Goodwood Revival Meeting vom 5.9. - 7.9.2003

Eine Zeitreise in die 50-iger und 60-iger für alle Motorsportbegeisterte fand zum 6.mal am ehemaligen RAF Flugplatz in Südengland statt. Lord March lud zu diesem Event, das 94.000 Besucher begeisterte. Da Jeans und Polos unerwünscht waren, kamen die Besucher vorwiegend mit Bekleidung aus der Zeit, wie mit Petticoats und Tweeds.

Schwerpunkt der Veranstaltung war das Berry Sheene Memorial, der im Vorjahr in Goodwood sein letztes Rennen fuhr und auch gewann, bevor er im Frühjahr 2003 einem Krebsleiden erlag. Zu seiner Erinnerung fuhren 15 der Motorräder, die Berry im Laufe seiner langen Karriere bewegt hatte, von vielen seiner Freunde und Wegbegleiter auf einer Ehrenrunde um den 2,4 Meilen langen Rundkurs.

So sah man Giacomo Agostini mit akrobatischen Einlagen, Wayne Gardner, der im Vorjahr in Goodwood noch von Berry Sheene um eine hundertstel Sekunde besiegt wurde; weiters den ehemaligen F1 Piloten Gerhard Berger und Damon Hill, den F1 Weltmeister 1996. Ein weiterer Höhepunkt waren Demonstrationsfahrten von Brooklands Renngiganten aus den 20-igern und 30-igern, darunter 2 Mercedes-Benz 710 SS und 710 SSKL von Peter Heinz Kern. Der älteste Teilnehmer war der 92- jährige C.T. Deleney auf einem Lea Francis Hyper 1928, mit dem er bereits 1931 Rennen bestritt.

Am spannendsten war die St. Marys Trophy, ein 20 Runden Rennen mit Fahrerwechsel für Saloons zwischen 1960 und 1966, in der ein Austin Mini Cooper S mit einem Schnitt von 91mls die Pole hatte. Außerdem sah man in dieser Gruppe Sir Sterling Moss auf Ford Galaxie 500, Jack Brabham auf Mercedes-Benz 300 SE, Arturo Merzario auf Alfa Romeo 1600 GTA, Roan Atkinson „ Mister Bean“ auf Ford Falcon Sprint, Rauno Aaltonen, Marc Surer und Jackie Oliver auf BMW 1800 TiSA, die von Derek Bell auf Jaguar MK1 gejagt wurden. Am Ende trug sich ein Ford Falcon in die Siegerliste vor Derek Bell ein, der Austin Mini wurde Dritter.

Ein weiterer Höhepunkt war die Whitsun Trophy, ein 18 Runden Rennen für Sport Prototypen zwischen 1963 und 1966, dass nach der ersten Runde bereits abgebrochen und in der Folge neu gestartet wurde, da zwei Ford GT 40 versuchten gleichzeitig nebeneinander durch die Flaschenhals-Schikane zu fahren. Eine Massenkollision war die Folge. Sieger dieses Rennens war Frank Sytner auf Lola-Chevrolet T70 Spider, der mit 1:22,756 einen neuen Rundenrekord aufstellte, gefolgt von Simon Hadfield auf einem Lotos-Ford mit einem Abstand von nur 13 Hundertstel Sekunden, der noch kurz vor dem Ziel unter Ausnutzung des Grünstreifens vergeblich versuchte die Führung an sich zu reißen.

Schon als Stammgast ist Jochen Mass, der Gewinner des F1 GP 1975 in Barcelona zu bezeichnen, der einmal in einem Jaguar E-Type ‚lowdrag’ coupé und einmal in einem Lancia D50A 1954 zu sehen war. Als weiter prominenter Name schien auf der Anzeigetafel Juan Manuel Fangio II auf, der einen E-Type von Carlos Monteverde fuhr und in der GT-Klasse knapp von Richard Attwood auf Iso Bizzarini A 3C besiegt wurde. Phil Hill, der F1 Weltmeister 1961, drehte sich am Samstag nach dem Platzen eines Wasserschlauches in der ausgelaufenen Kühlflüssigkeit seines Alfa Romeo 3000 CM 1953.

Eine Premiere hatte Gerhard Berger, der nach dem Ende seiner F1 Laufbahn 1997 erstmals wieder einen Rennwagen pilotierte. Er bestritt allerdings nur die Qualifikation, da der Ferrari 250 GTO im Rennen unter dem ersten Piloten Nick Mason nach elektrischen Problemen ausfiel.

Goodwood ist aber noch mehr als ein historisches Rennen: Außerhalb der Rennstrecke lag der Schwerpunkt dieses Jahr in der Zeit des kalten Krieges. So war ein großer Krater mit den Überresten eines abgestürzten russischen Sputniks zu sehen, der von KGB Agenten in schwarzen Ledermänteln gesichert und bewacht wurde. Das Gelände wurde von Rockern auf schweren Motorrädern unsicher gemacht, die frech an der exerzierenden Homeguard vorbeifuhren.

Das Konzept von Lord March, ein Fest mit historischen Fahrzeugen, Flugzeugen und vielen Prominenten ist bei den Zuschauern voll angekommen und fühlten sie sich selbst als Teil dieser Veranstaltung, zu der sie mir zeitgerechter Bekleidung beitragen konnten. Selbst Murry Walker, die F1 Reporterlegende erschien in einer Offiziersuniform aus dem 2. Weltkrieg und kommentierte diverse Rennen.

Insgesamt war Goodwood eine Reise wert und können die Fotos demjenigen einen besseren Eindruck vermitteln, der die Zeitreise im heurigen Jahr nicht mitmachen konnte!

Text: Dr. Hans Jud
Fotos: Daniela Jud

Classic Driver bedankt sich bei dem Gastautor und bei der Gast-Fotografin.