Ferrari 250 TR: Neuer Weltrekord

Die von RM Auctions und Sotheby’s veranstaltete Ferrari-Auktion „Leggenda e Passione“ ist am vergangenen Sonntag, den 17. Mai 2009, in Maranello mit einem Weltrekord beendet worden: Das finale Gebot für den Ferrari 250 TR mit der Chassis-Nummer 0714TR fiel bei 9,02 Millionen Euro. Der Preis für den seltenen Rennwagen von 1957 liegt fast zwei Millionen Euro über dem bisherigen Weltrekord, der bei der Vorjahres-Auktion aufgestellt worden war.

Dass der Ferrari 250 TR von 1957 bei der diesjährigen Ferrari-Auktion einen ordentlichen Preis erzielen würde, hatte in den letzten Wochen und Monaten kaum jemand bezweifelt. Mit welchem beeindruckenden Abstand der schwarze „Pontoon Fender“ mit der roten Nase den bisherigen Auktions-Weltrekord nun in den Schatten stellt, ist dennoch beeindruckend: Bei der letzten Ausgabe des jährlichen Markensales „Leggenda e Passione“ im Mai 2008 war ein Ferrari 250 GT SWB California Spyder von 1961 für sensationelle 7.040.000 Euro versteigert worden. Der Star der diesjährigen Auktion hat diesen Preis nach einem spannenden Bieter-Derby um 1,98 Millionen Euro übertrumpft und mit einem finalen Gebot von 9.020.000 Euro einen neuen Weltrekord aufgestellt, den so schnell kein anderes Modell einholen wird.

Für Max Girardo, den Geschäftsführer von RM Europe, hat der Testa Rossa den Rekord völlig zu Recht gebrochen: „Der historische Stellenwert dieses Wagens hat einen wahren Krieg unter den internationalen Bietern ausgelöst, die sowohl vor Ort als auch per Telefon um den Zuschlag kämpften. Kein Wunder, schließlich handelt es sich um einen der verlockendsten und ikonischsten Ferrari-Rennwagen der Automobilgeschichte.“ Girardo betonte im Anschluss an die Auktion zudem, wie selten Autos vom Kaliber des neuen Rekordhalters überhaupt noch das Licht der Öffentlichkeit, geschweige denn eine Auktionshalle erblicken. Tatsächlich scheint der versteigerte Ferrari von besonderer Qualität und Historie zu sein.

Der Ferrari 250 Testa Rossa – oder kurz: TR – ist einer der bekanntesten, elegantesten und wohl auch erfolgreichsten Rennwagen der Firmengeschichte. Das unter Experten weltweit als „Pontoon-Fender“ berühmt gewordene Design von Sergio Scaglietti wurde von 1957 bis 1958 produziert, allerdings in einer kleinen Auflage von nur 22 Exemplaren. Von 1958 bis 1961 wurden die Testa Rossa bei 19 internationalen Rennen eingesetzt, zehn davon konnten die Ferrari für sich entscheiden. Der Ferrari 250 TR mit der Seriennummer 0714TR, der nun in seiner ursprünglichen Renn-Lackierung unter den Hammer kam, hat einen wesentlichen Teil zum Ruhm der Baureihe beigetragen.

Im Dezember 1957 wurde das Modell an seinen ersten Besitzer ausgeliefert: den modeneser Rennfahrer und zukünftiger Karosseriebauer Piero Drogo. Bereits im Januar 1958 nahm Drogo mit seinem Wagen am südamerikanischen Langstreckenrennen „1000 km Buenos Aires“ teil und erreichte neben großen Fahrern wie Phil Hill, Peter Collins, Wolfgang von Trips und Olivier Gendebien einen respektablen vierten Platz. Nach weiteren Renneinsätzen beim Grand Prix von Kuba und in Portugal wurde der Ferrari 250 TR an den texanischen Farmer und Unternehmer Alan Connell verkauft, der 1959 einige Siege in der nordamerikanischen Rennserie einfuhr. Einige Zeit wurde der Testa Rossa von verschiedenen Besitzern im Rennsport erfolgreich eingesetzt, im Juni 1963 endete dann seine Karriere beim „Elkhart Lake 500“.

Laut RM Auctions ist Seriennummer 0714TR das bekannteste Exemplar der Reihe, das von Ferrari für den privaten Renneinsatz produziert wurde. Ob das Auktionshaus die Rekordserie im nächsten Jahr mit einem Hattrick fortsetzten wird, ist abzuwarten. Ganz einfach, einen noch exklusiveren und vor allem schöneren Ferrari aufzutun, dürfte es in keinem Fall werden.

Text: Jan Baedeker
Fotos: RM Auctions



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