Leica M9: Vollformat im Taschenformat

Weihnachten für Fotoreporter: Am 09.09. um 9.09 Uhr wurde in New York die neue Leica M9 enthüllt – die kleinste Vollformat-Systemkamera der Welt. Die digitale M9 führt den Mythos der Messsucherkameras, die seit 1954 vor allem die Reportagefotografie entscheidend geprägt haben, in eine neue Ära.

Die M-Serie von Leica gilt für viele große Nachkriegsfotografen als das Nonplusultra unter den Kameras. Werner Bischof, René Burri, Elliott Erwitt, Thomas Hoepker, Barbara Klemm, Robert Lebeck, Marc Riboud und Sebastião Salgado – sie alle nutzten die handliche, aber unvergleichlich präzise Messsucher-Kamera als Werkzeug für ihre dokumentarische Arbeit. Auch Henri Cartier-Bresson, der schon vor dem Krieg seine erste Leica erwarb, schätzte die kompakten M-Modelle als „Skizzenblock, schnell, diskret, nicht größer als die Hand.“ Mehr als 50 Jahre nach der Einführung der Leica M3 präsentiert das Traditionshaus aus Solms nun ein neues Digitalmodell der M-Reihe, das die berühmten kompakten Gehäusemaße erstmals mit einem Vollformat-Sensor kombiniert.

Leica M9: Vollformat im Taschenformat Leica M9: Vollformat im Taschenformat

Der CCD-Bildsensor der Leica M9 im 24 x 36 Millimeter-Format ermöglicht mit 18 Millionen Pixeln die Abbildung des vollen Kleinbildfilm-Formats. Zudem hat die neue Sensorgröße den Vorteil, dass alle Leica-M-Objektive an der neuen Kamera den gleichen Bildwinkel bieten wie bei den analogen Vorgängermodellen. So lässt sich das Objektivprogramm mit Brennweiten von 16 bis 135 Millimeter erstmals auch im digitalen Einsatz voll nutzen. Wer alte M-Optiken auf der neuen M9 verwenden will, muss diese jedoch möglicherweise einschicken, um nachträglich (und gegen Aufpreis) die Codierung für die automatische Objektiverkennung nachrüsten zu lassen. Diese kompensiert bei den neuen Objektiven serienmäßig die systembedingte Vignettierung, sofern man dies wünscht. Neu ist auch das Sensor-Deckglas, das infrarotes Licht unterdrückt und die Verwendung von UV-Filtern überflüssig macht.

Auch die einfache Handhabung, die für viele professionelle Leica-Kunden einen wesentlichen Kaufaspekt ausmacht, wurde weiter verbessert: Die Menüführung fällt einfacher aus, zudem kann im Menü ein Schnappschussprofil ausgewählt werden, in dem so viele Einstellungen wie möglich automatisch vorgenommen werden. Trotz des deutlich größeren Sensors sind auch die Dimensionen nicht angewachsen: Mit 139 x 37 x 80 Millimetern ist die Leica M9 sogar die kleinste Vollformat-Systemkamera der Welt. Mit sonstigen Kompaktkameras hat die M9 freilich wenig zu tun; das geschlossene Metallgehäuse aus einer Magnesiumlegierung macht die Kamera unvergleichlich robust und langlebig – sofern man diesen Begriff im Bereich der schnell fortschreitenden Digitalfotografie verwenden kann.

Die Leica M9 ist in zwei Ausführungen erhältlich: Als schwarzes Standard-Modell oder als stahlgrau lackierte Version. Die Modelle unterscheiden sich auch in der Belederung, die für die stahlgraue, sehr elegante Variante mit besonders feiner Lederstruktur versehen ist. Wie ihre Vorgänger, zuletzt die M8.2, hat natürlich auch die neue Leica M9 ihren Preis: 5.495 Euro muss man für das Gehäuse einplanen, die Objektive beginnen bei rund 1.000 Euro, werden bei steigender Qualität aber auch deutlich teurer. Einen echten Leica-Fotografen können diese Zahlen freilich nicht schrecken.

Weitere Informationen zur neuen Leica M9, zu den passenden Objektiven sowie zur neuen Einstiegskamera Leica X1, die ebenfalls am 09.09. enthüllt wurde, finden Sie unter www.leica-camera.de.

Text: Jan Baedeker
Fotos: Leica



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