Land Rover Discovery Generationen

Land Rover Discovery Generationen

Im Schatten von Land Rover Defender und Range Rover entwickelte sich der Land Rover Discovery seit 1989 vom universellen „Working Horse“ zum durchaus luxuriösen Allrounder. Von Anfang an wies der Allradler überragende Offroad-Fähigkeiten auf. Vor kurzem erst lief das einmillionste Fahrzeug vom Band. Classic Driver stellt den Vielzweck Land Rover in einem Klassiker-Porträt vor.

Jungmillionär

„Disco“ – Land-Rover-Freunde wissen sofort, was damit gemeint ist. Nämlich nicht Blingbling, Rambazamba oder Remmidemmi. Sondern Sachlichkeit, Zuverlässigkeit und hoher Nutzwert. Tatsächlich hatte der Land Rover Discovery schnell seine lautmalerische Abkürzung weg. Doch Luxus und legeres Posen sind nicht sein Ding. Ein Chelsea-Traktor fürs Wochenende war er nie, dafür bewährtes Trophy- und Expeditionsfahrzeug, das für jeden Schmutz und Staub zu haben war. Jetzt ist der Tausendsassa im Land-Rover-Programm ein echter Millionär. Im Land Rover-Werk Solihull rollte im März 2012 das einmillionste Exemplar des Land Rover Discovery vom Band. 23 Jahre nach Vorstellung der Baureihe hat der vielseitige Offroader damit als drittes Land Rover-Modell nach Defender und Range Rover die magische Millionen-Marke überschritten. Ein guter Zeitpunkt, um auf die unterschiedlichen Modellgenerationen zurück zu blicken.

Discovery 1, ab 1989

Die Modellgeschichte beginnt 1987. In diesem Jahr erteilt die Unternehmensleitung grünes Licht für die Entwicklung des dritten Land-Rover-Modells – neben Defender und Range Rover. Das Vorhaben erhält den Codenamen „Project Jay“. Es handelt sich um den ersten Land Rover, der mit CAD-Technologie konstruiert wird. Schon zwei Jahre später, im September 1989, wird der Discovery in Frankfurt auf der IAA präsentiert. Zunächst als Dreitürer und mit modernem Turbodieselmotor mit Direkteinspritzung und Ladeluftkühler. Um dem Fahrzeug eine besondere mediale Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen, entwickelt die Land Rover Special Vehicles Division ein schwimmfähiges Modell, welches sich auch 25 Jahre später bei unserer Testfahrt zu Wasser im Genfer See als immer noch schwimmfähig erweist. Glücklicherweise!

Land Rover Discovery Generationen
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1990 kommt der Fünftürer auf den Markt. Beide Modelle verfügen über eine von der Conran Design Group entworfene helle Innenausstattung, zu der auch eine Umhängetasche gehört, die inzwischen zum Sammlerstück gereift ist. Das Interieur ist stark dem Zeitgeist verschrieben. Heute würde man wohl sagen: „Schön schräg!“ Doch das schreckt den Duke of Windsor nicht ab, ein solches Gefährt ab 1991 im Windsor Great Park als Ranger-Fahrzeug einzusetzen. 1992: ein Wunder! Eine Innenausstattung in Beige ergänzt das Angebot. Auch gibt es nun ein Automatikgetriebe auf Wunsch. Ein Jahr später wird der extralange Disco mit 116 Zoll Radstand als geländegängiger Krankenwagen präsentiert. 1994 erfolgt eine erste Modellpflege mit größeren Scheinwerfern, zusätzlichen Rückleuchten, stärkerem Getriebe und Motoren. Ab sofort gibt es den Discovery auch in den USA. Mittlerweile entstehen mehr als 100.000 Fahrzeuge pro Jahr. Insgesamt zählt die erste Generation des Land Rover Discovery exakt 392.443 Exemplare.

Discovery 2, ab 1998

Optisch hat sich auf den ersten Blick nicht viel getan, als 1998 die zweite Generation des Discovery beim Pariser Mondial de l'Automobile vorfährt. Der Wagen sitzt auf dem gleichen Radstand von 100 Zoll wie sein Vorgänger. Er ist jedoch insgesamt länger, so dass eine dritte Sitzreihe mit Blick nach vorn eingebaut werden kann. Nahezu die gesamte Verkleidung ist neu, und es gibt einen neuen Fünfzylinder-Turbodiesel. Noch im selben Jahr starten zwei Autos als Begleitfahrzeuge zur Rallye Paris-Dakar. Eines kommt sogar als 31. Fahrzeug im Wettbewerbsfeld ins Ziel. 1999 erhält der Disco als erster SUV Doppelairbags für Fahrer und Beifahrer. Hinzu kommt ein elektronisch gesteuertes Torsionsstabsystem, um die Seitenneigung in Kurven zu verringern – auch ist an der Hinterachse nun eine Luftfederung erhältlich. Zunehmend hält Elektronik Einzug: Ab 2001 entfällt das selbstsperrende Mitteldifferential, da die Funktionen von der Bergabfahrhilfe und der Antriebsschlupfregelung übernommen werden.

Land Rover Discovery Generationen
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Eine neue Modellpflege folgt im Jahr 2003. Jetzt ist der Discovery durch die charakteristischen Doppelscheinwerfer zu erkennen. Damit wirkt der Wagen bis heute recht modern, da dieser Look weitgehend dem Markengesicht entspricht. Zudem wird das Auto nun mit dem 4,6 Liter V8-Motor aus dem Range ausgerüstet. 2004 endet die Produktion nach 278.570 Exemplaren. Zuletzt präsentierte sich der Discovery dabei reichlich luxuriös. Die Landmark Edition fährt mit Lederausstattung, Doppelschiebedach, CD-Wechsler und beheizbarer Windschutzscheibe vor.

Discovery 3, ab 2004

Der Discovery 3, intern als LR3 bezeichnet, wirkt wie aus einem Felsblock geschlagen. Gerade die frühen Modelle haben eine archaische Ausstrahlung, die neben dem Range Rover überzeugend eigenständig wirkt und den Disco endlich richtig erwachsen wirken lässt. 2004 wird die dritte Generation auf der New York Motor Show präsentiert. Zuvor wurden unter anderem 75 Typenprüfungen weltweit bei Temperaturen von minus 30 Grad bis plus 50 Grad Celsius durchgeführt.

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Die Neuheit liegt in der „Integrated Body Frame“ Bauweise. Diese vereint die positiven Eigenschaften des Monocoque-Rahmens mit der Steifheit des Leiterrahmenchassis. Erstmals hat das Auto wie beim Range eine Luftfederung rundum. Dazu gibt es den neuen 2,7-Liter V6-Biturbo-Dieselmotor. Spannend: 2005 erscheint der neue Range Rover Sport, das vierte Modell von Land Rover. Der kleine Bruder des großen Range baut vollständig auf der Discovery Plattform auf. Das Terrain Response System sammelt unterdessen weltweit Preise ein, über 100 Auszeichnungen insgesamt. 2008 erhält es auch einen Queen's Award for Enterprise in der Kategorie Innovation. In fünf Jahren Bauzeit entstehen 220.057 Fahrzeuge.

Discovery 4, ab 2009

Eine neue Optik an Front und Heck, den Stoßfängern und dem Kühlergrill rücken den Discovery ab Modelljahr 2009 dicht an die Schwestermodelle Range Rover und Range Rover Sport heran. Ab sofort erhält das Fahrzeug auch LED-Tagfahrlicht. Doch was auf den ersten Blick wie ein Facelift aussieht, ist tatsächlich deutlich mehr. Ab dem 2009 erhält der Discovery auch den neuen 3,0 Liter V6-Dieselmotor mit sequenzieller Turboaufladung. Neue Sicherheitssysteme wie Anhängerstabilitätssystem, Manövrierhilfe Tow Assist, Untersteuerkontrolle, Abblendautomatik sowie fünf Außenkameras für eine bessere Sicht machen den Disco 4 zu einem technischen Vorreiter in seinem Segment. Im Jahrgang 2011 wird das Sechsgang-Automatikgetriebe gegen die neue Achtgang-Version ersetzt, was mehr Leistung und Einsparpotenzial beim Verbrauch bietet.

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50 weitere Auszeichnungen sammelt der Land Rover Discovery ein. Im März 2012 erreicht der Disco dann seinen Meilenstein: das einmillionste Fahrzeug der Baureihe läuft in Solihull vom Band. Es ist jedoch keineswegs für das Museum bestimmt. Vom heimischen Birmingham geht der Jubilar auf weltweite Expedition, genauer gesagt auf eine fast 13.000 Kilometer lange Reise für den guten Zweck. In 50 Tage durchquert der Land Rover Discovery 4 dabei 13 Länder, um dann rechtzeitig zur Beijing Motor Show in Peking anzukommen. Bei dieser „Journey of Discovery“ sollen eine Million Pfund an Spenden zusammenkommen, die an die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften gehen, um ein Wasseraufbereitungsprojekt in Uganda zu unterstützen. Die Expedition folgt dabei den Spuren der "First Overland Expedition" von 1955, die mehrere Series 1 Land Rover ebenfalls von Birmingham nach Peking unternahmen. Der Land Rover Series 1 ist der Urvater aller Vehikel der Marke Land Rover. Ein knorriger Wegbegründer, der seinen direkten Nachfahr wiederum im legendären Land Rover Defender Modell hat.

Text: Mathias Paulokat
Fotos: Land Rover