
Mit dem Goodwood Revival verhält es sich wie mit Geburtstagen von ungeliebten Menschen – man hat das Gefühl, als ob es mehrmals im Jahr stattfindet. Nur mit dem entscheidenden Unterschied, dass man hocherfreut ist, wenn der Eintrag „Revival“ im Kalender auftaucht – dieses Jahr übrigens vom 1. bis zum 3. September. An diesen magischen drei Tagen verwandelt sich die historische Rennstrecke von Goodwood in eine riesige Filmkulisse, vor der jeder Besucher, der sich im Stil der 50er Jahre kleidet, eine Rolle im „Revival Film“ übernimmt.
Neu beim diesjährigen Revival Meeting ist ein Rennen speziell für Sportwagen aus den Sechziger Jahren mit einem Hubraum bis 3.000 ccm. Bei diesem Lauf werden Klassiker wie Lotus 19 und 23, Elva Mk7 und Mk8, Ferrari 206 Dino und Maserati Birdcage an den Start gehen. Diese winzigen aber bemerkenswert schnellen „Baby Racer“ kämpfen um den Madgwick Cup. Eine Wiederbelebung erlebt die zum letzten Mal 2003 ausgetragene Fordwater Trophy. In diesem Rennen starten kaum bekannte Werksrennwagen, deren windschnittige Karosserien speziell für Langstreckenrennen entwickelt wurden. MG und Austin-Healey Sprite mit Le Mans Aufbauten messen sich mit Modellen der Marken Morgan, Triumph und natürlich Jaguar.
Zwischen den ganzen Sportwagen-, Single-Seater- und Motorrad-Grids stechen zwei Rennen hervor – die „two-driver celebrity“ Läufe. Der eine, die St. Mary’s Trophy, wurde in zwei Teile gesplittet und findet am Samstag und Sonntag statt. Dort starten Limousinen der 50er Jahre, wie der massige Jaguar MkVII, der sich gegen den Erdnuss großen Austin A40 behaupten muss. Mit im Spiel sind aber auch Glanzlichter wie Ford Zephyr, MG Magnette und Morris Minor, gefahren von Stars wie Sir Sterling Moss und Bobby Rahal.
Etwas ernsthafter geht es bei der Royal Automobile Club TT Celebration am Sonntag zu. Für dieses Rennen wird ein Starterfeld bestehend aus Jaguar E-Type „Lightweight“, Ferrari 250 GT SWB, GTO und 330 LMB, AC Cobra und Aston Martin „Project Cars“ erwartet – eine Startaufstellung, die gut und gerne 40 Millionen Euro Wert ist. Gesteuert werden die Preziosen von Legenden wie Derek Bell, Jochen Mass, Richard Attwood, Jackie Olivier, Henri Pescarolo, Patrick Tambay, René Arnoux und vielen mehr
Einen Vorgeschmack auf das, was die Besucher des Revival Meeting erwartet, durfte ich live miterleben. Ich erhielt einen Respekt einflößenden Brief mit dem Inhalt: „Schauen Sie doch am Pressetag im Vorwege des Goodwood Revivals vorbei und drehen Sie eine Runde mit einer Größe des Motorsports.“ Ich denke mir Derek Bell wäre ein adäquater Chauffeur für mich. Und was soll ich sagen, Wunder geschehen und ehe ich mich versehe, sitze ich mit einem sehr charmanten Herrn Bell in einem CUT 7 E-Type auf dem Weg zum Track.
„Ich bin diesen Jaguar erst insgesamt 50 Sekunden gefahren“, sagt mir Derek als wir in der Boxengasse stehen und auf Grün warten. Wobei anzumerken ist, dass diese 50 Sekunden sich aus zwei Bergsprints zusammensetzten, die Derek beim letzten Festival of Speed gefahren ist – beides Siegzeiten. Und da gerade der Belag der Rennstrecke erneuert wurde werde er nicht ganz am Limit fahren, fügt er hinzu, während er das Gaspedal tritt und der Rest seiner Worte vom brüllen des Motors verschluckt werden. Am Limit oder nicht spielt für mich keine große Rolle als wir in die Madgwick Kurve einbiegen. Mit einem eleganten Drift legen wir uns in diese Kurve, während Derek mit ganz sachten Lenkbewegungen die Kontrolle behält. Den Fordwater-Knick passieren wir im Schonwaschgang und nun liegt der schwierigste Teil vor uns – St. Mary’s. Dies ist der beliebteste Punkt bei den Zuschauern, da dort einige der spektakulärsten Fahrszenen zu betrachten sind.
Mit hoher Geschwindigkeit geht es die Lavant-Gerade hinunter und Derek schreit mir zu: „Der E-Type, den ich beim Revival fahren werde, ist nur unwesentlich schneller als dieser!“ Im gleichen Augenblick muss er stark abbremsen, um die scharfe Woodcote Rechtskurve zu nehmen. Die Präzision, mit der Derek fährt, ist unglaublich. In jeder Runde zeigt der digitale Tacho an dieser Stelle genau 174 km/h am Bremspunkt vor der Woodcote-Kurve.
Im Endeffekt war ich sehr froh darüber, dass ich Derek nicht am Limit gefahren ist. Vielen Dank Derek für den Renntaxiritt.
Wer dieses Jahr das Goodwood Revival Meeting besuchen möchte, sollte nicht vergessen, dass man Tickets nur im Vorverkauf erwerben kann. Weitere Informationen finden Sie unter www.goodwood.co.uk.
Text: Charis Whitcombe
Fotos: Charis Whitcombe / Ian Wilson - AutoGraph images of MotorSport
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