Ferrari Museum in Maranello: Tempel der Rennpferde

Ferrari Museum in Maranello: Tempel der Rennpferde

Es ist der heilige Ort aller Ferraristi – das Museo Ferrari in Maranello. Hier, in der Via Dino Ferrari Nr. 43, verbringen einige der schönsten GT-Sportwagen und Formel-Boliden der Automobilgeschichte ihren Lebensabend. Classic Driver war zu Besuch.

Auf betagte Cavallini Rampanti wartet zum Glück nicht der Pferdemetzger, sondern das Ferrari-Museum in Maranello. Hinter der modernistischen Glas-Fassade hat Ferrari auf mehreren Ebenen und 2.500 Quadratmetern Ausstellungsfläche die wichtigsten Modelle der Markengeschichte versammelt. Mehr als 200.000 Ferrari-Enthusiasten pilgern jedes Jahr in die italienische Emilia-Romagna, um ihre persönlichen Sport- oder Rennwagen-Favoriten in natura zu erleben. Mit den architektonischen Museums-Raumschiffen von Porsche, Daimler und Co. ist das Museo Ferrari nicht zu vergleichen – und man muss sagen: zum Glück! Denn der Charme der Pilgerstätte ist auch in ihrer Bodenständigkeit und regionalen Verbundenheit begründet. In Maranello ist der Geist von Enzo Ferrari und der vergangenen Epochen immer noch sehr präsent.

Ferrari Museum in Maranello: Tempel der Rennpferde
Ferrari Museum in Maranello: Tempel der Rennpferde Ferrari Museum in Maranello: Tempel der Rennpferde


Wie im operativen Geschäft wird auch im Museum zwischen Renn- und Straßensportwagen unterschieden. Die ersten großen Erfolge feierte Ferrari jedoch auf der Rennstrecke – mit dem ersten Sieg eines Ferrari 166 MM Berlinetta bei den 24 Stunden von Le Mans im Jahr 1949 wurde der Mythos der italienischen Marke begründet. Seit 1950 hat Ferrari in keiner Formel-1-Saison gefehlt und mit 15 Fahrer- und 16 Konstrukteurs-Weltmeistertiteln alle Rekorde gebrochen. Entsprechend betritt man das Museum durch die „Sala delle Competizioni“, in der die Kuratoren wichtige Boliden aus allen Nachkriegs-Epochen aufgereiht haben. Empfangen wird man vom Ferrari 125 S, dem ersten Rennwagen der Marke von 1947, sowie dem in der Saison 1948 debütierten 166 F2 und dem 750 Monza, einem der prestigereichsten Sportwagen der Firmengeschichte.

Ferrari Museum in Maranello: Tempel der Rennpferde
Ferrari Museum in Maranello: Tempel der Rennpferde Ferrari Museum in Maranello: Tempel der Rennpferde


Kaum weniger beeindruckend sind der Ferrari 195 Inter von 1950 in bordeauxrot-schwarzer Zweifarb-Lackierung und der legendäre 250 GT Tour de France, dessen Ausnahme-Karosserie im Purpur-Licht besonders schön zur Geltung kommt. Neben einer Rekonstruktion von Enzo Ferraris erstem Büro findet man im ersten Ausstellungssaal weitere Rennwagen und Sportprototypen wie den F1 126 C, den 512 M und einen von nur 18 Exemplaren des 365 GTB/4 Competizione. Vorbei am Enzo Ferrari betritt man dann die „Halle der großen Siege“, in der vom F399 von 1999 bis zum F2008 stolze acht F1-Fahrer- oder/und Konstrukteurs-Weltmeisterwagen im Halbkreis aufgereiht stehen – für Formel-Fans wohl das zentrale Heiligtum des Museums. Neben den Boliden sind auch zahlreiche Pokale, Helme und weitere Artefakte der größten Fahrer-Helden von Niki Lauda bis Michael Schumacher ausgestellt.

Ferrari Museum in Maranello: Tempel der Rennpferde
Ferrari Museum in Maranello: Tempel der Rennpferde Ferrari Museum in Maranello: Tempel der Rennpferde


Über eine Treppe erreicht man die „Granturismo Hall“ – hier finden sich die großen Straßen- und Reisesportwagen der Marke: Ikonen wie den Ferrari 250 GTO, 250 California, 275 GTB4 und Dino 206 GT wird man sonst nirgendwo in einem Raum versammelt finden. 25 Jahre nach seinem Debüt ist auch der Ferrari F40 noch immer eine Attraktion, um die sich die Besucher scharen. Und Sondermodelle wie der Ferrari 360 Barchetta oder der neue SA Aperta demonstrieren eindrucksvoll, welchen Stellenwert die Indivisualisierung in Maranello bis heute hat. Als sportliche Speerspitze des aktuellen Modellprogramms präsentieren sich derweil der 458 Italia und vor allem der brachiale 599 XX, der bei unserem Besuch inmitten einer Ausstellung des deutschen Grafikdesigners Wolfgang Seidl inszeniert wurde.

Ferrari Museum in Maranello: Tempel der Rennpferde
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Neben den Sportwagen aus 55 Jahren Ferrari-Geschichte hat das Museum in Maranello aber noch mehr zu bieten – etwa einen Shop und einen gut sortierten Buchladen, in dem man so manches vergriffenes Werk noch finden kann. Das Museum ist täglich geöffnet – weitere Informationen zu Preisen und Anfahrt finden Sie auf der offiziellen Website.

Text & Fotos: Jan Baedeker