Fisker Karma, Project Nina: Californication

Hybrid-Pionier Henrik Fisker hat gut Lachen: Während die großen Premium-Hersteller noch mitten in der grünen Prototypenentwicklung stecken, steht seine Öko-Limousine Karma kurz vor der Markteinführung. Unter dem Projektnamen „Nina“ soll bald auch ein zweiter, günstigerer Plug-In-Hybrid folgen – dank großzügiger Unterstützung durch die amerikanische Energiebehörde.

Es ist wohl der letzte Messetermin vor dem Seriengang: Auf der Frankfurter IAA kann man noch bis zum 27. September die kalifornische Plug-In-Hybrid-Limousine Fisker Karma bewundern, bevor die Auslieferung an die Kunden beginnt. Schon 1.500 Bestellungen inklusive Anzahlung liegen laut Firmenchef Henrik Fisker vor – die Hälfte davon aus Europa, ein großer Teil auch aus Deutschland. Dabei ist der Viertürer nicht gerade billig: Rund 92.000 Euro muss man einplanen, um den knapp fünf Meter langen Luxuswagen an die heimische Steckdose schließen zu können. Dafür erhält man jedoch ein Technologiepaket, von dessen Effizienz viele Hersteller bloß träumen können.

Fisker Karma, Project Nina: Californication Fisker Karma, Project Nina: Californication

Zum Plug-In-Hybrid gehören zwei Elektromotoren mit 403 PS Leistung und ein Lithium-Ionen-Akku, der eine maximale Reichweite von 80 Kilometern ermöglicht. Im sogenannten „Stealth Mode“, also dem reinen Elektrobetrieb, beschleunigt der Fisker Karma in 7,2 Sekunden auf Termpo 100 und weiter bis 153 km/h. Wenn mehr Leistung oder Reichweite verlangt werden, schaltet sich ein 260 PS starker Vierzylinder-Turbomotor ein, den Fisker aus dem Opel GT entliehen hat. Statt seine Kraft direkt auf die Hinterräder zu leiten, betreibt der Motor einen Generator, der wiederum Strom erzeugt und die Spurtzeit auf 6,2 Sekunden verkürzt, die Vmax auf 200 km/h hebt und die Reichweite auf 483 Kilometer ausweitet. Noch spannender als die Leistungsdaten sind allerdings die Verbrauchs- und Emissionswerte: Nur 3,5 Liter Kraftstoff verbrennt der luxuriöse Viersitzer auf 100 Kilometer, der CO2-Ausstoß liegt bei gerade einmal 83 g/km.

Fisker Karma, Project Nina: Californication Fisker Karma, Project Nina: Californication

Parallel zur Markteinführung wir das Vertriebsnetz ausgebaut; rund 50 Filialen will Fisker allein in Europa eröffnen. Konkurrent Tesla Motors, der ab 2011 mit der rein elektrischen Sportlimousine Model S gegen den Karma antritt, hat hier mit Showrooms in London, München und Monaco bereits die ersten Claims abgesteckt. Wie Tesla profitiert Fisker nun auch von einem Darlehen der US-Regierung, das im Rahmen eines Förderungsprogramms für „Advanced Technology Vehicle Manufacturing“ vergeben wird. Stolze 528 Millionen US-Dollar (derzeit rund 365 Millionen Euro) wurden dem kalifornischen Start-Up durch das Energieministerium zugesprochen; ein Teil des Geldes soll über die Produktion des Fisker Karma an amerikanische Zulieferbetriebe fließen, um rund 5.000 Arbeitsplätze zu sichern. Dass die Endmontage des Karma bei Valmet in Finnland erfolgt, dürfte allerdings für Stirnrunzeln gesorgt haben.

Der Rest der Kreditsumme ist für eine zweite Baureihe von Plug-In-Hybrid-Modellen vorgesehen, die mit einem Grundpreis von 39.900 US-Dollar nach Abzug aller Steuererleichterungen (rund 27.000 Euro) deutlich günstiger ausfallen soll als die Karma-Serie. Als Projektname für den Einstiegs-Hybrid „Made in U.S.A.“ hat Henrik Fisker die Bezeichnung Nina gewählt – so hieß ein Schiff aus der Flotte von Christopher Kolumbus. Momentan kann Fisker rund 15.000 Automobile pro Jahr produzieren, mit der zweiten Modellreihe ist eine Jahresproduktion von 100.000 Exemplaren angepeilt.

Text: Jan Baedeker
Fotos: Fisker



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