Goodwood Festival of Speed 2009: Treffen der Generationen

Jedes Jahr im Juli pilgern Motorsportenthusiasten in das englische Goodwood, um im Garten des Earl of March die Geschichte des Rennsports zu feiern. Vom 1905 gebauten Darracq bis zum modernen Formel 1-Racer gingen dieses Jahr Vertreter aus über 100 Jahren Motorsport an den Start

Mit dem modernen Motorsport ist das so eine Sache: Zweifelsfrei vollbringen die jungen Profirennfahrer in ihren Sportwagen beachtenswerte Leistungen – dabei spielt es keine Rolle, ob die Stars in der Formel 1, bei den Tourenwagen-Meisterschaften oder in den verschiedenen Rallye-Klassen starten! Allerdings sucht man heute vergeblich nach gestandenen Persönlichkeiten vom Schlage Caracciola, von Brauchitsch, Moss oder Röhrl. Die modernen Motorsportler wirken durch die extensive Kommerzialisierung des Rennsports doch etwas weichgespült im Vergleich mit den Haudegen vergangener Epochen. Oder können Sie sich Lewis Hamiltion vorstellen, wie er ein Rennen nur mit einem Schraubenschlüssel als Lenkrad bestreitet, wie es einst Fangio tat, als kein Ersatzvolant zur Verfügung stand? Sicher nicht.

Goodwood Festival of Speed 2009: Treffen der Generationen Goodwood Festival of Speed 2009: Treffen der Generationen

Der Wandel wird besonders deutlich bei einem Besuch des alljährlichen „Fesitval of Speed“ im englischen Goodwood, wenn an einem Wochenende im Juli zahllose Sportwagen aus über 100 Jahren Motorsportgeschichte gegeneinander zum „Hillclimb“ antreten, bei dem es gilt, die 1,86 Kilometer lange Strecke vom Start bis zum Ziel als Schnellster zu absolvieren. Wobei jeder Telnehmer allerdings die Wahl hat, entweder gegen die Zeit zu fahren oder lediglich „just for fun“ den Goodwood-Hügel zu erklimmen.

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Eines der vielen Highlights in diesem Jahr war der Auftritt der Rennwagen von Auto Union und Mercedes-Benz zum 75. Jubiläum der legendären Silberpfeile. Es läuft einem ein ehrfürchtiger Schauer über den Rücken, wenn ein Mercedes-Benz W196 mit Stirling Moss hinter dem Steuer an einem vorbei donnert oder der Auto Union Typ C, in dem Bernd Rosemeyer 1936 die Weltmeisterschaft gewann, mit dem angsteinflößenden Klang seiner 16 (!) Zylinder die Zuschauer am Streckenrand verblüfft.

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Doch auch die modernen Rennwagen sorgten für großen Spaß. So erntete Walter Röhrl tosenden Beifall, als er mit dem Audi Sport Quattro S1 „Pikes Peak“ in atemberaubenden Drifts um die Kurven der schmalen Strecke jagte. Den Auftritt des Rallyeweltmeisters im „Pikes Peak-Audi“ kommentierte ein Besucher mit den Worten: „Das wars! Ich habe Röhrl und den Pikes Peak live gesehen! Jetzt habe ich alles erlebt!“ Eine zeitgenössische Europapremiere feierte derweil Jesse James in seinem 900 PS-Trophy-Truck. Normalerweise geht der Ehemann von Schauspielerin Sandra Bullock bei 1.000-Meilen-Wüstenrennen an den Start, doch mit Freude akzeptierte er die Einladung von Lord March zum „Festival of Speed“. Den Zuschauern bot James einen spektakulären Auftritt, als er ohne Rücksicht auf Verluste die Bergstrecke hinaufraste – mit einem Truck, genauso breit wie die Fahrbahn. Als er die Ziellinie passierte, entschied er sich kurzerhand, seinen Lauf direkt auf dem eigens präparierten Rallye-Kurs fortzusetzen.

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Die schnellste Zeit auf der Bergstrecke erreichte Justin Law in seinem Jaguar XJR8/9: Mit 44,4 Sekunden konnte er jedoch die Bestzeit von 41,6 Sekunden, die 1999 Nick Heidfeld in seinem McLaren-Formel-1 Racer aufgestellt hatte, nicht unterbieten. Alle Resultate finden Sie unter folgendem Link.

Zwischen den Rennläufen strömten die Besucher in das Fahrerlager, um ganz nah am Renngeschehen zu sein. In den kleinen Pavillons konnte man die Mechaniker und Rennfahrer bei den Startvorbereitungen über die Schulter schauen. Ganz gleich ob Le Mans-Rennwagen, Formel-Racer oder Tourenwagen – das Fahrerlager gleicht einem Open-Air-Motorsportmuseum. Nirgendwo sonst bekommt man eine so große Auswahl an Sportwagen zu sehen. Ein besonders schönes Spektakel boten auch die lemminghaften Besucherströme, die bei jedem aufheulenden Motor ruckartig die Richtung wechselten.

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Für Audi stand das diesjährige „Festival of Speed“ ganz im Zeichen des 100. Markenjubiläums. Aus diesem Anlass stiftete Audi auch die Skulptur vor Schloss Goodwood, die in jedem Jahr von einer anderen Marke aufgestellt wird. Die Audi-Skulptur erinnert an das überdimensionale Fragment eines Carrera-Bahn-Loopings: Am waagerechten Ende war ein 1:1 Modell des Audi Typ C „Stromlinie“ befestigt, auf dem senkrecht nach oben zeigenden Stück war ein Audi R8 V10 montiert worden. Viele Besucher bescheinigtem dem beeindruckenden Automobil-Kunstwerk, es sei die schönste jemals in Goodwood gezeigte Skulptur.

Lord March hat einmal gesagt: „Meine Herren, Motorsport ist eine gefährliche Angelegenheit. Wir sorgen dafür, dass es so bleibt.“ Natürlich ist zu hoffen, dass gefährliche Unfälle beim „Festival of Speed“ weiterhin ausbleiben. Doch die eigentliche Aussage ist, dass man die Aura des Rennsports nicht durch zu viel Reglementierungen entzaubern sollte – schon gar nicht aus kommerziellen Gründen. Das Festival of Speed trägt in jedem Falle zur Erhaltung des großen Mythos Motorsport bei.

Text: J. Philip Rathgen
Fotos: Roger Dixon



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