Im Mercedes SLK 55 AMG auf der Route 66: Straße der Hoffnung

Im Mercedes SLK 55 AMG auf der Route 66: Straße der Hoffnung

Sie gilt als die Mutter aller Straßen. Die Route 66 von Chicago nach Los Angeles wurde in den 30er und 40er Jahren zur Straße ins gelobte Land. Eine Ausfahrt im Mercedes SLK 55 AMG zeigt, dass sich vieles, aber nicht alles geändert hat.

Es gibt ein paar Routen, die sollte man in seinem Leben einmal befahren haben. Und wenn es nur eine Straße gäbe, für die man sich entscheiden müsste, dann wäre es fraglos die legendäre Route 66. Vom einstigen Weg aus dem industriellen Großraum Michigan in Illinois ins gelobte Land Kalifornien wo Milch und Honig fließen, ist nicht mehr viel geblieben. Das Highway-Netz, nach dem Vorbild der deutschen Autobahnen erschaffen, nahm in den 60 und 70er Jahren hunderten von Ortschaften die Lebensgrundlage. Diese lebten nur von der Route 66. In den letzten Jahren kommt die „Historic Route 66“ wieder zu neuen Ehren. Immer mehr Touristen bevölkern die 4.000 Kilometer lange Traumstraße, die durch acht Bundesstaaten, drei Zeitzonen und unzählige Wetterregionen führt. Ein Muss – nicht nur für Autofans.

Im Mercedes SLK 55 AMG auf der Route 66: Straße der Hoffnung
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Der fahrbare Untersatz auf der Route 66 ist mit Bedacht gewählt. Eine Tour durch die Vereinigten Staaten – kleinvolumige Turbomotoren oder gar ein Hybridmodell wären mit Rücksicht auf die hubraumstarken Vorfahren, die einst auf der Route 66 unterwegs waren, eine Beleidigung. Der neue Mercedes SLK 55 AMG verbindet gestern und heute nicht nur durch optische Designelemente miteinander. Beim Antrieb verbindet der 422 PS starke Achtzylinder bulligen Antritt mit einem sparsamen Verbrauch. Während die größeren AMG-63-Modelle der E- oder S-Klasse mittlerweile von einem 5,5 Liter großen Doppelturbo mit bis zu 571 PS befeuert werden, verrichtet im Vorderwagen des SLK Roadsters ein V8-Sauger seine Arbeit. Der soll sich aufgrund einer neu entwickelten Zylinderabschaltung mit 8,4 Litern Superkraftstoff auf 100 Kilometern zufrieden geben – und trotzdem sportlichste Fahrleistungen bieten. Ob dieser Spagat gelingen kann, soll die Tour über knapp 4.000 Kilometer lange Historic Route 66 ebenfalls zeigen. Ganz günstig ist das Vergnügen im Mercedes SLK 55 AMG nicht. Der Basispreis liegt bei 73.000 Euro.

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Sparen kann man stattdessen auf der Route selbst. In den meisten Städten auf der Tour wie beim Start in Chicago kostet die Gallone (3,8 Liter) Kraftstoff gerade einmal 3,20 Dollar. Zudem sind die Motels auf der legendären Route 66 alles andere als teuer. Übernachtungen gibt es pro Person und Zimmer ab 20 Dollar. Da kann man einiges für den edlen Zweisitzer zurücklegen. Die Route selbst führt einen ins Herzen Amerikas. Wer bisher nur gängige Urlaubsdestinationen wie New York, Florida oder Kalifornien besuchte, wird entlang der Route 66 Tag für Tag ein völlig anderes Amerika kennenlernen. Bis nach St. Louis, wo der Arch als fast 200 Meter hohes Symbol die Stadt überspannt, geht es vergleichsweise industriell zu. Hat man das Tor zum Westen hinter St. Louis schließlich durchfahren, geht es in die Staubschüssel, wie die Amerikaner den mittleren Westen wenig ehrfürchtig nennen. Landwirtschaft und hier vorrangig Getreideanbau und Viehwirtschaft geben den Ton bis zu den Wüsten von New Mexico an. Missouri, Kansas, Oklahoma und besonders Texas zeigen eindrucksvoll, wie die kleinen Ortschaften am Rande der Route 66 in den letzten 50 Jahren ausgeblutet sind. Als im Jahre 1953 zwischen Tulsa und Oklahoma das erste Teilstück des neuen Interstate-Highway-Systems eröffnet wurde, war das für viele der Anfang vom Ende. Diejenigen, die sich zuvor auf der alten Route 66 über nicht enden wollende Landschaften durch kleine Orte gequält hatten, stiegen fortan auf den breiten Highway um, auf dem man bis zu 85 Meilen pro Stunde fahren konnte. Von solchen Tempi kann man zum Beispiel im winkeligen Dreiländereck Missouri, Kansas und Oklahoma nur träumen.

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Doch kleine Ortschaften wie Galena oder Baxster Prings kommen langsam – sehr langsam – wieder auf die Beine. „Man merkt in den letzten Jahren schon, dass es auf der alten Route 66 wieder voller wird“, erzählt die 62jährige Maggie aus dem Deli Angels of Route 66, „es kommen wieder mehr Leute. Aber trotzdem ist die Region in den letzten Jahrzehnten ausgeblutet. Wer Arbeit suchte, ist weggezogen – und sei es nur Richtung Joplin. In Missouri gibt es mehr Arbeit und das Schulsystem ist besser.“ Kurz vor der Staatengrenze in Missouri halten viele Touristen an dem mächtigen 66-Drive-In-Autokino in Carthage oder – gerade in Kansas angekommen – an der restaurierten Tankstelle „4 Woman of Route 66“. Von so viel Aufmerksamkeit kann ein Ort wie Baxster Springs nur träumen. Doch die frisch gemachten Sandwiches mit Kraut von Seniorin Maggie sind eine Wucht und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Der leistungsstärkste Mercedes SLK kann auf der Route 66 seine Stärken ausspielen. Er ist kein Kurvenjäger und kann trotz der sportlichen Fahrwerksabstimmung auf den bisweilen sehr schlechten Straßen glänzen. Einen guten Teil seiner Arbeit spult der 422 PS starke Achtzylinder im Teillastbetrieb ab. Das Display im Armaturenbrett zeigt große Teile den Vierzylinder-Eco-Modus und einen Durchschnittsverbrauch von durchweg unter neun Litern. Das geöffnete Klappdach und sportliche Überholmanöver machen sich kaum nennenswert auf dem Bordcomputer bemerkbar.

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Auf der Route 66 dreht sich letztlich alles um den Kraftstoff. Dabei geht es nicht darum, dass Metropolen wie Oklahoma City, Tulsa oder Santa Fe jahrzehntelang an dem dickflüssigen Öl hangen oder dass am Wegesrand nach wie vor immer wieder Ölpumpen auftauchen. Neben den zahlreichen Motels, die am Wegesrand stehen, drücken die Tankstellen – offen oder geschlossen – der Route 66 ihren ganz eigenen Stempel aus. Hunderte von Zapfsäulen wurden im Laufe der Jahrzehnte sich selbst überlassen. Einige wie eben die „4 Woman of Route 66“ in Gadena oder die Tower Station in Shamrock im Niemandsland zwischen Oklahoma City und Amarillo wurden in den letzten Jahren auf Vordermann gebracht. Andere bieten nicht mehr als verblichene Route-66-Devotionalien und Preisschilder, die selbst Amerikanern die Tränen in die Augen zaubern. Eine Gallone Kraftstoff für unter 40 Cent und von Diesel-Kraftstoff keine Spur. Die ungezählten Reiseführer der Route 66 sorgen dafür, dass sie ein genauso oft Fotomotiv werden wie die in den Boden gerammten Cadillacs an der Ausfahrt 60 nahe Amarillo oder die Route-66-Museen in Clinton oder Elk City. Dabei sind die Museen keinesfalls ein Muss. Dafür ziehen ungewöhnlichere Ausstellungen von Staubsaugern, Autos oder Waffen das Interesse vieler Reisenden auf sich.

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Die meisten der unzähligen Motels an der Route verbreiten mit verblichenen Schriftzügen, abgeblätterter Farbe und düsteren Scheiben ein wahrhaft gespenstisches Bild. Andere Motels wie das Palomino oder das Blue Swallow in Tucumcari, das Road Runner in Callup oder das legendäre Wigwam wurden in den letzten Jahren aufgehübscht. Neue Bäder, WLAN, Fernsehen und neue Fenster zeigen diese in der Neuzeit angekommen. Das Ehepaar Nancy und Kevin sind erst letztes Jahr aus Michigan nach New Mexiko umgesiedelt. Sie leiten mit dem Blue Swallow Motel eines der charmantesten Häuser auf der gesamten Route. „Mein Mann hat seinen Job in der Ölindustrie verloren und auch bei mir sah es alles andere als gut aus“, erzählt die dunkelhaarige Nancy mit melancholischem Unterton, „da haben wir uns entschieden, Michigan zu verlassen und uns den Traum von einem Motel auf der Route 66 zu erfüllen. Wir wollen die Route 66 wieder zum Leben erwecken. Monat für Monat kommen mehr Leute auf die Tour – und zu uns.“ Das besonders bei Dunkelheit schmuck illuminierte Blue Swallow Motel wurde 1939 erbaut. Bis in die 60er Jahre war es einer der beliebtesten Motels auf der nicht enden wollenden Straße von Ost nach West. „Wir haben zwölf Zimmer. Einfach eingerichtet mit WLAN, Dusche, TV und allem“, erzählt Nancy. Das Auto parkt gleich neben dem Zimmer in der bunt gestrichenen Garage. Nancy: „Die Zimmerpreise starten bei 49,99 Dollar. Die meisten Gäste bleiben auf der Durchreise nur eine Nacht.“ Gut, wenn man sich sein eigenes Reisetempo nicht vorgeben lässt. Motels gibt es überall – da kann man sich getrost treiben lassen und sich die eigenen Stationen suchen, wo man stoppt. Ein Abstecher in Amarillo beim Steakhaus „The Big Texan“ mit bis zu 2,1 Kilogramm schweren Steaks ist ebenso ein Muss wie der Meteor Krater hinter Winslow, der sehenswerte Nationalpark Petrified Forest mit seinen versteinerten Baumstümpfen oder das sehenswert pittoreske Seligman in Richtung Grand Canyon.

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Auf der zweiten Hälfte der Strecke muss sich der Mercedes SLK 55 AMG die Aufmerksamkeit, die er als europäisches Auto in dieser Region erntet, mit kilometerlangen Transportzügen auf der Santa-Fe-Linie teilen. Mit 15-Minuten-Takt ziehen sich bunt getünchte Güterschlangen durch die drögen Landschaften, ehe es in die Hitze der Mojave Wüste geht. Fahrdynamisch ist der gerade einmal 1.113 Meter hohe Sitgreaves Pass das Highlight der Strecke. Mit wummerndem V8 blubbert der 422 PS starke SLK 55 AMG die kurvenreichen Serpentinen hinauf, ehe man im allzu touristischen Oatman in die Goldgräberzeit eintauchen kann. Der Rest der Route bis ins San Bernadino-Tal ist weitläufig, bergig und warm – genau der richtige Abschluss für den Power-Roadster. Nach einer effektiven Fahrzeit von knapp 47 Stunden zeigt der Bordcomputer am Endpunkt der Route 66 auf dem Santa Monica Pier abends einen Durchschnittsverbrauch von 8,7 Litern auf 100 Kilometern an. Mehr als zügig gefahren, mit weithin geöffnetem Dach und in einem Temperaturspektrum von minus 3,5 bis plus 33 Grad Celsius, hat der Mercedes SLK 55 AMG eine Klasse-Vorstellung abgeliefert. Über 60 Prozent der knapp 3.900 Kilometer langen Wegstrecke hat der Achtender im Vierzylindermodus absolviert. Einzige Kritik: Etwas bequemer dürften die Sportsitze gerne sein und das elektrische Klappdach sollte sich für kleine Sonneneinlagen dringend auch während der Fahrt bedienen lassen. Am liebsten würde man umkehren und die Strecke nunmehr gleich wieder in östlicher Richtung nach Chicago zurückfahren. Sicher gäbe es ganz neue Einblicke und Geschichten.

Text: Stefan Grundhoff
Fotos: Press-Inform