Gaisbergrennen 2009: Himmelstart und Höllenwetter

Während an der Côte d'Azur das Formel 1-Fieber grassierte, die Grüne Hölle zum 24h-Marathon aufrief und sich am Bodensee die Klassiker zu Land, zu Wasser und in der Luft formierten fand die Himmelfahrt in Salzburg standesgemäß im Oldtimer statt: Die ganze Stadt feierte am 21. Mai den Start des Gaisbergrennens 2009. Zum diesjährigen, 80. Jubiläum des historischen Bergrennens erschienen über 170 historische Automobile, die mit einem Stadt-Grand-Prix eine Rallye eröffneten, die vor allem Facettenreichtum bewies.

Das Gaisbergrennen gestern und heute: Bis 1933 galt das Rennen als eine der bedeutendsten Motorsportveranstaltungen Europas. Durch politische Umstände pausierte der Wettbewerb bis zum Jahre 1952. Am 19. Oktober des gleichen Jahres wurde die erste Wertungsfahrt der Nachkriegszeit veranstaltet. Sie führte durch das Salzkammergut und beinhaltete einen Rennlauf auf den Gaisberg. Das heutige Gaisbergrennen ist eine Reminiszenz an das historische Rennen und wird ausschließlich als Gleichmäßigkeitsfahrt gewertet.

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Zum diesjährigen, 80. Jubiläum integrierte der Veranstalter, der Rallye Club Salzburg, zusätzlich eine 148 Kilometer lange Wertungsfahrt. In Erinnerung an die großen Siege der Marke Mercedes-Benz widmete der S.R.C. die Jubiläums-Rallye dem Erfinder des Automobils. Classic Driver folgte dem Gaisbergrennen 2009 auf Einladung der Nürnberger Versicherung, einen der Sponsoren der Veranstaltung.

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Donnerstagmorgen, Schloss Hellbrunn. Die obligatorische technische Abnahme ruft die Teilnehmer zur Versammlung. Insgesamt gehen beim diesjährigen Gaisbergrennen 171 Renn-, Sport- und Tourenwagen an den Start – ein neuer Rekord! Baujahre von 1914 in Form eines Austro Daimler 14/32 bis 1969 wie etwa der herrliche, weiß-blaue Renault Alpine A110, Gruppe 4, sind vertreten. Die Marken- und Modellvielfalt ist beeindruckend, und die wenigen einander gleichenden Klassiker sind gern gesehene Kandidaten, wie beispielsweise die vier Porsche 904 GTS mit identischem Geburtsjahr 1954, davon zwei im Restaurationszustand 1A und das andere Pärchen mit authentischer Patina.

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Auf die Fahrer und Beifahrer wartete ein spannendes Rallyeprogramm über drei Stationen: Stadt, Berg, Ring. Gemeint sind damit der Stadt-Grand-Prix, Fahrten auf dem Gaisberg und ein Abstecher auf den legendären Salzburgring. Zum Auftakt, dem Stadt-Grand-Prix, versammelten sich die Teilnehmer am Donnerstag, den 21. Mai 2009, auf dem Residenzplatz der Salzburger Altstadt. Bei herrlich warmem und trockenem Mai-Wetter ließen sich die Salzburger das Heimspiel nicht entgehen und versammelten sich dicht gedrängt an den Schutzzäunen.

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Um 15 Uhr Ortszeit fiel der Startschuss. Ein Raunen aus längst vergangenen Tagen schallte durch die schmalen Altstadt-Gässchen. Die ersten Vorkriegspreziosen à la Riley TT-Sprite oder Austro Daimler ADR 11/70 HP von 1929 brausten über den Asphalt – der geräumige Open-Tourer der Familie Piëch mit Ernst Piëch am Steuer, der älteste Enkel von Ferdinand Porsche, bot im wahrsten Sinne des Wortes Platz für die ganze Familie.

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Es folgten jüngere Sportwagen – wie ein seltener Ferrari 340 America aus dem Jahr 1951 – und drehten ihre Runden. Zuvor hatte der Organisator rückblickend auf die vergangene Veranstaltung tunlichst darauf hingewiesen, eine gemäßigte Fahrweise an den Tag zulegen. Die österreichische Polizei und diverse Wachposten sorgten derweilen am Streckenrand dafür, dass keine Absperrungen ihren Platz verließen. Alles in allem eine gelungene Organisation.

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Turbulenter dagegen war der folgende Freitag, an dem Wertungsfahrten auf dem Salzburgring und auf der 148 Kilometer Orientierungsfahrt stattfanden. Gemeint ist das Bergwetter, das an Dramatik kaum zu überbieten war. Wir folgten der ersten Truppe an den Salzburgring. Die 4,3 Kilometer lange Rennstrecke bot auf einer Tribüne Blick auf die Rechts-Links-Rechts-Schikane. Hier sorgten die historischen Rennwagen für Furore: Vom frühen Alfa Romeo 6C 1750 S, über Aston Martin DB6 Vantage, bis zu reinrassigen Rennbrettern wie dem Porsche 908 oder dem feuerroten Chevron B 16. Der schwarz-weiße Flaggenschwung beendete nicht nur das Rennen, sondern läutete auch den ersten kräftigen Regenguss ein.

Kurze Zeit später, zur Mittagspause auf Schloss Fuschl am gleichnamigen, kristallklaren See, riss der Himmel wieder auf. Im Park drängten sich die Klassiker dicht and dicht zusammen. Vom Schloss aus startete die Rallye bei strahlendem Sonnenschein in Runde zwei. Das Wetter: abermals trügerisch. Denn kurze Zeit später wich der azur-blaue Himmel einer navy-blauen Gewitterfront. Doch auch dieser Wolkenbruch wich irgendwann wieder wärmenden Sonnstrahlen, die Kleidung, Blech und Asphalt trockneten. Am Abend erwartete das Schloss Hellbrunn mit einem Sektempfang am Sternweiher. Der Höhepunkt des Abends war eine Spezialvorführung der Salzburger Wasserspiele; ein Zigarrenabend und eine Cognac-Verkostung boten einen entspannten Ausklang.

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Der Samstag stand im Zeichen des Gaisbergs – mit mehreren Wertungsprüfungen – und der großen Siegerehrung. Platz 1 der Gesamtwertung sicherte sich das österreichische Team Margreiter/Aistleitner im Elva Courier MK3, Baujahr 1964. Dahinter, auf Platz zwei und drei, Wallner/Steindl (A/A) im Porsche 356 B Carbrio und Wohlenberg/Wohlenberg (D/D) im Mercedes-Benz 230 SLR. Alle Platzierungen des Gaisbergrennen 2009 finden Sie unter www.src.co.at.


Sieger der Tourenwagenklasse aus dem Team Nürnberger Versicherungen: Horch 853 von Udo und Peter Feser

Für uns war das Gaisbergrennen eine rundum gelungene Veranstaltung mit vielen Facetten. Sie bot abwechslungsreiche Wertungsläufe, ein bunt gemischtes Teilnehmerfeld mit vielen hochkarätigen Klassikern und Zuschauern die Möglichkeit, hautnah dabei zu sein.

Weitere Informationen zum Gaisbergrennen finden Sie ebenfalls unter www.src.co.at.

Text: Jan-Christian Richter
Fotos: Jan-Christian Richter / Wolfgang Apel


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