Gooding versteigert Aga Khans Rolls-Royce Phantom IV Sedanca de Ville

Gooding versteigert Aga Khans Rolls-Royce Phantom IV Sedanca de Ville

Einen „gewöhnlichen“ Rolls-Royce Phantom gibt es nicht – schließlich wurden nur 18 Stück gebaut und ausschließlich an Monarchen und Staatsoberhäupter gebaut. Dennoch ist der 1952 für Aga Khan maßgefertigte Sedanca de Ville, den Gooding in Pebble Beach versteigert, eine kleine Sensation.

Wo also soll man beginnen, diesen außergewöhnlichen Rolls-Royce zu beschreiben? Natürlich ist da die einzigartige Hooper-Karosserie – die elegant-langgestreckte Formvariante „Sedanca de Ville“ mit ihren akzentuierten Hinterrad-Abdeckungen wurde nur ein einziges Mal für einen Phantom IV ausgeführt. Was selbst bei abgebrühten Rolls-Royce-Kennern zu hochgezogenen Augenbrauen führt, sind jedoch die maßgescheiderten Details. Da der Auftraggeber immer neue Sonderwünsche äußerte, dauerte die Fertigung des Wagens mit Chassisnummer 4AF20 mehr als zwei Jahre. Der Gesamtpreis, so das Auktionshaus Gooding, war exorbitant und wurde später diskret aus den Auftragsbüchern entfernt. Nur soviel: General Franco hatte für eine deutlich weniger extravagante Phantom-IV-Limousine bereits stolze 42.000 US-Dollar auf den Tisch gelegt.

Gooding versteigert Aga Khans Rolls-Royce Phantom IV Sedanca de Ville Gooding versteigert Aga Khans Rolls-Royce Phantom IV Sedanca de Ville

Unter anderem mussten die gewaltigen Türen so weit wie möglich öffnen lassen, um seiner Königlichen Höheit den Einstieg zu erleichtern. Im Fond sollten sich zu den drei Passagieren auf dem Hauptsitz noch zwei Gäste gesellen können. Zudem sollten verschiebbare Fensterabdeckungen bei Bedarf die nötige Privatsphäre sichern. In der Armlehne fanden die Passagiere unter anderem eine siberne Bürste, einen silbernen Kamm, eine silberne Puderdose und zwei Glaskrüge – alles trug freilich das königliche Wappen des Aga Khan. Auch auf Teleskop-Aschenbecher, Anzünder und zwei kleine Tischchen musste man auf Reisen natürlich auch nicht verzichten.

Gooding versteigert Aga Khans Rolls-Royce Phantom IV Sedanca de Ville

Die Kommunikation mit dem Chauffeur ging über ein Handmikrophon vonstatten. Wer Korrespondenz zu erledigen hatte, fand zudem ein Diktaphon. Und zur Mittagszeit fand man hinter polierten, walnushözlernen Schranktüren ein vollständiges Picknick-Set inklusive Thermosflaschen, Sandwich-Boxen, vier Tellern und silbernen, innen vergoldeten Bechern. Was der Aga Khan bestellt hatte, so Gooding, verband den Komfort eines Salons mit dem Luxus eines königlichen Haushalts. So erstaunt es nicht, dass Begum Omm-e-Habibah den Rolls-Royce bis zu seinem Tode in Ehren hielt. Wer sich berufen fühlt, das royale Erbe anzutreten, sollte 590.000 bis 770.000 Euro einplanen – für diesen Schätzpreis kommt der Wagen am 20. und 21. August 2011 im Rahmen des Pebble Beach Concours d’Elegance unter den Hammer.

Weitere Informationen finden sich unter www.goodingco.com.

Text: Jan Baedeker
Fotos: Gooding