Maserati GranTurismo S Automatica: Road Trip nach Reims

Hochleistungs-Sportwagen sind nichts für lange Touren? Stimmt nicht, sagt Roberto Rasia dal Polo. Unser Gastautor hat einen rassigen Maserati GranTurismo S Automatica mit MC Sport Line Kit entliehen und sich in Modena auf große Reise gemacht: Mehr als 1.000 Streckenkilometer durch Italien, den Mont Blanc Tunnel bis zur Grand-Prix-Strecke von Reims – und zur Kür nach Paris.

Nach mehr als 1.000 Kilometern gleitet man mit souveränen 3.000 Umdrehungen durch die Altstadt von Reims, wo eine der schönsten gothischen Kathedralen zum bildungsbürgerlichen Zwischenstopp lädt. Für Sportwagenfahrer mit Sinn für Renngeschichte ist jedoch der Circuit du Reims-Gueux der eigentliche Sehnsuchtsort: Die Pits und Tribünen entlang der Hauptgeraden, auf der einst große Kämpfe zwischen Helden wie Fangio, Moss, Behra, Musso und Villoresi ausgetragen wurden, sind renoviert. Und die 8,2 Kilometer lange Strecke ist für den Verkehr geöffnet. Man senkt den Gasfuß nur einige Millimeter – und sofort kommt der 4,7 Liter V8 in Wallung. Auch die Klangfarbe des Motors wird rauher, fordernder – und steigert sich zu einem Brüllen, während man entlang der historischen Werbetafeln beschleunigt. Doch bei 65 km/h ist eigentlich Schluss: Die örtliche Gendarmerie gilt als besonders streng.

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Der Maserati GranTurismo S mit Automatikgetriebe ist ein Kompromiss zwischen Sportlichkeit und Komfort, der keine Kompromisse macht. Was paradox klingt, ist nach zehnstündiger Fahrt eine gesicherte Erkenntnis. Denn auf der einen Seite entsteigt man dem Cockpit nach langer Tour ohne Anzeichen von Müdigkeit. Eine Limousine hätte wohl kaum mehr Bequemlichkeit bieten können. Doch so, wie man den Wagen jederzeit zähmen kann, lässt sich auch der maximale Kontrast jederzeit herstellen: Die 440 PS unter der langgezogenen Haube katapultieren den GT in nur fünf Sekunden auf 100 km/h. Wir belassen es vorerst bei der Möglichkeit und erfreuen uns der Schönheit des Marne-Tals, das sich von Champillon bis Epernay erstreckt. Hier findet man nicht nur wunderbare Panoramen, sondern auch einige der berühmtesten Weinberge der Welt. Und so bietet es sich an, den Abend bei einem Glass „Royal Champagne“ ausklingen zu lassen.

Früh am nächsten Morgen nutzen wir das Licht der Dämmerung, um den Maserati vor der ehrwürdigen Kulisse des Circuit de Reims-Gueux zu fotografieren. Die Logos der einstigen Sponsoren wurden vor einiger Zeit restauriert und so scheint es, als würden sich hier die großen Grand-Prix-Helden schon am kommenden Wochenende wieder zum Kräftemessen treffen. Nur die modernen Straßenschilder und der Asphalt erinnern einen wieder daran, dass die letzten Rennen hier vor mehr als vierzig Jahren gefahren wurden. In respektvoller Stille gleiten wir über die Strecke.

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Den Rest des Tages nutzen wir, um ins Herz der Champagne vorzustoßen. Zehn Minuten von Champillon entfernt liegt Ay, seit 1829 die Heimat von Bollinger. Bollinger ist einer der drei größten unabhängigen Champagner-Produzenten – seit der Gründung wacht ein und dieselbe Familie über Qualität und Geschäft. „Bollinger ist bekannt als der König des Pinot Noir“, erklärt Clément Garnier, der bei Bollinger für das Marketing zuständig ist. „Die Natur war uns stets wohl gesinnt und hat uns in unseren Weinbergen nicht nur Pinot Noir Grand und Premiere Cru, sondern auch Chardonnay von besonderer Güte geschenkt. Unsere Ernte deckt mehr als sechzig Prozent unseres Bedarfs – eine ungewöhnlich hohe Zahl.“ Auf 163 Hektar fruchtbarem Boden produziert Bollinger genügend Trauben, um bis zu 2,3 Millionen Flaschen pro Jahr zu produzieren.

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Als Monsieur Garnier uns über eine steile Treppe in den Keller führt, stockt uns für einen Moment der Atem: Wir stehen mitten in einer Schatzkammer, in der mehr als zehn Millionen Flaschen lagern – allein 6.500 im Magnum-Format. Hier unten haben sie Gelegenheit, zu reifen und ihren individuellen Charakter auszubilden. In den riesigen, dunklen Gewölben wachsen übrigens zahlreiche Pilze, die zur nötigen Luftfeuchtigkeit beitragen. Der Gang durch die dunklen Gänge, in denen sich die Flaschen bis zur Decke stapeln, regt zum Nachdenken an – über den faszinierenden Entstehungsprozess dieses wunderbaren Weines, aber auch über die Bedeutung von Qualität und Luxus an sich. Und folglich auch über den Maserati, der zur gleichen Sphäre des Exklusiven und Besonderen gehört – und der oben, „Über-Tage“, auf unsere Rückkehr wartet. Er wird sich noch eine Nacht gedulden müssen.

Text: Roberti Raisa dal Polo (Übersetzt aus dem Italienischen)
Fotos: Maserati

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