Italo-Bikes: Gutes Rad ist teuer

Wer von einer Radfahrernation spricht, der meint in erster Linie die Niederlande. Häufig wird dabei verkannt, dass einige der besten Fahrradmanufakturen aus Italien stammen. Bemerkenswert ist, dass die Provinz Mailand anscheinend das Velo-Zentrum Südeuropas ist: Ganz gleich, ob Bianchi, Milani, Cinelli oder Doniselli - alle fertigen ihre Zweiräder in der norditalienischen Metropol-Region.

Cinelli Bootleg Mystic Rats

Als der Radrennfahrer Cino Cinelli 1948 nach fünfzehn Jahren seine Karriere als Radprofi beendete, konnte er sich ein Leben ohne den Sport dennoch nicht vorstellen. Er entschloss sich, fortan selbst Fahrräder unter eigenem Namen zu fertigen. Dreißig Jahre lang führte Cinelli seine Firma - Jahre gespickt von revolutionären Erfindungen wie etwa dem modernen Rennlenker. Mit seinem Austritt aus der Firma 1978 übertrug er Antonio Colombo die Verantwortung für sein Unternehmen. Der designbegeisterte Colombo brachte neuen Wind in das Angebot von Cinelli, suchte den Austausch mit Künstlern wie Keith Haring (Bild unten links) oder Barry McGee (Bild unten rechts) und sorgte dafür, dass die Räder der Marke mittlerweile als Artefakte italienischer Gestaltungskunst in internationalen Museen bewundert werden konnten.

Italo-Bikes: Gutes Rad ist teuer Italo-Bikes: Gutes Rad ist teuer

Das neueste Modell der aktuellen Cinelli-Palette - und eines der heißesten Räder des Sommers - ist das Rennrad "Bootleg Mystic Rats" (siehe Titelbild). Gedacht als fahrbarer Untersatz für Kurierfahrer von New York bis Tokio, spricht das mattschwarze Zweirad auch urbane Freizeit-Biker an. Entsprechend der aktuellen "Fixie"-Mode wird das Rennrad als Single-Speed ohne schwere Gangschaltung ausgeliefert. Auf Vorder- und Hinterradbremsen verzichten die Konstrukteure allerdings nicht - ganz im Gegensatz vielen professionellen Kurieren, die für ein minimales Leistungsgewicht ihre Gesundheit aufs Spiel setzen. Für 859 Euro ist das Cinelli vergleichsweise günstig zu haben.

Bianci Dolomiti

Auch die fast 125 Jahre alte Fahrradmarke Bianchi hat sich mittlerweile einen Ruf weit über die Radsport-Szene hinaus erarbeitet. Unter Sammlern klassischer Rennräder sind die meist im typischen Minz-Farbton „Celeste“ lackierten Rahmen der Siebziger- und Achtzigerjahre heute heiß begehrt. Wer auf der Vintage-Welle mitradeln möchte, ohne dafür die gesamte Freizeit auf Fahrradauktionen und bei eBay zu verbringen, kann nun auf eine ganz offizielle Alternative zurückgreifen: Unter dem Namen „Dolomiti“ vermarktet Bianchi im aktuellen Modellprogramm ein klassisches, celestefarbenes Straßenrennrad. Neben dem Stahlrahmen umfasst der Lieferumfang eine Carbon-Alu-Gabel, Schaltwerk und Bremsen von Campagnolo Veloce und einen Wildledersattel. Der Preis für den technisch hochmodernen Klassiker liegt bei 1.790 Euro.

Milani Replica

In diesem Jahr zog die traditionsreiche Mailänder Zweiradmanufaktur Milani mit einer für Maserati entwickelten Fahrradlinie die Blicke der Bike- und Automobil-Gemeinde gleichermaßen auf sich. Doch die Italiener können auch anders: Unter dem Namen Replica bietet Milani ein Fahrrad im Retro-Look an, dessen himmelblauer Rahmen mit breiten, champagnerfarbenen Streifen Erinnerungen an die großen Radrennen der Achtzigerjahre aufkommen lässt. Im wirklichen Leben wird man das Milani Replica auf den Straßen der angesagten Rennradviertel wie Berlin Kreuzberg oder Stockholm „South of Folkungagatan“ selten antreffen: Der Preis für das Retro-Velo liegt bei stolzen 4.330 Euro. Wer nur den Rahmen erwerben möchte, muss immerhin 1.400 Euro investierien.

Hublot All Black

Zum Abschluss stellen wir ein Rennrad vor, das nicht nur beim Preis etwas aus der Reihe tanzt - denn als einziges der vorgestellten Räder stammt das Hublot All Black Bike aus der Schweiz. Dennoch ist das All Black Bike ein heißer Tipp für den italienischen Sommerurlaub auf Sardinien oder in Portofino. Zusammen mit den Rennrad-Spezialisten von BMC hat die schweizerischen Uhren-Manufaktur das vollständig in schwarz gehaltende Bike in einer limitierten Auflage von nur 30 Exemplaren gebaut. Wie bei den Uhren stand auch bei der Entwicklung des Rennrads die Fusion von verschiedenen Werkstoffen im Fokus. Der Preis für das Profi-Rennrad liegt bei unschlagbaren 16.000 Euro.

Informationen zu den vorgestellten Rädern finden Sie unter:

Cinelli:www.cinelli.it und www.bootleg.it

Bianchi:www.bianchi.it

Milani:www.milanicycles.com

Hublot All Black Bike: www.hublot.com

Text: J. Philip Rathgen / Jan Baedeker
Fotos: Hersteller


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