Le Mans Classic 2010: Große Geschichte auf 13,5 Kilometern

Historische Rennsport-Events gibt es wie Sand am Meer. Doch bei keiner Retrospektive ist der Geist vergangener Epochen so spürbar wie bei der Le Mans Classic. Vom 9. bis 11. Juli treffen sich auf dem legendären Rundkurs rund 470 klassische Rennwagen zur fünften Ausgabe des rasanten 24-Stunden-Rennens. An den Start geht auch jener Porsche 917 KH, der vor genau vierzig Jahren den ersten Le-Mans-Sieg nach Zuffenhausen holte.

Abgesehen von der Formel 1 sind die 24 Stunden von Le Mans eine der großen Herausforderungen, von der jeder Rennfahrer träumt. Bereits 1923 trafen sich heldenmutige Haudegen in ihren rasenden Maschinen, um sich auf dem Circuit de La Sarthe im Ausdauerkampf zu messen. Die 24 Heures du Mans sind auch heute noch ein wichtiges Ereignis im internationalen Motorsport-Kalender, doch für viele Rennsport-Fans ist es vor allem die „Goldene Ära“ der Nachkriegszeit, die den Mythos Le Mans manifestierte. Mit fasziniertem Blick auf die großen Triumpfe und Dramen, die sich über Jahrzehnte auf dem Rennkurs abgespielt hatten, riefen Peter Auto und der Automobile Club de l’Ouest im Jahr 2002 eine Retrospektive ins Leben: die Le Mans Classic.

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Alle zwei Jahre pilgern seitdem Gentleman-Driver aus der ganzen Welt in den französischen Nordwesten, um auf historischem Boden ihren Sportsgeist und die Qualität ihrer betagten Rennwagen unter Beweis zu stellen. Einzige Teilnahmebedingung: Der Rennwagen oder ein Modell gleichen Typs muss zwischen 1923 und 1979 bei den 24 Stunden von Le Mans gestartet sein. Je nach Alter und Zustand starten die Boliden in sechs verschiedenen Grids. Für die Zuschauer bietet sich am Rennwochenende schließlich ein beeindruckendes Spektakel, wenn Vorkriegs-Rennwagen von Bentley bis Talbot, gefolgt von Siebzigerjahre-Ikonen wie dem Ferrari 512 BBLM oder dem Porsche 935 über die Strecke dröhnen.

Porsche feiert in diesem Jahr übrigens den vierzigsten Jahrestag des ersten Zuffenhausener Sieges in Le Mans: Am 14. Juni 1970 starteten Hans Herrmann und Richard Attwood im Porsche 917 KH mit der Nummer 23 ins Rennen. Vierundzwanzig Stunden später überquerte der Werksrennwagen als erster die Ziellinie. Auf den ersten Triumpf sollten 15 weitere Siege in Le Mans folgen. Zur Feier dieses denkwürdigen Erfolges werden die beiden Piloten von einst ihren Siegerwagen am Samstag noch einmal über den Circuit steuern, bevor sich das Feld in Bewegung setzt. Neben dem Porsche 917 KH werden auch andere Le-Mans-Sieger erwartet, etwa der Porsche 936 Martini als Gesamtsieger 1971 und der Porsche GT1, der 1998 die Championship holte. Auch bei den Rennteilnehmern ist die Schwaben-Rate in diesem Jahr besonders hoch: 62 Porsche starten in die 24 Stunden – der Älteste ein Porsche 356 von 1952, der Jüngste ein Porsche 935 von 1979.

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Ebenfalls vierzigsten Geburtstag feiert der Kultfilm „Le Mans“ mit Steve McQueen in der Hauptrolle. Als Tribut an diesen großartigen Klassiker wird am Samstagvormittag eine Parade stattfinden, an der auch jener Porsche 908/2 Spyder teilnehmen wird, mit dem McQueen 1970 in Sebring einen exzellenten zweiten Platz erreichte. Gefeiert wird zudem der 75. Jahrestag des ersten Sieges von Lagonda in Le Mans, der 75. Geburtstag des legendären Aston Martin Owner’s Club und der in diesem Jahr bei keiner Veranstaltung ausgelassene 100. Geburtstag von Alfa Romeo. Weitere Highlights der Le Mans Classic 2010 sind die BMW Art Cars von Andy Warhol, Frank Stella und Alexander Calder, die im „Village“ ausgestellt werden sowie die große Artcurial-Auktion, bei der unter anderem ein McLaren F1 GTR „Art Car“ zum Aufruf kommt.

Unseren Bericht zur letzten Ausgabe der Le Mans Classic im Jahr 2008 lesen Sie hier. Weiter Informationen zur Le Mans Classic 2010 finden Sie unter www.lemansclassic.com.

Text: Jan Baedeker
Fotos: SDE / Porsche


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