Fisker Automotive – Hybrid-Viertürer geht in Serie

Vom Coachbuilder zum Hersteller: Mit der Vorschau auf eine eigenständig entwickelte Sportlimousine, die Januar auf der NAIAS in Detroit enthüllt werden soll, wechselt die kalifornische Newcomer-Marke Fisker in die Riege der exklusiven Automobilmanufakturen. Einen Namen hat die viertürige Designstudie noch nicht, dafür hat sich Firmengründer Henrik Fisker bereits für einen Antrieb entschieden: Das erste eigene Modell soll von einem Hybrid aus Elektro- und Benzinmotor angetrieben werden – und somit nicht nur den strengen Emissionsvorgaben des amerikanischen Reform-Küstenstaates genügen, sondern auch vom Imagegewinn des neuen „Green Glamour“ profitieren.

Fast drei Jahre ist es her, dass der ehemalige BMW- und Aston Martin-Designer Henrik Fisker im kalifornischen Orange County die Karosserieschmiede Fisker Coachbuilding ins Leben rief. Zusammen mit seinem ehemaligen Kollegen und Geschäftspartner Bernhard Koehlen wollte Fisker sportliche europäische Serienmodelle mit individuell gestalteten Karosserieformen neuen Glanz verleihen. Im Herbst 2005 zeigte Fisker Coachbuilding auf der IAA in Frankfurt gleich zwei Modelle: Das Sportcoupé Fisker Latigo CS basierte auf der BMW 6er-Reihe und war in der stärksten Version mit dem 507 PS starken Zehnzylinder des BMW M6 zu haben; das Cabriolet Tramonto wurde auf Basis des Mercedes-Benz SL 55 AMG gefertigt und leistete 500 PS. Beide Modelle waren auf 150 Exemplare limitiert, beide Preise lagen jenseits von 200.000 Euro. Über den ästhetischen Gewinn der Umgestaltung ließ sich streiten – den amerikanischen Geschmack schien Fiskers bunter Rétro-Mix europäischer Sportwagenformen jedoch zu treffen.

Dass Henrik Fisker das „Coachbuilding“ im Markennamen nun durch ein „Automotive“ ersetzt und seine Firma in der Pressemeldung gar als „the green American premium car company“ bewirbt, scheint dem Vorbild aktueller Erfolgsgeschichten ökologischer Sportwagenfirmen mit Sitz in Kalifornien, allen voran die Firma Tesla, geschuldet. Zusammen mit dem Antriebshersteller Quantum Technologies, der auch Toyota, GM und die NASA beliefert, wird momentan ein so genannter „Plug-In Hybrid“ entwickelt, der eine Reichweite von 80 Kilometern ermöglicht und in Kombination mit einem Benzin- oder Dieselaggregat sogar bis zu 1.000 Kilometer ohne Tankstopp laufen soll. Sollte alles so funktionieren wie geplant, könnte der Treibstoffverbrauch auf diese Art auf eine Gallone pro 100 Kilometer – was etwa 3,8 Litern entspricht - gesenkt werden.

Nicht nur die Umweltfreundlichkeit steht im Mittelpunkt der Studie – der neue Antrieb soll auch die Karosserieform in neue Dimensionen heben. „Das glatte Design mit der akzentuierten langen Motorhaube ist ein direktes Resultat unserer bahnbrechenden Chassis-Konstruktion, bei der die Batterie ihren Platz zwischen den Achsen im Zentrum des Wagens findet“, so Henrik Fisker. „Diese Position bietet optimale Fahrdynamik, Sicherheit und Designproportionen.“ Revolutionäres versprechen die ersten Computerbilder des neuen Viertürers jedoch nicht: Die Front erinnert stark an den neuen Maserati GranTurismo, die coupéhafte Dachlinie findet sich in jedem aktuellen europäischen High-Class-Portfolio und auch der Heckschwung geht nicht über die übliche Rétro-Zitatebene hinaus. Wer jedoch die perfekte Proportion ohnehin in der Automobilgeschichte – und nicht in der Zukunft – wähnt, für den könnte der neue Fisker zum Traumauto taugen.

Gute Absätze verspricht auch der Preis: 80.000 US-Dollar soll die Einstiegsvariante kosten – zum aktuellen Kurs rund 55.000 Euro. Wenn man die rasant steigenden Rohöl-Kurse bedenkt, könnte der kalifornische „Four Door Sedan“ sogar den großen Herstellern im alten Europa zum Vorbild geraten. Bestellungen werden ab sofort entgegen genommen, die Auslieferung startet im vierten Quartal 2009. Die Jahresproduktion soll zu Beginn bei 15.000 Exemplaren liegen.

Text: Jan Baedeker
Fotos: Fisker



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