
Für den Künstler Hubert Heinrich steht nicht das Auto im Vordergrund, sondern all das, was sich in seiner Hochglanz-Karosserie spiegelt. Die urbane Umwelt wird in Heinrichs Bildern durch konvexe und konkave Blechformen wie in einem Spiegelkabinett verzerrt und dekonstruiert.
In den 1920er Jahren begründete Kasimir Malewitsch in Russland den Konstruktivismus – und brachte die Malerie damit auf ihren Nullpunkt. Statt Wirklichkeit abzubilden, sollten Farben und Formen nur noch für sich selbst sprechen. 1915 setzte Malewitsch die bisherigen Regeln der Kunst mit einer 79 x 79 großen, pechschwarz bemalten Leinwand entgültig außer Kraft. Dem konstruktivistischen Ideal fühlt sich auch Hubert Heinrich verpflichtet. Der 1960 in Aachen geborene Maler begreift sich als Neo-Konstruktivist, der sich offen zu den Möglichkeiten der digitalen Bildtechnologien bekennt. Mit seiner Digitalkamera hält Heinrich alltägliche, urbane Details fest, um die Fotografien anschließend in abstrahierter Form in Gemälde zu verwandeln. Meist finden sich in den Bildern Ausschnitte moderner Architektur, doch für eine neue Serie hat Heinrich das Automobil entdeckt.
Dabei geht es ihm nicht um die Darstellung des Autos als Transportmittel oder Statussymbol, wie man es aus den Bilderwelten der Werbung kennt. Vielmehr nutzt Heinrich die hochglänzenden und meist schwungvoll geformten Design-Karosserien moderner Luxusautomobile als Zerrspiegel für die umliegende Wirklichkeit. Modell und Marke treten dabei in den Hintergrund, während sich das scheinbar Banale – das Straßenpflaster, der Passant, die Bürohausfassade – als abstrahiertes Formenflimmern in den Vordergrund drängt. Um den Moment der Spiegelung auch auf den Rezeptionsakt zu übertragen, werden die digital in einzelne Farbflächen aufgeteilten Autospiegelungen nicht gemalt, sondern als C-Print gedruckt, dann im Diasec-Verfahren untrennbar mit einer Plexiglas-Platte verbunden und mit einer Aludibondplatte stabilisiert. Das Motiv erhält durch dieses Verfahren eine Qualität und Tiefe, die durch klassische Malerie kaum zu erzielen wäre.
Bei der Wahl der automobilen Motive ist Hubert Heinrich übrigens nicht festgelegt. Wer etwa den eigenen Sportwagen oder Klassiker gern in ähnlicher Form interpretiert sähe, sollte dem Künstler seine Idee unterbreiten. Zusammen mit dem Interessenten kann ein Motiv entwickelt werden. Kontakt über die Galerie Schindel in Freiburg unter www.galerie-schindel.de.
Text: Jan Baedeker
Fotos: Hubert Heinrich
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