Fünf Fragen an: Jacky Ickx, Rennfahrer-Ass

„Ich mag den Rallye-Sport, denn er ist menschlich.“ Classic-Driver-Redakteur Mathias Paulokat sprach mit Rennfahrer-Ass Jacky Ickx am Rande der San Marino Rallylegend 2011 über seine Eindrücke von der Strecke, die Verbindung zu Volkswagen und den Rothmans Porsche 911.

Herr Ickx, es ist eine Überraschung, Sie hier anzutreffen. Wie sind Sie zu Volkswagen und dem Rallye-Sport gekommen?

Das ist eine glückliche Fügung. Nach meiner aktiven Zeit im Motorsport habe ich ganz bewusst eine Seite in der Geschichte meines Lebens umgeschlagen, um ein möglichst normales Leben zu führen. Als ich dann das Angebot der Volkswagen-Gruppe erhielt, als Botschafter der Marken zu wirken, ahnte ich nicht, dass ich auf so viele begeisterte Menschen treffen würde. Erst danach habe ich verstanden, warum es bei Volkswagen so gut läuft. In dem gesamten Unternehmen arbeiten Menschen, die mit großem Enthusiasmus und sehr viel Stolz für ihre Firma einstehen. Mit Erstaunen konnte ich feststellen: Mit der Ernennung zum Markenbotschafter öffnete sich für mich eine bislang unbekannte Welt. Ich habe in meinem Leben schon viel gemacht. Aber den echten Rallye-Sport habe ich nie bestritten. Ich habe viel Anerkennung für die Teams, die in diesem Sport antreten. Gerade auch deswegen, weil ich selbst nicht gut darin bin. Ich habe es immer wieder einmal versucht, doch ich war nie wirklich zufrieden mit meiner Leistung. Insofern ist es für mich eine besondere Ehre, hier in San Marino fahren zu dürfen.

Was macht denn Ihrer Meinung nach den besonderen Reiz der San Marino Rallyelegend aus - sind es die Menschen, die Fahrzeuge, die Atmosphäre?

Ja, Sie zeigen bereits auf die positiven Dinge. Dieses Event ist menschlich. Warum ist das so? Es ist menschlich, weil man umgeben ist von Menschen, die Motorsport lieben. Auf den engen und gewundenen Prüfungsstrecken erleben die Zuschauer eine Show, die sie - bis auf die Anreise - nichts kostet. Die Leute übernachten in ihren Zelten und Wohnmobilen und es macht Ihnen Spaß. Man erlebt als Zuschauer echte Freude und hat nicht das Gefühl, für alles bezahlen und wie eine Zitrone ausgequetscht zu werden. Dieser menschliche Zug macht die besondere Atmosphäre von San Marino und dem Rallye-Sport insgesamt aus.

Fünf Fragen an: Jacky Ickx, Rennfahrer-Ass

Sie gehen mit dem legendären Rothmans Porsche an den Start. Was ist über das Auto zu sagen?

Dieser Porsche ist kein Rallye-Auto, sondern ein Safari-Fahrzeug. Es geht auf ein Projekt aus dem Jahre 1983 zurück, um damit ein Jahr später die Rallye Paris-Dakar zu fahren. Ich hatte die Dakar zuvor ja selbst schon mit konventionellen Fahrzeugen von Mercedes-Benz und Citroën gefahren. Und ich hatte schon damals den Eindruck, dass dieses Fahrzeug zur rechten Zeit kam. Im Motorsport ist Timing wichtig. Nicht nur im Rennen selbst, sondern auch in Planung und Organisation. Porsche entwickelte damals den Allradantrieb für den 911. Und ich denke, es ist aus gutem Grund ein Bestandteil der Philosophie von Porsche, Entwicklungen für den Serienbetrieb zuvor unter härtesten Bedingungen in Rennen zu testen. Dieser Porsche war der Technologieträger. Der Porsche 953 oder auch 911 4x4, ist kein Rallye-Auto, sondern ein Offroad-Auto. Ein Auto für die Wüsten Afrikas, für Schlamm und Dreck. Der Porsche ist hier in San Marino, weil er - wie beispielsweise auch die verschiedenen Audi Quattro Fahrzeuge - einfach zu den legendären Fahrzeugen des Motorsports zählt.

Fünf Fragen an: Jacky Ickx, Rennfahrer-Ass

Wie charakterisieren Sie diesen Porsche?

Der Allrad-Porsche ist extrem robust. Und auch schwer. Der Wagen wurde unter anderem gebaut, um weite Sprünge zu überstehen. Um tiefe Löcher ohne Schäden am Fahrwerk zu meistern. Der Motor leistet rund 300 PS. Es gibt keine Servolenkung. Es ist ein wildes Auto - und nun auch schon beinahe 30 Jahre alt.

Und was denken Sie über die Strecke der Rallylegend in San Marino, Herr Ickx?

Ich bin ja schon letztes Jahr einmal hier gefahren und hatte schnell Respekt entwickelt. Die Strecken in San Marino sind eine echte Herausforderung, insbesondere auch während der Nachtetappen. Die Abschnitte der Wertungsprüfungen sind sehr eng und sehr kurvenreich mit ständig wechselnden Untergründen. Für mich ist das Fahren hier wirklich eine anspruchsvolle Aufgabe.

Interview: Mathias Paulokat
Fotos: Volkswagen