La Terra dei Motori: Vielseitiges Modena

Modena, die Geburtsstadt Enzo Ferraris, birgt verschiedene Schätze: Baukunst, Kulinarik und die Terra dei motori! Das Geburtshaus Enzo Ferraris in der Via Ferrari 85 lässt leider nicht erahnen, wie fruchtbar der Boden Modenas für den Automobilismus war. Modena ist die italienische Sportwagenheimat; Maserati, Pagani und früher deTomaso sowie Stanguellini produzieren in den Stadtgrenzen ihre Boliden, Lamborghini im ca. 30 min entfernten Sant’Agata an der Via Modena. Hinter Fassaden, Alleen und Autohäusern sind wahre Schätze verborgen, die entdeckt zu werden lohnen.

Hinter der mit gelb-schwarzen Fahnen gekrönten Glasfassade der Via Modena 12 in Sant’Agata ist die Firmengeschichte Lamborghinis dokumentiert. Ferruccio Lamborghini, im Zeichen des Stiers geboren, gründete diese Sportwagenschmiede mit dem Stier als Emblem. Im Erdgeschoss des Museums wird die Geschichte des Unternehmens bildhaft erzählt, kraftvoll umrahmt von den bedeutendsten Modellen Lamborghinis – z. B. der erste und letzte Countach, der Miura, der riesige Geländewagen LM. Im Obergeschoss wird die Ausstellung durch aktuellere Modelle und Prototypen ergänzt. Auch ist hier Platz für die Rennsportgeschichte Lamborghinis auf dem Automobilsektor und im Rahmen der Offshore-Rennen, für die Lamborghini Motoren baut. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9-12:30 und 14:30-17Uhr.

Am Rande Modenas, Via Corletta sud, 320: Hinter dem weit geöffneten, schmiedeisernen Tor erstreckt sich eine Allee, die an Weiden und Ställen vorbeiführt. Am Ende befindet sich ein Hof mit mehreren Gebäuden, in dem die Familie Panini ihre Schätze präsentiert: Traktoren, Autos, Motor- und sogar Fahrräder! Das Museum – im Stil eines Bahnhofs gestaltet – entstand Dank der Leidenschaft und der Beharrlichkeit von Umberto Panini. Vor ca. 40 Jahren begann er, die Autos zu erwerben. Ein großer Coup gelang ihm im Oktober 1996: Nach dem Verkauf Maseratis an Fiat war geplant, deren Fahrzeugsammlung zu versteigern. Panini gelang es, dies zu verhindern, so dass heute das Museum vorwiegend Maserati gewidmet ist. Aber auch andere Fahrzeuge, beispielsweise von Rolls-Royce, Wolselley, Cadillac und natürlich Lancia, Fiat sowie Alfa Romeo, sind ausgestellt.

Wertvolle, einzigartige Wagen sind zu finden, wie der 6CM von 1936, Herrscher bei den europäischen Rennen in der Kategorie „vetturette“ und Sieger der Targa Florio, oder der A6GCS Berlinetta Pininfarina, der mit seiner „Barchetta“-Karosserie die Mille Miglia in seiner Kategorie dreimal gewann. Sehr wichtig sind auch der Tipo 61 und Tipo 63 „Birdcage“, außergewöhnliche Wagen wegen dem gewagten Fahrgestell, welches aus 200 miteinander geschweißten Röhrchen aus einer Speziallegierung für ein Rahmengesamtgewicht von 36 kg besteht. Und noch der Maserati 420M58, der legendäre „Eldorado“, der mit Stirling Moss als Fahrer für den ersten Platz bei dem 500-Meilen-Rennen in Monza 1958 kämpfte. Besichtung nach Voranmeldung von Montag bis Freitag. außerhalb der Mittagszeit. Ein kurzer Abstecher lohnt sich übrigens auch in den Verkaufsraum des Unternehmens der Familie Panini. Unter dem Label hombre.it produziert die Fam. Panini hervorragenden Bio-Parmigiano, der zusammen mit Olivenöl, Pasta Fresca, Aceto Balsamico und Wein aus der Region erworben werden kann.

Im Herzen Modenas, an der Via Emilia gelegen, findet man Stanguellini. Hinter dem Fiat-Verkaufsraum und der dazugehörigen Ausstellungsfläche liegt das 1996 gegründete Museo Stanguellini. Die Familie Stanguellini gehört zu den großen Automobilisten Italiens: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begannen sie – ursprünglich Paukenbauer – Autos zu bauen. Das Auto mit dem Kennzeichen Modena Uno (Mo 1) ist natürlich von ihnen und steht fahrbereit im Herzen der Ausstellung sowie auch zahlreiche Sportwagen mit ihrem Emblem – einem schwungvollen Stanguellini–Bliz-S. Mit diesen Wagen schrieb und schreibt Stanguellini Motorsportgeschichte: Die Wagen sind und waren siegreich in Monte Carlo, auf Kuba und bei der Mille Miglia. Der Sohn des heutigen Firmenbesitzers, Simone Stanguellini startet heute, der Leidenschaft der Familie treu geblieben, mit den Wagen seines Großvaters bei Events wie der Mille Miglia, dem historischen GP in Monte Carlo ebenso wie auch in modernen Serien wie z. B. bei der Ferrari Challenge oder dem 24h Rennen auf dem Nürburgring – eben ganz nach der Familientradition. Das Design der Fahrzeuge zeugt von der gewaltigen Emotion und Konsequenz, mit der sich die Familie dem Automobil verschrieben hat. Zu Beginn der 70er Jahre wurde die Produktion allerdings eingestellt. Was aber nicht bedeutet, dass in diesen Werkstätten keine Autos mehr gebaut werden. Zur Überholung kommen die Autos mit dem Blitz aus der ganzen Welt zurück und zur Zeit entstehen nach Originalzeichnungen Autos, um die Dokumentation zu vervollständigen. Aber auch andere Marken aller Herren Länder sind in diesem Museum vertreten. Zusammen mit den ausgestellten Werkzeugen, die für den Fahrzeug- und Motorenbau eingesetzt wurden und zum Teil noch eingesetzt werden, den zahlreichen Bildern, Urkunden und Pokalen wurde ein höchst emotionales Zeitzeugnis geschaffen. Besichtung nach Voranmeldung von Montag bis Freitag.

Am besten lässt man den Tag in der Terra dei motori bei einem Aperitiv auf der Grande Piazza im Schatten des schiefen, romanischem Dom ausklingen und gönnt sich dann ein köstliches Cena in einem Traditionshaus wie Ristorante Fini an der Piazza San Francesco.

Weitere Informationen zu Modena finden Sie auch unter www.modenatur.it.

Text: Barbara Leonhardt
Fotos: Nanette Schärf

Redaktionsanmerkung: Es geht ein besonderes Dankeschön an Barbara Leonhardt und Nanette Schärf für die Schilderungen des Besuchs in Modena.


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