mit offenen und geschlossenen Zweitürern der Oberklasse nach.

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Starke Motoren und technische Innovationen sicherten Mercedes-Benz jedoch immer wieder einen Vorsprung, den sogar weit teurere Wettbewerber kaum einzuholen vermochten. Waren es zunächst die Einführung der Pontonkarosserie und die erstmalige Verwendung der Eingelenk-Pendelachse im 220 (1954), die elektronische Benzineinspritzung im 220 SE (1958) sowie die Sicherheitskarosserie mit patentierten Knautschzonen vorn und hinten und der Dreipunkt-Sicherheitsgurt im 220 SEb ab 1961, glänzte der 300 SE ein Jahr später mit Luftfederung sowie noch neuartiger Zweikreisbremsanlage mit Scheibenbremsen an Vorder- und Hinterrädern. Technische Innovationen, die einen Hauch Avantgarde in diese sonst eher von traditionellen Werten bestimmte Fahrzeugklasse brachten.

Mercedes-Benz 300 SE Coupé und Cabriolet: Die schönen Schwestern

Schon 1958 hatte der Daimler-Benz-Vorstand die endgültige Form für die zweite 220er Coupé- und Cabriolet-Generation freigegeben. Vorgestellt wurde die Baureihe mit dem Code W111/3 im Jahr 1961, ein Jahr später ging aus dem W111/3 die Serie W112/3 hervor mit der Typenkennung 300 SE auf dem Kofferraumdeckel. Feine Flankenzierleisten und Chromornamente an Schwellern und Radläufen waren weitere optische Erkennungszeichen der 300-SE-Modelle. Beherrschendes Stilelement aller S-Klasse-Coupés war der filigrane und lichte Dachaufbau mit rahmenlosen, voll versenkbaren Seitenfenstern und üppig dimensionierter Panoramafront- und Heckscheibe. Das 300 SE Cabriolet verfügte dagegen über ein solides und gefüttertes Stoffverdeck und Karosserieversteifungen.

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Für einen stattlichen Auftritt von 300 SE Coupé und Cabriolet sowie ein großzügiges Platzangebot im Fond sorgte auch der 2,75 Meter messende Radstand. Die Gesamtlänge von 4,88 Metern deutete es schon an: Das üppige Format hatten die Zweitürer der Übernahme der Rahmenbodenanlage von der Heckflossenlimousine zu verdanken. Dagegen stammten technische Finessen wie die damals fortschrittliche Viergangautomatik und die Reihensechszylinder-Leichtmetallmotoren aus der 300 SE Limousine. Die 3,0-Liter-Maschine mit dem Typencode M 189 IV leistete 160 PS, ab 1963 stellte das Triebwerk sogar 170 PS Leistung bereit. Je nach Hinterachsübersetzung erzielten Coupé und Cabrio damit Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 200 km/h.

Schon die Basisversion der Baureihen W111/3 und W 112/3, das 220 SEb Coupé, war mit einem Preis von 23.500 Mark um mehr als die Hälfte teurer als die entsprechende Limousine. Nochmals gut 10.000 Mark mehr verlangte Mercedes-Benz für die zweitürigen 300 SE, die damit ausgesprochene Understatementfahrzeuge für Technikliebhaber wurden.

Mercedes-Benz 300 SE Coupé und Cabriolet: Die schönen Schwestern

Im September 1969 debütierten die Typen 280 SE 3.5 Coupé und Cabriolet als standesgemäße Nachfolger der bereits Ende 1967 ausgelaufenen 300-SE-Zweitürer. Erst die übernächste Limousinen-Generation der S-Klasse und der Mercedes SL/SLC der R-107-Reihe als Vorbote läuteten 1971 den Produktionsauslauf der mittlerweile klassischen Coupé- und Cabriolet-Baureihen ein. Zu dieser Zeit wirkten die Zweitürer mit einem Design aus den späten 1950er Jahren dann allerdings doch bereits betagt und angestaubt. Was aber ihre neue Karriere als gesuchte und hochdotierte Klassiker auf dem Youngtimermarkt eher beschleunigte, zumal das viersitzige Oberklasse-Cabriolet bis heute ohne Nachfolger blieb.

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Text: Wolfram Nickel
Fotos: Mercedes-Benz