Fünf Fragen an: Dr. Wolfgang Porsche

Dr. Wolfgang Porsche, jüngster Sohn von Ferry Porsche und heutiger Vorstand des Porsche-Aufsichtsrats, startete bei der Ennstal Classic 2011. Classic Driver traf den Porsche-Mann am ersten Rallyetag und lud zu einem Interview.

Herr Porsche, Sie nehmen regelmäßig und ausschließlich an der Ennstal Classic teil. Was begeistert Sie an dieser Veranstaltung?

Mich begeistert einfach die Gegend, sie ist unheimlich schön. Zudem ist die Ennstal Classic einfach toll organisiert und macht viel Spaß. Auch weil man hier viele nette Menschen trifft.

Sie sind vorzugsweise im historischen Porsche unterwegs, genauer einem Porsche 356 B Carrera 2,0 Liter. Gäbe es für Sie überhaupt eine Alternative?

Dass ich im Porsche unterwegs bin, ist eigentlich logisch, auch wenn ich durchaus andere Autos hätte. Das ist schon richtig so. Natürlich fahre ich unterschiedliche Fahrzeuge, aber es muss ein Porsche sein. Im Alltag etwa fahre ich einen Panamera. Und einen Cayenne.

Blicken wir auf die Historie der Marke. Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Sportwagenherstellers?

Die Geschichte von Porsche ist eigentlich einmalig. Mein Vater, Ferry Porsche, hat sich damals umgeschaut, wie er selber immer gerne erzählte, und nicht das Auto gefunden, was er gerne fahren wollte. Und dann hat er sich das Auto einfach selbst gebaut. Das war der erste Gmünd Roadster, in dem noch viele VW-Teile eingebaut waren. Aber die Autos sind Schritt für Schritt eigenständiger geworden, bis daraus eine eigenständige Porsche-Linie entstanden ist.

Tradition steht für Qualität und ist heute mehr denn je Marketinginstrument der Autohersteller. Wie wichtig schätzen Sie die Historie von Porsche bei der Vermarktung heutiger Modelle ein?

Also, das ist das Wichtigste. Auch bei der Integration von Porsche in den Volkswagen-Konzern – übrigens war dieses Ziel schon immer vorgesehen, weil Porsche eben nicht bei 100.000 Fahrzeugen jede Elektronik, jede Plattform, jede CO2-Anforderung selbst realisieren kann. Deswegen ist ein großer Partner ganz, ganz wichtig. Porsche muss aber immer Porsche bleiben. Sonst gibt es ein Problem.

Abschließend noch die Frage der Fragen: Welchen Porsche fährt Herr Porsche am liebsten?

Zunächst zum 356: Dieses Auto hat einen Motor, der einmalig ist. Er ist drehfreudig und einfach toll. Es macht richtig Spaß, dieses Auto zu fahren. Wahnsinnig gerne fahre ich jedoch vor allem den 959 – auch wenn mich ebenso ein aktueller Turbo S begeistert. Der Porsche 959 war ein fahrendes Entwicklungsbüro, der hatte eine Niveauregulierung, einzelne Sperren. Und von dem gab es ja nur 220 Stück. Es ist ohnehin das Wichtigste, dass man die „alten“ Autos fährt. Sie einfach nur hinzustellen, um zu sagen, man hat das Auto, das taugt nichts. Man muss sie einfach bewegen. Wenn ich die Zeit hätte, würde ich mehrere dieser Rallyes fahren.

Interview: Jan Richter
Fotos: Nanette Schärf