Klassikwelt Bodensee 2010: Rückblick

Zum dritten Mal startete am vergangenen Wochenende die Klassikwelt Bodensee in Friedrichshafen. Ob die In- und Outdoor-Messe für dreifaltige Mobilität trotz Schmuddelwetter begeistern konnte, hat Classic Driver bei einem Rundgang erforscht.

Zu Lande, zu Wasser und in der Luft – so lautet das Motto der Klassikwelt Bodensee. Denn was liegt näher, als in der Heimat des Luftschiffs und vor der traumhaften Kulisse des Bodensees alle Register der Fortbewegung zu ziehen.

Von Rundflügen mit der legendären JU 52 über einen Mini-Cruise im historisch-eleganten Motorboot bis hin zu Touren im klassischen Reisebus wurde neben der Ausstellung nahezu alles angeboten. Den Schwerpunkt legten jedoch die Automobil-Aussteller der Messehallen, zu denen neben spezialisierten Klassikerhändlern in der Halle B5 wie Martini Racing, E. Thiesen, top cars Ralph Schulz, Goodtimer und Steenbuck Automobiles auch diverse Fahrzeughersteller wie Audi oder Daimler gehörten. Bei den Händlern fanden sich ein aufwendig restaurierter Mercedes-Benz 300 SL Roadster in verführerischem Lackschwarz oder ein eleganter Jaguar E-Type Roadster, der mit seiner hemmungslosen Offenheit den Dauerregen vor der Tür kurzzeitig vergessen ließ.

Klassikwelt Bodensee 2010: Rückblick Klassikwelt Bodensee 2010: Rückblick

Auf Freunde der lässigeren Fortbewegung wartete eine große Auswahl an komplett restaurierten Mercedes Flachkühler-Coupés und Cabriolets (W111) aus der Hand der Mechatronik-Mannschaft. Dass Oldtimer in finanziell unruhigen Zeiten wie diesen offenbar eine gute Geldanlage darstellen, belegte das große Interesse an den teilweise extrem hochpreisigen Fahrzeugen. Wer zu dem Oldie dann noch ein mondänes Boot für die Fahrt über den Lago Maggiore suchte, wurde ebenfalls fündig: Boote von Boesch und Riva riefen mit ihren eleganten Linien Erinnerungen an die Sechzigerjahre wach.

Auch Youngtimer-Liebhaber kamen auf ihre Kosten. Vertreten war so ziemlich alles, was in der Szene Rang und Namen hatte. So gab es bezahlbare Raritäten wie einen Alfa Romeo SZ Zagato oder ein Mercedes E-Klasse Carbrio (W124) zu bestaunen. Daneben automobiles Einerlei, bekannt zwar, aber in bemerkenswert schönen Zuständen präsentiert. Zusätzlich boten die teilweise hochprofessionell ausgestatteten Stände der verschiedenen Marken und Modellclubs eine willkommene Abwechslung. An anderer Stelle fand sich wiederum ein besonderer Prototyp der italienischen Design-Manufaktur Touring: der Maserati Bellagio Fastback.

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Neben den liebevoll eingerichteten Stillleben und interessanten Einblicken in die Technik einzelner Fahrzeugmodelle, präsentierte sich so mancher Stand der Fahrzeughersteller eher kläglich und bot stilles Zeugnis davon, dass die Klassikwelt Bodensee noch nicht ganz auf dem Olymp der Klassiker-Veranstaltungen angekommen ist. Einen positiven Eindruck hinterließ dagegen der Themenbereich für elektrische Mobilität. Dieser eröffnete dem Publikum in der Sonderausstellung „111 Jahre Elektro-Automobil“ interessante Einblicke in die frühen Versuche zur Elektrifizierung des Automobils.

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Für den Besucher ist und bleibt die Klassikwelt Bodensee ein attraktives Ereignis, bei dem es einiges zu sehen und zu erleben gibt. Eher unglücklich zeigten sich dagegen die Klassikhändler, für die der Veranstalter in diesem Jahr die Halle B5 ausgewählt hatte. Hierhin fanden teilweise nur wenige Besucher. Dennoch sehen die Händler weiterhin ein großes Potential in der Messe, sofern es für sie im kommenden Jahr eine attraktivere Hallenbelegung gibt. Bleibt zu hoffen, dass es den Organisatoren gelingt, damit der sympathischen Messe am Bodensee auch weiterhin ein fester Platz im Terminkalender sicher ist.

Text & Fotos: Sven Jürisch


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