Garagengold: Es ist angerichtet!

Garagengold: Es ist angerichtet!

Überraschungs-Menü: Fernsehkoch Horst Lichter kennt offensichtlich auch die Zutaten für eine geschmackvolle Oldtimer-Garage. Reichlich Automobilia, Fahrzeuge und Motorräder zieren sein Reich gleich neben der Küche." Ein Auszug aus dem neuen Buch Traumgaragen 2.0 von Fritz Schmidt Jr.

Das ist er. Der Horst Lichter. Zwirbelbart und ein Lächeln im Gesicht. Ein fröhliches „Hallo“ und „lecker Kaffee“ in der großen Wohnküche. „Wo wir hier sitzen, das waren einmal Pferdeställe!“, eröffnete er das Gespräch und plauderte mit großer Freude über die Umbauarbeiten des alten Hauses, bei denen er vier Wochen lang aktiv an der Entkernung beteiligt war. Von Anfang an wusste er, wie es einmal aussehen sollte, und ganz besonders beschäftigte ihn die Gestaltung der Garage mit dem kleinen angrenzenden Wohnraum, den er sich schon immer erträumt hatte.

Garagengold: Es ist angerichtet! Garagengold: Es ist angerichtet!

Plötzlich springt Lichter jubelnd auf: „Sie kommt, sie kommt – meine Egli kommt!“ Er hatte sich selbst zu seinem 50. Geburtstag eine Egli-Vincent geschenkt, das war der Grund für seine Euphorie und ich erlebe, wie sie angeliefert wird und sich der Fernsehstar wie ein kleiner Junge freut. Aufgeregt eilt der Egli-Fan zu dem roten Transporter, der gerade auf den kopfsteingepflasterten Hof gefahren ist. Die Seitentüre geht auf und da steht sie, eine Vincent „Black Shadow“ aus dem Jahre 1968, perfekt restauriert vom ehemaligen Erbauer Fritz W. Egli und seinem Team höchstpersönlich. Das ist eine Maschine aus den Anfängen der Schweizer Motorradschmiede Egli, die sich darauf spezialisierte, eigene Rahmen zu konstruieren und mit getunten Motoren verschiedenster Hersteller zu Rennmaschinen umzubauen. Das Besondere an diesem Modell ist, dass mit einer solchen Maschine der Gründer der Firma Fritz W. Egli 1968 Schweizer Meister im Motorrad-Bergrennen wurde. Lichter bewundert den Motorrad-Guru seit seiner Jugend und ist ein großer Fan von dessen „Kunstwerken“, wie er sagt. Er läuft nun bedächtig um den Racer herum, streichelt den formschönen Tank und schaut mit glänzenden Augen auf den überdimensionalen Smith-Tacho, der bis 250 km/h anzeigt und wahrlich eine Augenweide ist.

Garagengold: Es ist angerichtet!

Der stolze Besitzer beschließt, die schwarze Vincent mit vernickeltem Egli-Rahmen soll nun neben einer weiteren, sehr seltenen Egli MRD 1 Turbo ihren Platz finden. Endlich öffnen sich die alten Tore zu den ehemaligen Kutschenstellplätzen des einstigen Gehöfts. Und mir geht das Herz auf, den roten Jaguar E-Type „Flatfloor“ aus der ersten Serie und mit einer dreistelligen Fahrgestellnummer aus dem Jahre 1961 schieben wir ein Stück zurück und die „Black Shadow“ hinein, gleich neben die bereits angekündigte knallrote Egli MRD 1. Die 1982 gebaute Maschine mit Vollverkleidung war seinerzeit das teuerste Motorrad der Welt und hat atemberaubende Leistungsdaten, die mir Lichter wie sein Lieblingsrezept und mit fröhlich schwingendem Zwirbelbart vorträgt: „Man nehme ein 4-Zylinder-Kawasaki-Motörchen mit knapp dem Volumen eines Literbechers und bohre es ein wenig auf. Dazu kommen scharfe Nockenwellen, dann noch ein paar leckere große Ventile und als Sahnehäubchen ein Turbolader. Dann wird ein wenig Lachgas eingespritzt und das ganze mit Wasser abgekühlt … und schon hat man rund 220 Pferdchen an dem Hinterrad und ist knapp 300 km/h schnell!“ Auf Deutsch: eine „Waffe“ und eines der legendärsten Motorräder seiner Zeit, wow! „Ich bin begeistert von diesem Motorrad, aber erzähle eigentlich viel lieber über den Menschen Fritz W. Egli als über seine Motorräder, denn seine Geschichte hat erst alles möglich gemacht. Überhaupt liebe ich diesen ganzen alten Scheiß nicht, weil es Gegenstände sind, sondern wegen der Geschichten!“

Garagengold: Es ist angerichtet!
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Horst Lichter verschwindet kurz hinter der alten Theke, die mit handgemachten Formel-1-Unikaten im Maßstab 1:43 gefüllt ist, und schaltet ruhige Jazzmusik ein. Die Formel-1-Modelle sind, wie viele weitere Objekte, Geschenke von Bekannten oder auch Unbekannten, die wissen, dass „Horst“, ein „Horterich“ ist und ein großes Faible für alte Sachen hat. Dies ist sein Ort zum Entspannen und Abschalten. Die wenige Zeit, die er zu Hause ist, verbringt er größtenteils in diesen Räumen. Hier läuft er oft schon kurz nach dem Aufstehen im Morgenmantel umher, holt tief Luft und genießt die Ruhe oder macht sich schöne Musik an. Ab und zu „sündigt“ er hier auch, indem er eine Zigarette oder eine „Pief“, wie er sagt, eine Pfeife raucht. Dies ist der einzige Raum im Haus, in dem geraucht werden darf, „immerhin rauchen die Fahrzeuge ja auch“.

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Horst Lichter rutscht noch etwas tiefer in den wunderschönen englischen Ledersessel, lehnt sich genüsslich zurück und beginnt zu erzählen: „Ich bin Jahrgang 1962, in einem kleinen Dorf in der Nähe Kölns aufgewachsen, die Straße war meine Heimat und es gab genau drei Fahrzeuge, die dort parkten. Einen alten Fiat 500, einen Karmann Ghia, der damals für mich ein unglaublicher Rennsportwagen war, und einen Ford Konsul Coupé. Das war alles an Autos, was da war, und die haben mich schon wahnsinnig gemacht und sehr inspiriert. Meine Eltern wollten für mich, den kleinen Jungen, nur das Beste und haben mir im Eisenwarenladen ein nagelneues Jugendfahrrad gekauft, was ich prompt bei der ersten Probefahrt mit Susi, einem Nachbarmädchen gegen ein Fahrrad vom Schrott, das ich im Übrigen schon immer toll fand, getauscht habe. Es war ein verrostetes Fahrrad, ein Mädchenrad mit offenem Rahmen mit dicken Ballonrädern, mit gebogenem Lenker und einem alten Ledersattel. Ich fand es herrlich, aber es gab einen Riesenärger!"

Garagengold: Es ist angerichtet!
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Sein Traum war immer schon ein Jaguar E-Type. Und heute steht ein solcher Traum in der „Traumgarage“ von Horst Lichter und nebenan der Vorgänger des Jaguar E im Renntrimm, der etwas ältere, legendäre C-Type mit dem monumentalen und baugleichen Reihensechszylinder mit zwei obenliegenden Nockenwellen. Damals wie heute ein Kunstwerk im Motorenbau. Und über dem C-Type auf einer Hebebühne eine weitere Ikone des Automobilbaus, der Lagonda V12 Le Mans von 1936. 12 Zylinder, 5 Liter Hubraum und Kraft ohne Ende, voller Stolz erzählt mir der Autonarr Lichter, das dies ein „Adoptiv-Auto“ sei. Horst Lichter beherbergt, fährt und pflegt diesen Wagen nämlich seit Jahren für einen Freund und tut dies mit großem Respekt und einer Menge Leidenschaft. Der Jäger und Sammler Lichter ist „fasziniert von all den Kunstwerken, die Menschen erschaffen haben. „Ein Lied, das um die Welt geht, zu komponieren, ein Auto, das alle Menschen begeistert, zu bauen und Dinge zu entwickeln, die allen das Leben schöner, angenehmer und leichter machen, das ist eine Kunst.“

Verlosung

Traumgaragen 2.0

Garagengold in Buchform: Nachdem Fritz Schmidt jr. seinen ersten Traumgaragen-Bildband aufgelegt hatte, wurde er von positiver Resonanz überwältigt. Mittlerweile ist Traumgaragen 2.0 erschienen. Blättern Sie doch einmal rein! Classic Driver präsentiert in einer Serie drei außerordentliche Sammler-Garagen.

Außerdem verlosen wir gemeinsam mit dem Verlag zehn Exemplare des Bildbands. Senden Sie dafür einfach ein Foto Ihrer eigenen Garage an den Verlag und sichern Sie sich so die Chance auf ein Exemplar des Bildbands.

Zusendung bis zum 30.01.2013 an:

fritzclassics
Bahnhofsplatz 1
Opel-Altwerk/Fritzstrasse/ Gebäude D1/1.Stock
65428 Rüsselheim

Wir wünschen viel Erfolg!

Text: Fritz Schmidt, jr., Mathias Paulokat
Fotos: fritzclassics