London-Sydney-Marathon 2004

Am 5. Juni 2004 machten sich die vom Veranstalter als “Marathon-Virgins” vorgestellten Geri Brandstetter und Helmut Artacker in ihrem 74er Ford Escort RS 2000 gemeinsam mit über 60 weiteren Teams auf den Weg um den halben Erdball.

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Das dritte Revival des 1968 erstmals ausgetragenen Wahnsinns führt im ersten Abschnitt quer durch Europa. Herrliche Sonderprüfungen der RAC-Rallye und der Rallye Monte Carlo forderten die Teilnehmer ebenso, wie jene auf besseren und weniger guten Pisten in den italienischen, den griechischen und türkischen Hügel- und Berglandschaften. Es war noch die ruhigere Zeit des Wettbewerbes, die klassischen Automobile konnten den neuen Showroomcars noch ernsthaft Paroli bieten. Jimmy McRae (GB, Toyota) lag in Führung, abends traf man sich nach Servicearbeiten gemeinsam bei Pool oder Tisch.

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Indien, der zweite Teil des Wettbewerbes, war da anders. Wer neben der Bewältigung des Straßenverkehrs und diverser Krankheiten noch Kraft hatte, kam im Gesamtresultat voran. Erste ernsthafte Kollisionen und Überschläge überzeugten auch die Hartnäckigsten, dass dies keine Weekend-Rallye war. Eine gebrochene Ventilfeder machte den österreichischen Escort zum 3-Zylinder-Auto, Joe McAndrew (NZ, Honda) und Jimmy McRae lieferten sich ein Gefecht um die Führung, weit vor allen anderen.

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Erfahrene Marathon-Teilnehmer hatten sich bislang entspannt und zurückhaltend verhalten. Sie sprachen immer wieder von Australien und dass dort die wahren Aufgaben warten würden. Wenige Autos erreichten Darwin unversehrt, viele waren mehr oder weniger angeschlagen, einige längst am Heimweg. Statt der routinemäßigen abendlichen Servicearbeiten waren viele Teams mit Notreparaturen beschäftigt, die oft bis in die Nachtstunden dauerten, um das Auto am nächsten Tag wieder an den Start zu bringen. Der Escort durfte kurz auf allen vieren laufen, ein weiterer Schaden im seit Darwin getauschten Zylinderkopf nahm erneut einen Brennraum.

Pistenglühen, Tankstellenpoker, Zittern ums Durchkommen, Defekte und Unfälle häuften sich. Tolle Kameradschaft im Outback, Hubraum und Motorleistung treten als Erfolgskriterien in den Hintergrund, gute Vorbereitung, Improvisationstalent und Wille sind gefragt, um jetzt noch dabei zu sein.

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Zuletzt siegen alle, die irgendwie das bekannteste Opernhaus der Welt durch die eigene Windschutzscheibe sehen dürfen. Jimmy McRae verliert wegen einer defekten Zylinderkopfdichtung seine Siegeschancen, Graham Lorimer übersieht am vorletzten Tag das Glatteis vor einem Brückengeländer. Somit stehen auf dem Podest drei Hondas aus Neuseeland, allen voran der NZ-Champion Joe McAndrew.

Text & Fotos: Ing. Helmut Artaker


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