Geneva Inside

So sieht er aus, der Jahresbeginn für Stilverehrer: Erst zeigen die Schönen und Hungrigen der Modelbranche zwischen New York- und London Fashion Week, was sich die Dame von Morgen um Hals und Hüften schlingen wird, dann defilieren auf dem Genfer Salon die elegantesten Konzepte aus den Königshäusern des europäischen Automobils. Am 1. März öffnet in diesem Jahr der 75. Internationale Automobilsalon – vorerst für die Presse – seine Tore und bündelt für rund zwei Wochen die Blicke der mobilen Welt auf die Stadt am Lac Leman, die sonst eher als Uhrenmetropole und Sitz der großen Organisationen wie UNO, WHO, ITU und WIPO von sich Reden macht. Dass die zweitgrößte Stadt der Schweiz auch jenseits der Konventionen aufregendes zu bieten hat, möchten wir Ihnen mit diesem Classic Driver Geneva Inside vorstellen.

Die Hotels

Eines der elegantesten Häuser in der gesamten Französischen Schweiz ist das im Herzen eines vier Hektaren großen Parks am Ufer des Genfersees gelegene La Réserve. Seitdem der von Miami bis Beirut verehrte Interior-Designer Jaques Garcia dem mystischsten aller Genfer Etablissements einen neuen Wind eingehaucht hat, trifft sich hier die internationale Style-Elite. Freunde des Pariser Hôtel Costes werden das elegante La Réserve für seinen bewussten Bruch mit den austauschbaren Luxus-Konventionen anderer Genfer Hotels lieben; der Rest der anspruchsvollen Besucher erfreut sich an einem Spaziergang zwischen den Tierfiguren im Park und natürlich dem einzigartigen Spa mit ausladenden Aquabereichen und Wellnessbar.

In den 85 individuell eingerichteten Zimmern und 17 einzigartigen Suiten bieten sich den Gästen mit traumhaftem Seeblick, geölten Parkettböden, großzügige Vorhängen, weiche Samtdecken, Marmormosaiken, schwarzem Granit, Mahagoni, Reisephotos und Büchern die ideale Umgebung für einige Stunden der Ruhe und des Wohlbefindens. Für eine vielseitige Verköstigung stehen gleich drei Restaurants zur Verfügung: Chinesische Spezialitäten im Tsé-Fung, saisonale Mittelmeerküche im Loti und leichte, gesunde, ausgeglichene Küche im Spa. Wer im Anschluss die kurze Taxifahrt in die Innenstadt scheut, kann sich in ‚Le Bar’ mit gutem Gefühl, einen der In-Spots gleich im Haus zu haben, einen exotischen Digestiv bestellen. Unser Tipp: Wer mit dem Privatjet anreist, braucht während dem Flug nicht auf die Menü-Kompositionen des La Réserve zu verzichten – der Feinkostservice steht an 7 Tagen die Woche beim Abflug am Genfer Flughaben zur Verfügung.

Ein weltweit einmaliger Blick auf die Alpen und den Mont Blanc und nur wenige Schritte zum See, zur berühmten Fontäne Jet d’Eau und bis in die charmante historische Altstadt machen das Le Président Wilson nicht minder attraktiv. Besonderer Beliebtheit bei Prominenten und Politikern, die das Hauptquartier der Vereinten Nationen im benachbarten Palais Wilson besuchen, ist die Imperial Suite – eines der luxuriösesten, sichersten und gleichzeitig kostspieligsten „Hotelzimmer“ der Welt. Wer auf einen Privataufzug, kugelsichere Scheiben, endlose Schlaf- und Badezimmer sowie einen Speisesaal für 26 Gäste verzichten möchte, findet auch in den übrigen 236 Suiten und Zimmern ein ausgezeichnetes und in klassischer Eleganz gehaltenes Domizil. Für alle sonstigen Bedürfnisse stehen die Restaurants „Spice’s“ mit asiatischen Speisen, das „Arabesque“ als bester libanesischs Restaurant der Stadt und das „Pool Garden“ für Fisch- und Frischluftliebhaber zur Auswahl.

Daytime

In einer ehemaligen Buchhandlung im Trendviertel Plainpalais liegt das Café des Bains – ein simples und doch einzigartiges Designkonzept, in dem die neuesten Modetrends aus London, Madrid und Lissabon in der Luft zuschweben scheinen. Die Architekten Charles Pictet und François Frey haben eine moderne und doch warme Atmosphäre geschaffen, in der man einen mittaglichen Hungerschub mit leichtem Fusion-Food und dem neuesten aus der World Cuisine auf delikate Weise entgegenwirken kann. Nach dem Essen nimmt man noch einen Café an der Bar, die sich nach Einbruch der Dunkelheit in einen der Szenetreffs der jungen Genfer verwandelt Sollten Sie nach dem noch etwas Zeit bis zum nächsten Rendez-vous haben, empfehlen wir den Besuch des ebenfalls in Plainpalais gelegenen Patek Philippe Museums, das eindrucksvoll die Historie der großen Genfer Uhrenmanufaktur nachzeichnet sowie das Musée Rath, das noch bis zum 21. August eine Werkschau des bekannten Schweizer Landschaftsmalers Ferdinand Hodler präsentiert.

Wer die Mittagszeit zum Shoppen nutzen und trotzdem nicht den Hungertod ins Auge blicken möchte, findet bei Bon Génie Grieder alle nur erdenklichen Produkte unter einem Dach und kann bei einem Salat, einem Tramezzino oder einem exzellenten Molleux au Chocolat im BG Café die neuerstandenen Kostbarkeiten oder die – oftmals – attraktiven Tischnachbarinnen bewundern. Wer zum Lunch die klassische Pariser Variante bevorzugt, findet in der Brasserie Lipp eine gute Adresse. Falls man zu den typischen Gerichten von Austern über die exzellenten Miesmuscheln bis zum Filet de boeuf grillé gerne französische statt japanische und deutsche Gespräche belauschen möchte, sollte den Ober bei der Platzauswahl um einen Tisch außerhalb der Touristenzone bitten.

Nightlife

Während der Tage des Salon d’Auto bitten die großen Hersteller fast jeden Abend zur Markenparty. Falls man nach einem anstrengenden Tag zwischen den Ständen doch gerne eine abendliche Auszeit aus der automobilen Welt nehmen möchte, bietet Genf und die Region eine ganze Reihe attraktiver Adressen fürs „Nachtessen“, wie der Schweizer zu sagen pflegt. Wer bereits im Le Président Wilson untergebracht ist und sein abendliches Essen mit asiatisch inspiriertem Fusion-Food und den neusten Einrichtungstrends aus London und Paris bereichern will, findet im hauseigenen Designrestaurant Spice’s eine der angesagtesten Adressen am Genfersee. Das beste und frischste Sushi von ganz Genf bekommt man bei Uchino in der Rue de Zurich serviert. Unbedingt die Spezialität des Hauses – gefrorene Tintenfischleber – kosten.

Wer für ein perfektes Dinner auch gerne ein paar Kilometer mehr zurücklegt, sollte unbedingt Philippe Rochats Restaurant de l’Hotel de Ville Crissier bei Lausanne besuchen, der als Nachfolger von Frédy Girardet ein straff organisiertes Gourmet-Paradies mit rund 50 Mitarbeitern aufgebaut hat. Capuccino glaçé de champignons sauvages mit Baguettes croustillantes à la fleur de sel, bretonischer Hummer auf Zucchini, rosafarbenes Kalbsfilet in Balsamico, Froschschenkel mit Artischocken – höher kann man das Niveau der Haute Cuisine kaum heben. Zusammen mit dem der erlesenen Weinkarte und dem außergewöhnlichen Service erreicht Rochats Restaurant, das bereits von GaultMillau mit 19 von 20 möglichen Punkten und vom Michelin mit drei Sternen ausgezeichnet wurde, die schiere Perfektion.

Der Morgen danach

Wer nach einem hoffentlich ebenso perfekten Abend am nächsten Morgen mehr Lust auf grüne Wiesen und klare Luft statt auf stickige Messehallen verspürt, sollte sich nach einem guten Schweizer Frühstück auf den Weg zu dem rund 25 Kilometer nördlich von Genf gelegenen ehemaligen Sommersitz der Familie Napoléon Bonapartes machen, der heute den Golf-Club Domaine Impérial beheimatet. Der 18-Loch-Platz liegt direkt am Ufer des Lac Léman, bietet ein herrliches Alpenpanorama und gilt als einer der schönsten Plätze der Schweiz.

Ohne Begleitung eines Mitgliedes gelangt man unter der Woche allerdings nur schwierig aufs Grün, am Wochenende haben ausschließlich Clubmitglieder Zulass. Die Anziehungskraft des Ortes auf alle Art von Adel und Prominenz scheint seit den Tagen des französischen Kaisers nicht viel verloren zu haben – so entsteht beispielsweise in direkter Nähe des Platzes das zukünftige Anwesen von Formel-1-Pilot Michael Schumacher.

Text: Jan Baedeker
Foto: Classic Driver


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