Ferrari 212 Inter Vignale Coupé

Die Hummel

Text: Jan Richter
Fotos: Bonhams

Nicht jeder der insgesamt 153 von Vignale karossierten Ferrari, die zwischen 1950 und 1954 gebaut wurden, war eine Schönheit. Ferrari Vignale-Experte Marcel Massini schrieb einmal: „Es muss gesagt werden, dass einige Versionen außerordentlich schrecklich aussahen.“ Ein schönes Exemplar der Vignale-Ära kommt dagegen bei der Bonhams Auktion im Rahmen der Monterey Week 2009 in der Quail Lodge unter den Hammer: Das Ferrari 212 Inter Vignale Coupé – genannt „Bumblebee“, zu Deutsch: Hummel.

Dass der Ferrari 212 mit der Chassisnummer 0197EL diesen Spitznamen erhielt, hängt nicht etwa damit zusammen, dass er womöglich etwas schwerfällig daher brummelt. Als Hummel wird der Sportwagen natürlich wegen seiner außergewöhnlichen Zweifarben-Lackierung bezeichnet und sicher auch, weil seine voluminösen Formen ein wenig an das pummelige Insekt erinnern. Die Farbkombination schwarz-gelb mahnt in der Natur zur äußersten Vorsicht. In gewisser Weise lässt sich diese Warnung auch auf die Vignale-Ferrari dieser Zeit übertragen. Denn es gab parallel zur Baureihe 212 auch eine Version mit der Bezeichnung 340. Diese auch als Ferrari 340 Mexico bekannten Fahrzeuge traten Anfang der 50er Jahre beim berühmt-berüchtigten Straßenrennen Carrera Panamericana an und galten als äußerst brutal.

Zwar trug der Ferrari 212 das gleiche Karosserie-Kleid wie der 340er mit dem typischen, eiförmigen Kühlergrill, doch war er mit seinem Small-Block-Motor deutlich angenehmer zu fahren. Schaut man sich heute dieses perfekt restaurierte Coupé an, scheinen die kontrastreichen Töne vielmehr dem Zweck zu dienen, die extravaganten Linien der Karosserie zu unterstreichen. Der „Bumblebee“ ist nicht nur ein Desing-Highlight in der Geschichte des italienischen Karosseriebauers Alfredo Vignale, sondern steht auch im Fokus der Bonhams-Auktion am Freitag, dem 14. August 2009. Es werden Gebote zwischen 1,0 und 1,3 Millionen Dollar erwartet.

Ein Blick zurück

Im Jahr 1952 nahm die „Neue Welt“ erstmals Notiz von dem seltsamen Design aus Italien, das Alfredo Vignale in Zusammenarbeit mit dem Designer Giovanni Michelotti realisiert hatte: Drei Ferrari 340 Vignale Coupés (und ein Spider) stellten sich in diesem Jahr in den Straßen der mexikanischen Hauptstadt Tuxtla Gutiérrez auf zum Start der Carrera Panamericana, dem härtesten Straßenrennen der Welt. Die Rennwagen hatten ein dramatisches Design, mit wulstigen Proportionen und gleichzeitig scharfkantigen Linien sowie einem mächtigen, ovalen Kühlergrill, der zu der Zeit bereits das neue Markenzeichen Ferraris darstellte. Unter dem bizarren Karosserie-Gewand verbarg sich ein V12-Triebwerk mit satten 280 PS, welches die 340er zu Höchstleistungen trieb. Schnell und brutal und gleichzeitig schön und glamourös: Das waren die Ferrari Mexiko, wie sie fortan genannt wurden.

Doch so viel Aufsehen die Ferrari 340 Mexiko auch erregt hatten, es gab da noch eine sanftere Version im gleichen Design, jedoch mit kleinerem Motor, die sehr viel attraktiver und angenehmer zu fahren war. Das vielleicht schönste Exemplar dieser Serie war der Export Lungo 212 S/N 0197EL in den Originalfarben Schwarz und Gelb – die gleiche Two-Tone-Lackierung, die auch die 340er schmückte. Von diesem Ferrari 212, der gerne auch als „Hummel“ bezeichnet wurde, entstanden vermutlich nur drei weitere Exemplare. Es ist wahrscheinlich, dass die 212er-Baureihe noch vor den Ferrari Mexiko gebaut wurde, ferner also deren Designvorbild war.

Design und Technik

Keine Frage: Die Silhouette des Ferrari 212 weist bereits sichtbar auf seinen Nachfolger hin, die legendäre 250er-Baureihe. Der hier gezeigte Vignale-Ferrari hat allerdings einige markante Features, welche die Karosserie eher wie ein Kunstwerk, als ein schlichtes Sportwagenkleid wirken lassen. Neben dem prägnanten Kühlergrill mit integrierten Scheinwerfern stechen die vorderen und hinteren Kotflügel im wahrsten Sinne des Wortes hervor. Die vorderen Kotflügel ragen über den Kühlergrill weit nach vorn hinaus und weisen kleine, integrierte Standlichtleuchten auf. Am Heck formt sich der Radlauf jeweils zu einer Flosse, deren Abschluss vertikale Chromstoßstangen bilden. Auf dem Kofferraumdeckel sind rechts und links vom Kennzeichenhalter jeweils Öffner platziert. Diese reflektieren das Licht der röhrenförmigen Lampen in den darunter liegenden Stoßfängern.

Mit viel Liebe zum Detail wurden die Interieurs der Vignale-Ferrari ausgearbeitet. Chassisnummer 0197EL ist ein perfektes Beispiel dafür, so schreibt es zumindest Bonhams. Auf dem in Wagenfarbe lackierten Armaturenbrett finden sich in Chrom eingefasste Tachometer und Drehzahlmesser sowie Schildplatt-Kippschalter. Hinzu kommen ein Nardi-Dreispeichenlenkrad und, passend zur Außenfarbe, gelb-schwarz belederte Sitze.

Wie so oft, wenn solch meisterhafte Karosseriekleider das Auge blenden, geraten Chassis und Motor fast in Vergessenheit. Der Ferrari 212 basiertr auf einem weiterentwickelten 166er-Chassis. Die meisten 212-Chassis hatten einen Radstand von 260 Zentimetern und Blattfedern vorne und hinten. Abgesehen von den geänderten Antriebswellen, unterschieden sie sich nur geringfügig von der Baureihe 166 beziehungsweise 195. Der V12-Motor, der mit Dreivergaser-Anlage bis zu 170 PS leistete, basierte ebenfalls auf dem des Ferrari 166 und war nur einen Schritt entfernt vom berühmten 250.

Die Fakten

Fahrzeugaufbau: Coupé by Vignale
Herstellungszeitraum: 1951/52
Motor: 2562 cm³ V12 mit Doppel- oder Dreifachvergaser
Leistung: 130 bis 170 PS
Fahrwerk: Doppeldreieckslenker, Starrachse hinten, Blattfedern