Kleine Schwierigkeiten

Auch vermeintlich kleine Rallies im Classic-Masters-Kalender können große Schwierigkeiten bereiten. Rossfeld-Historic und Südwest-Classic hatten so ihre Eigenheiten in diesem Jahr.

Während bei der Rossfeld-Historic alles etwas übertrieben locker gehandhabt wurde, aber das Berchtesgadener Land mit seinen unglaublichen Strecken schon allein einen Start rechtfertigte, war bei der Südwest-Classic auf ebenfalls feinen Sträßchen und Wegchen hingegen Eisenfressen angesagt. Keine Schwierigkeit wurden in diesem Jahr ausgelassen.

Die Rossfeld-Historic, im letzten Jahr noch eine der schönsten und besten Veranstaltungen in Deutschland, war in diesem Jahr nur noch eine der schönsten. Die Qualität hat ebenso gelitten wie die Teilnehmer unter der teilweise laschen Vorbereitung und Durchführung. Beispielsweise fanden sich gleich an zwei Wertungsprüfungen ganz schlicht keine Ziellichtschranken. Was aus medizinischer Sicht für die Durchblutung der Besatzungen sicher löblich war, ist für einen Classic-Masters-Lauf einfach undenkbar. Andere Zeitnehmer verlegten das Ziel dafür mal kurzerhand von einem Parkplatz auf die Hauptstraße, was auch nicht gerade als vertrauensfördernde Maßnahme im Cockpit taugte.

Nun wollen wir diese – und weitere Ausfälle – als einmalige Ausrutscher ansehen und hoffen, dass im nächsten Jahr beim 10-Jährigen Jubiläum wieder etwas mehr Sorgfalt an den Tag gelegt wird. Schließlich sind die Strecken rund um Watzmann und Königssee mit das Feinste, was man in Deutschland und Österreich an-, um- und befahren kann. Am besten zurecht kamen mit den speziellen Gegebenheiten wie so oft Thomas und Alexandra Engl im Porsche 911 Targa vor ihren Teamkollegen und Zweitplazierten Norbert Henglein und Günter Rothel auf Porsche 911 RSR. Dritter wurde der immer gute Hans Werner Wirth mit Sohnemann Moritz im Autobianchi A 112. Obwohl letzterer aufgrund seines Schulstresses (Klasse 1) ja kaum noch Zeit findet, seinem Papa den Regalschrank zu füllen.



Da die Südwest-Classic im vergangenen Jahr schon eine der schwierigsten Rallyes war, zogen es viele Teams vor in der heimischen Garage zu glänzen. Die knapp 40 Unerschrockenen, die sich 2006 noch nach Balingen trauten, können den ferngebliebenen dafür jetzt erzählen, dass das alles noch gar nichts war, was sie im letzten Jahr erlebt haben. 2005 war geradezu ein Kindergeburtstag gegen die 2006er Version! Extrem schwierige und vielfältige Aufgabenstellungen zogen Strafzeiten nach sich, die einen handelsüblicher Pentium-4-Rechner vor unlösbare Aufgaben gestellt hätten. Aber nicht alle tappten in alle Fallen. Die erste Frau, die die Südwest-Classic gewinnen konnte, zeigte es der männlichen Konkurrenz nachhaltig: Marita Schönwalder (jetzt auch die Führende in der Classic-Masters-Wertung!) meisterte gemeinsam mit ihrem Gatten Wolfgang im BMW 2002 die heftigen Aufgabenstellungen mit einer Bravour, dass den restlichen Teams sowohl Hören und Sehen als auch die Lust verging.

Keine Chance für die Zweiten Hans Düngfelder/Alexander Boeck im Porsche 356 und schon gar nicht für die Nächstplatzierten, von denen etliche am Morgen des Starts noch nicht einmal geahnt hätten, dass sie am Abend auf der Burg Hohenzollern so weit vorne wie nie zuvor in den Ergebnislisten stehen würden. Aber nicht dass wir uns falsch verstehen: die Aufgaben waren schwierig, aber lösbar. Und wer sie nicht löste, war selbst Schuld. So einfach ist das manchmal. Auch wenn’s schwierig ist. Und trotzdem: Ein bisschen weniger schwierig hätte auch den Rallye-Neulingen mehr Spaß gemacht. Obwohl: Sogar die Ersttäter Harry und Susen Utesch konnten am Ende einen Pokal gewinnen. Dann war’s vielleicht doch gar nicht so schwierig? Oder sind die Uteschs einfach nur gut? Schwierig, schwierig …

Text: Thomas Senn
Bilder: Rossfeld Historic


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