IAA 2011: Von Vielfalt und Nachhaltigkeit

IAA 2011: Von Vielfalt und Nachhaltigkeit

Vom 15. bis 25. September 2011 lädt die größte Automobilausstelllung der Welt zum Premierenfeuerwerk. Nie zuvor gab es eine derartige Modellvielfalt, nie zuvor war das Thema Nachhaltigkeit so allgegenwärtig. Classic Driver berichtet vom ersten Pressetag der 64. Internationalen Automobil-Ausstellung.

Beinahe im Sekundentakt rollen auf dem Freigelände der Frankfurter Messe die Shuttle-Fahrzeuge heran. Die meisten lautlos, da entweder teil- oder vollelektrisch angetrieben. Das Thema Nachhaltigkeit war noch nie so präsent hier in Frankfurt, wenngleich parallel im Bereich der Verbrennungsmotoren nicht an PS gespart wurde – im Gegenteil. Und, das ist kein Kompliment, noch nie war das Angebot an Modellen so groß. Wer etwa bei Audi up-to-date sein will, hätte sich zuvor besser die Modellzyklen auf Karteikärtchen notieren sollen. Generationswechsel oder doch nur Modellpflege? Welches Modell gibt es als S-, welches als RS-Version? Nicht anders die Modellvielfalt bei BMW oder Mercedes-Benz. Ganz nach dem Motto: Wo eine Nische ist, ist auch eine Weg.

New Stratos: Ein Unikat

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Bei all dem Gehetze nach unbesetzten Nischen ist es doch beruhigend zu wissen, dass es auch noch echte Unikate gibt. Der New Stratos etwa, eine Neuinterpretation des legendären Rallyeklassikers Lancia Stratos, wurde bislang nur einmal gebaut. Ein zweites Exemplar soll in Kürze folgen, doch ob es zu einer Kleinserienproduktion kommt, ist derzeit ungewiss.

Überraschung bei Land Rover

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Land Rover ist eine der wenigen Marken, die für den Autosalon noch eine wirkliche Überraschung in petto haben: Neben der Land Rover Defender Studie, deren klobiges Design sicherlich nicht von jedem Zuspruch erhält, präsentiert Land Rover auf der Messe noch die spektakuläre Cabrio-Variante DC100 Sport, die – ausgestattet mit wuchtigen Rädern und in grellem Gelb gehalten – einen idealen Strandbuggy abgeben würde. Parallel präsentiert Range Rover sein Serienmodell Evoque in ganzer Farb- und Ausstattungsvielfalt und zeigt der Konkurrenz, dass gutes Design nicht bloß Coupés und Sportwagen vorbehalten ist.

Jaguar gelingt der große Wurf

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Der große Wurf unter den Sportwagen gelingt Jaguar. Gemeint ist das Sportwagen-Concept-Car Jaguar C-X16. Wie eine Raubkatze lauert der für Jaguar-Verhältnisse extrem kompakte Zweisitzer auf dem Messestand, als würde er nur darauf warten, dass jemand den Motor startet und ihn in die Freiheit entführt. Bleibt nur zu hoffen, dass Jaguar den C-X16 schnellstmöglich und mit wenig Retusche in die Serie umsetzt.

Editionsvielfalt bei Aston Martin

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Nebenan bei Aston Martin gibt es keine wirklichen Innovationen, stattdessen stehen die neuen Editionsmodelle in Reih und Glied, um den Verkauf der Sportwagenpalette anzukurbeln. Neben der extravaganten Straßenversion des Aston Martin V12 Zagato präsentieren die Briten den Aston Martin Special Edition Vantage 4.7 und den Aston Martin DBS Carbon Edition.

Mercedes-Benz und Smart: Revolution in der Kompaktklasse

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Mercedes-Benz hat standesgemäß zur größten Automobilausstellung der Welt sein eigenes Kaufhaus eröffnet, mit dem Unterschied, dass die Fahrzeuge hier natürlich nicht direkt verkauft werden. Doch was gibt es eigentlich Neues bei den Stuttgartern? Eine Reihe von B-Klassen säumen den Eingangsbereich im dritten Stock. Es folgen die neue C-Klasse und E-Klasse – von der Limousine bis zum Cabriolet –, die neue M-Klasse und natürlich die neuen AMG-Modelle SLK 55 AMG, Mercedes-Benz C 63 AMG Black Series und natürlich SLS AMG Roadster. Concept Cars gab es auch: das der kommenden A-Klasse, die ein deutlich dynamischeres Kompaktklassen-Design ankündigt, die Vision einer S-Klasse des Jahres 2025, den Mercedes-Benz F125, und die Smart-Studie Forvision, die wie auch der F125 jede Menge Raumfähren-Ästhetik versprüht.

BMW: Elektro-Zukunft trifft M-Tradition

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Eine ähnliche Mischung zeigt BMW, wenngleich die Bayern zudem einen konkreten Termin für den elektrischen Serienstart nennen können. Ab 2013 werden mit dem i3 und dem i8 die ersten vollelektrischen Fahrzeuge in Serie gehen. Für die gute Mischung sorgen die aktuellen M-Modelle, allen voran der brandneue M5, der zeigt, dass Motoren-Downsizing und Verbrauchssenkung nicht gleich Leistungsverlust bedeutet. Während hier in der PS-Ecke noch der 1er der ersten Generation als neues 1er M Coupé präsentiert wird, ist ein großer Bereich der ohnehin riesigen BMW-Halle mit der neuen Generation gepflastert.

Rolls-Royce und Mini: Edel und smart

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Während Rolls-Royce in gediegenem Ambiente den neuen Ghost mit verlängertem Radstand zeigt, fand bei BMW-Tochter Mini das bunte Kontrastprogramm statt. Das neue Mini Coupé wird flippig in Szene gesetzt und beweist, dass es in Sachen Personalisierungsmöglichkeiten seinen Modell-Brüdern in nichts nachsteht.

VW will den Kleinwagenmarkt erobern

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Golf und Beetle in verschiedensten Versionen gibt es in Halle 3 bei VW zu sehen. Wem der neue Beetle noch nicht scharf genug ist, der bestätigt spätestens beim Anblick der Concept-R-Version, dass Volkswagen mit dem blumigen Imagereaktion des New Beetle abgeschlossen hat. Doch so viel nur am Rande, denn alles dreht sich um den kleinen Neuzugang aus Wolfsburg, der auffallend viele Asiaten in die Volkswagen-Halle lockt: Der VW Up kommt noch in diesem Jahr auf die Straße und soll den Kleinwagenmarkt-Markt erobern. Eine sparsame Erdgas-Variante geht ebenfalls 2011 in Serie, eine Elektro-Variante soll 2013 folgen. Ob die Kabinenrollerstudie „Nils“ in absehbarer Zeit auch die Straße kommt, ist dagegen noch ungewiss.

Audi: Die Mischung zieht

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Bei Audi ist die Hölle los. Die Mischung aus innovativen, nachhaltigen Studien, die unter dem Titel „Urban Mobility“ in Form eines gelungenen Audi A2 Concept und der einsitzigen Cityflitzer Audi Urban Concept und Urban Concept Spyder präsentiert wurden, und einem Feuerwerk aus leistungsstarken S- und RS-Modellen, darunter der neue RS5, der S7 und der S8, zieht Journalisten aus aller Welt in das Audi-Forum. Auch hier ist das große Interesse der Asiaten zu erkennen, wird doch China als größter Wachstumsmarkt in den kommenden Jahren prognostiziert.

Lamborghini: Keine große Überraschung

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Wer darauf spekuliert hat, dass Lamborghini eine neue Generation oder die Neuinterpretation eines Sportwagen-Klassikers enthüllt, wird enttäuscht. Zur 150-Jahr-Feier Italiens gibt es stattdessen „nur“ eine Straßenversion des Supertrofeo-Gallardo, den Lamborghini Gallardo 570-4 Super Trofeo Stradale. Den Link zum Jubiläum setzen die Italiener gekonnt mit der historisch-roten Rennsportlackierung Italiens, die dem Sportwagen erstaunlich gut steht, und einer Limitierung auf 150 Exemplare. Aber auch fahrdynamisch soll der Super Trofeo überzeugen, bietet er doch dreimal mehr Abtrieb als der herkömmliche Gallardo. Eine frohe Botschaft gab es dann noch für reaktionsschnelle wie solvente Lamborghini-Sammler: Der ultraleichte Lamborghini Sesto Elemento wird in einer Kleinserie von 20 Exemplaren gebaut. Aktuelle Verfügbarkeit: vermutlich ausverkauft.

Bentley und Bugatti: Zwei Superlative

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Während Bentley mit dem neuen Continental GTC das „beste Cabriolet der Welt“ laut eigener Aussage nochmals verbessern konnte, zeigt Bugatti den ersten Porzellan-Supersportwagen der Welt und damit die exklusivste, aber auch letzte Version der aktuellen Bugatti Veyron Baureihe. Eine wirkliche Überraschung war der Bugatti L’Or Blanc jedoch nicht, wurde er bereits Ende Juni in Berlin enthüllt.

Porsche: Alles wie bestellt

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Bei Porsche ist alles klar: Die 7. Generation des wichtigsten und traditionsreichsten deutschen Sportwagens, dem Porsche 911, würde Premiere feiern. Er würde optisch gelungen sein und das Beste der aktuellen Modellreihe sowie Innovationen wie das erste manuelle 7-Gang-Getriebe mit sich bringen. Er würde leistungsstärker und sparsamer sein als sein Vorgänger, mehr Raum bieten und doch kompakt wirken. Das alles konnte der neue Porsche 911, Baureihe 991, erfüllen. Und so ist die Premiere des Messehighlights überraschend unüberraschend. Und das ist gut so, denn allzu gewagte Experimente am Sportwagen-Urtyp haben wir den Entwicklern in Zuffenhausen ohnehin nie gedankt.

Brabus: Performance auf ganzer Linie

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Ganz im Trend der Messe zeigte sich Brabus vielfältig wie nie. Während in der Smart-Halle die vom Mercedes-Spezialisten individualisierte Zwerge stehen – teilweise am Rande des guten Geschmacks –, protzen am Brabus-Mercedes-Stand die standesgemäßen Dampfhammer – mit einem Unterschied: Diesmal gesellt sich neben einen 800 PS starken Brabus Rocket auf Basis des Mercedes-Benz CLS auch eine E-Klasse mit Elektroantrieb, den Brabus High Performance 4WD Full Electric. Trotz alternativem Antrieb bleiben die Bottroper ihrer Tradition in punkto Performance treu: 320 KW / 435 PS und ein Drehmoment von 3.200 Nm sprechen für sich.

Ferrari zeigt den offenen 458

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Erwartungsgemäß gab es auch bei Ferrari in Halle 6 eine Premiere. Zwar war es nur die offene Variante des rasanten Ferrari 458 Italia, dennoch zog die Marke natürlich zahlreiche Besucher an. Eine Besonderheit des neuen Super-Spider: Der Sportwagen besitzt kein klassisches Stoffverdeck, sondern ein elektrisches Aluminium-Hardtop.

Maserati mit viel Beinfreiheit

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Aufgrund der anhaltenden Nachfrage für Luxus-SUVs reanimiert Maserati seine bereits im Frühjahr 2003 in Detroit gezeigte SUV-Studie Kubang. Für die IAA in Frankfurt wurde das Konzept natürlich technisch und optisch aufgefrischt. Dass der hochbeinige Maserati nun tatsächlich in Serie geht, ist jedenfalls wahrscheinlich.

Fiat & Co.: Die Schlemmermeile

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In Halle 6 stellt sich die Frage, ob es die begehrenswerten Luxusautomobile zur Linken sind, welche Scharen von Besuchern in die Gänge locken, oder doch eher die attraktiven Messedamen, die gegenüber auf den Ständen der italienischen Volumenhersteller posieren. Doch es gibt auch Automobiles aus dem Fiat-Konzern zu sehen. Fiat selbst etwa zeigte den neuen Panda, Alfa Romeo neue Ausstattungsvarianten von Giulietta und MiTo. Die große Sportwagenhoffnung, der Alfa Romeo 4C, lässt derweilen noch auf sich warten. Dennoch schaffen es die Italiener erneut, das Interesse auf das technisch leicht weiterentwickelte und in einem speziellen Lack getauchte Sportwagenkonzept zu lenken, erhielt der 4C doch gleich doppelte Unterstützung seitens des weiblichen Messepersonals.

Text: Jan Richter
Fotos: Nanette Schärf / Classic Driver