Jaguar Trilogie (1)

Bereits 1500 Fahrzeuge liefen bei Jaguar jährlich vom Band, als William Lyons mit Ingenieur Harry Weslake im März 1935 den ersten SS 90 zusammen mit der Cabrioversion des SS 1 in Earl Court präsentierte. Der SS 90 erhielt seinen Namen durch die in Meilen ausgedrückte Höchst-geschwindigkeit und wurde 23 Mal gebaut.

Die Kundschaft verlangte nach einigen zusätzlichen Pferdestärken und so erschien 10 Monate später der SS 100 (2,5 Liter Motor) mit einem von Weslake entworfenen Zylinderkopf mit hängenden Ventilen. Der Sechszylinder-Motor leistete 104 PS. Williams Lyons hatte einfache Ziele. Er wollte exklusive Sportwagen bauen, die der Konkurrenz überlegen waren und vor allen Dingen Rennen dominierten.


Vorstellung des Jaguar SS 100 Saoutchik bei PRINZ RAINER VON MONACO ( 2. v. Links)

PRINZESSIN CAROLINE VON MONACO (Bildmitte) kurz vor einer Probefahrt.
Der SS 100 aus der Vogelperspektive.

So gewannen schon 1936 Tommy Wisdom und Sammy Newsome im damals fast unbekannten 2,5 Liter SS 100 den berühmten Alpenpokal. Der Rennsport hatte also viel zum Prestige des SS 100 beigetragen. Und so kam 1937 der stärkere 3,5 Liter Motor auf den Markt, der auf dem Prüfstand mit 125 PS glänzte. Insgesamt 308 Stück des SS 100 wurden von 1936 bis 1941 produziert.

Ein absolut einmaliges Modell ist allerdings dieser Jaguar SS 100 3,5 Liter Streamline Body Saoutchik. Am 12. August 1938 wurde dieser Wagen mit Chassis No. 39107 gebaut. Daraufhin ist das Fahrzeug, das heute noch orginal Getriebe und Motor besitzt, von Jaguar am 2.Mai 1939 an den Händler Polchem nach Polen geliefert worden. Polchem wiederum verkaufte den SS 100 an Alexander Reichsgraf von Hochberg Fürst von Pless Freiherr zu Fürstenstein, der den Wagen umgehend zu Saoutchik nach Paris brachte. Dort erhielt er die wunderschöne Stromlinien Karosse.

Bis Anfang der 60er Jahre verblieb der Wagen im Schloss des Grafen in Spanien. Nun wurde er an einen Frankfurter Pelzhändler verkauft, der ihn auf eigener Achse nach Deutschland überführte. Hier ist der einzige SS 100 mit Saoutchik Karosserie aufwendig restauriert worden.

Seit ungefähr 15 Jahren ist der Wagen nun im Besitz eines deutschen Enthusiasten und löst bei allen Veranstaltungen regelrechte Begeisterungstürme aus. Der SS 100 gewann beim Concours d`Elegance in Schwetzingen 2002 die Lord Montague Trophy for Most Significant Car Present of British Origin. Kein Wunder, denn Lord Montague of Beaulieu selbst sagt über den Wagen: „Der schönste SS 100, den ich je sah.“

Das Fahrzeug hat an allen wichtigen Veranstaltungen wie Mille Miglia, Rallye Monte Carlo und Alpenfahrten mehrfach teilgenommen. Und ist wegen seiner Individualität in etlichen Jaguar Büchern veröffentlicht worden.


Der ehemalige Jaguar Direktor J.P. Morgan am Steuer des SS 100 Saoutchik in Monte Carlo.

Der ehemalige Jaguar Direktor J.P. Morgan war von dem Fahrzeug bei der Rallye Monte Carlo 1994 so fasziniert, dass er dem Eigentümer einige Worte schrieb.

Der Jaguar SS 100 Saoutchik wird auch in diesem Jahr beim Concours d`Elegance in Schwetzingen als Highlight zu bewundern sein. Classic Driver wird als offizieller Medienpartner wieder berichten.

Text: Philipp Stodtmeister
Fotos: Eigentümer