Fünf Fragen an: Dr. Ulrich Bez, Aston-Martin-Chef

Volles Programm und lange Schlangen bei Aston Martin: Wie immer war der Messestand der Briten eine Hochfrequenzzone der IAA. Dabei präsentierte die Fahrzeugschmiede aus Gaydon keine Weltpremieren in Frankfurt. Warum der Run auf Aston Martin dennoch ungebrochen ist, erläuterte CEO Dr. Ulrich Bez im Gespräch mit Classic-Driver-Redakteur Mathias Paulokat.

Herr Dr. Bez, was haben Sie Schönes nach Frankfurt mitgebracht?

Wir haben bereits das ganze Jahr über Neuigkeiten präsentiert und zeigen hier somit eine moderne Produktpalette mit Automobilen, die schon jetzt erhältlich sind. Das obere Ende der Palette bildet der auf 77 Fahrzeuge limitierte One-77. Das Fahrzeug, das Sie hier sehen, haben wir übrigen bereits am ersten Messetag verkauft. Insgesamt sind noch sieben Fahrzeuge verfügbar, es gibt bereits eine Reihe von Interessenten. Weiterhin sehen Sie den wunderbaren Aston Martin V12 Zagato, von dem im kommenden Jahr maximal 150 Stück gebaut werden. Für mich ist der Zagato das emotional aufregendste Fahrzeug der ganzen IAA. Typisches Design und erkennbare Rauheit sorgen für eine starke Bindung zwischen Historie und Moderne, die nicht nur die eingeschworene Aston-Martin-Fangemeinde begeistert.

Die beiden Modelle sind fraglos absolute Preziosen. Doch Aston Martin kann kaum von limitierten und in Kleinserie gefertigten Sondermodellen existieren. Wie sieht es bei den Serienmodellen aus?

Ausgeprochen gut. Da haben wir beispielsweise den V12 Vantage. Das ist eines unserer attraktivsten Fahrzeuge für diejenigen, die ein sportliches Fahrzeug voll erleben und beherrschen wollen. Daneben sehen Sie unsere Top of the Line-Modelle: DBS Coupé und DBS Volante. Das Volante Cabriolet ist mit weit über 40 Kilogramm Carbonanteil übrigens das leichteste Zwölfzylinder-Cabrio, das es hier auf der gesamten Messe gibt. Neu hinzu gekommen ist der Vantage S. Immer noch „outstanding“ und ein echter Wegbereiter ist der Aston Martin Vantage. Interessant ist hier auch unser Vantage-Einstiegsmodell für unter 100.000 Euro, das wir aktuell für eine begrenzte Zeit anbieten. Auch den Virage zeigen wir hier in Frankfurt in zwei Varianten - als Coupé und als Cabriolet. Dann sehen sie natürlich den Rapide. Das ist das Fahrzeug, von dem wir glauben, dass es gerade auch für den asiatischen Markt sehr nachgefragt wird. Und nicht zuletzt ist da der Cygnet, unser City Car, das wir gerade erst vorgestellt haben.

Fünf Fragen an: Dr. Ulrich Bez, Aston-Martin-Chef

Damit ist die Modellpalette enorm aufgefächert. Aston Martin hat offensichtlich Nischen gefunden, von denen man zuvor dachte, dass es sie gar nicht gibt. Jetzt aber sind alle Nischen belegt, oder können Sie sich noch mehr vorstellen?

Nun, ich persönlich kann mir ja alles vorstellen. Aber Spaß beiseite, wir sehen uns bei Aston Martin derzeit sehr gut aufgestellt. Wir haben mit dem Cygnet einen echten Paradigmenwechsel eingeleitet, dahingehend, dass klein nicht billig sein muss, sondern auch wertvoll sein kann. Der Cygnet ist für Stadt und Kurzstrecke ideal. Hier kann ich mir beispielsweise eine Erweiterung in Form einer Elektrifizierung vorstellen. Der Cygnet repräsentiert übrigens die einzige Fahrzeugklasse, bei der mir das sinnvoll erscheint. Wir haben extrem sportliche Fahrzeuge wie den V12 Vantage, den wir in einer Rennversion auch auf dem Nürburgring einsetzen. Und mit unserem Aston Martin Rapide habe wir einen echten GT-Sportwagen im klassischen Sinne geschaffen, der sehr angenehm zu fahren ist. Der Rapide hat hier auf der IAA von 18 Journalistinnen aus der ganzen Welt den Womans-World-Car-Award erhalten. Wir entwickeln unsere Produkte evolutionär weiter. Es braucht bei uns keine Revolution. Die braucht man nur, wenn man eine große Lücke schließen muss. Und die haben wir nicht. Unser Neustart mit dem DB9 liegt schon 10 Jahre zurück. Seitdem geht es mit Aston Martin kontinuierlich voran.

Fünf Fragen an: Dr. Ulrich Bez, Aston-Martin-Chef

Reden wir über den Rapide, den Sie 2009 präsentiert haben, Herr Dr. Bez. Welche Nachfrage sehen Sie hier und wo kommt die Nachfrage her?

Die Nachfrage für den Rapide ist erfreulich, wenngleich einige Märkte, insbesondere Südeuropa und auch England, aufgrund des momentanen wirtschaftlichen Umfelds und der daraus entstandenen Unsicherheit bei den Kunden weniger Fahrzeuge bestellen als ursprünglich gedacht. Wir können damit umgehen, weil wir die anderen Märkte mittlerweile stärker bedienen. Die Schweiz, einer unserer wichtigsten Märkte in Europa, hängt wiederum stark an den Wechselkursen. Wir sind hier mit fünf Händlern vertreten. Aber auch mit dieser besonderen Situation kommen wir klar. In Deutschland - dem am härtesten umkämpften Markt mit den wohl kritischsten Käufern – läuft es sehr gut. Hier haben wir 30 Prozent mehr Fahrzeuge verkauft als im Vorjahr. Das ist natürlich sehr erfreulich. Spannend ist unser Engagement in China. Hier kommt der Rapide sehr gut an, weil der zweisitzige Sportwagen ganz im Gegensatz zu Europa dort keine Tra dition hat und größere Automobile gefragt sind. Diese Nachfrage bedient der Rapide mit vier Türen und vier Sitzen perfekt.

Wie schätzen Sie den asiatischen Markt insgesamt ein?

Die Märkte dort sind wichtig und sie wachsen. Wir waren bis vor kurzem nur in Hong Kong, Singapur und in Japan vertreten. Trotz des Erdbebens und seiner Folgen ist der Absatz dort nicht eingebrochen, im Gegenteil hat die Nachfrage dort sogar zuletzt stark zugenommen. Das mag an unserem guten Netzwerk in Japan liegen. In China sind wir erst seit zwei Monaten als Importeur vertreten und freuen uns über den großen Zuspruch. Um Ihnen eine Orientierung zu geben: Wir denken, dass wir im Jahr 2012 dort rund 1.000 Fahrzeuge verkaufen können. Aber Sie kennen ja auch unsere Maxime: Reine Stückzahlen sind für Aston Martin nicht erfolgsentscheidend. Wichtig ist die Wertigkeit und dass wir profitabel bleiben.

Interview: Mathias Paulokat
Foto: Aston Martin/ Nanette Schärf