Fünf Fragen an: Dirk van Braeckel, Bentley-Designchef

Fünf Fragen an: Dirk van Braeckel, Bentley-Designchef

Zweiter Sommer: Der neue Bentley GTC verlängert die Open-Air-Saison. Der neue große Gleiter wirkt deutlich markanter als sein Vorgänger. Classic-Driver-Redakteur Mathias Paulokat sprach mit Bentley-Chefdesigner Dirk van Braeckel.

Herr van Braeckel, Sie haben mit Ihrem Continental-Design die Marke revitalisiert und fit für die Zukunft gemacht. Die Reputation von Bentley ist so hoch wie lange nicht mehr. Was macht aus Ihrer Sicht eine Automobil-Ikone aus?

Die Marke und das Konzept des Fahrzeug machen eine Ikone aus. Der Bentley Continental GT wurde eine junge Ikone, weil er unter der Marke Bentley eine ganze Reihe Dinge vereint, die Kunden in dieser Preisklasse wünschen und verlangen. Es ist eine Luxusauto mit jedem erdenklichem Komfort. Das Interieur ist erkennbar von Hand gefertigt. Gleichzeitig ist der Conti mit seinem V12-Doppelturbo-Motor ein echter Supersportwagen. Dennoch weist der Wagen vier vollwertige Sitze auf, einen geräumigen Kofferraum. Das Auto ist kein Sonntagswagen, sondern ein Daily Driver mit ganz praktischen Tugenden für den alltäglichen Gebrauch. Hinzu kommt: Der Bentley Continental vermittelt wie kein zweites Fahrzeug Beschleunigung und Entschleunigung. Das ist in dieser Form einzigartig und insofern aus meiner Sicht der Kern dieser Ikone.

Wer jemals einen jüngeren Bentley Continental gefahren hat, kann dies nachvollziehen. Der Conti gilt bei vielen als perfekte Fahrmaschine. Und genau deshalb die Frage: Inwiefern ist das neue Modell der zweiten Generation nun nochmals besser. Können Sie das am Fahrzeug erklären?

Das neue Modell ist besser, weil auch wir in über zehn Jahren, seit Entwicklung der ersten Generation, viel gelernt haben. Man lernt auf der technischen Seite hinzu, es gibt ständig Verbesserungen, wie auch im Hinblick auf die Ästhetik des Fahrzeugs. Das Exterieur soll vor allen Dingen eines sein: zeitlos. ein Bentley soll noch in zehn oder zwanzig Jahren gut und begehrenswert aussehen. Der Schlüssel dafür liegt unserer Meinung nach in einer reduzierten Klarheit. „Simplicity“ ist das Stichwort. Wir waren nach der Einführung der ersten Generation der Auffassung, dass wir den Ausdruck des Wagens nochmals unterstreichen konnten. Wir haben die Linien, die einen Continental GT ausmachen, nochmals betont und gleichzeitig den gesamten Ausdruck auf die Kernaussage reduziert. Parallel dazu sollte der Wagen auch stärker erscheinen: Im Hinblick auf seine Haltung, Proportionen, das Verhältnis Karosserie zu den Rädern wollten wir ebenfalls verbessern. Die gesamte Erscheinung sollte auf den ersten Blick kraftvoller, noch markanter und nochmals höher in der Qualitätsanmutung wirken. Insgesamt noch mehr „Bentley-like“, wenn Sie so wollen. Wir haben beim neuen GTC unsere Möglichkeiten und Werte an die Grenze des derzeit Machbaren gebracht.

Fünf Fragen an: Dirk van Braeckel, Bentley-Designchef

Wie bringen Sie diese Werte beim neuen Bentley Continental GTC im Exterieur-Design zum Ausdruck?

Indem wir typische Bentley-Merkmale nochmals betonen. Die Kraftlinien des Wagens fallen entschiedener aus, ohne übertrieben zu sein. In der Seitenansicht sehen Sie die wichtige Linie, die das Vorderrad umschließt und dann über den Wagen zum hinteren Radhaus läuft. Diese Linie stammt noch vom alten Bentley R-Type und ist nun markanter denn je. Hinzu kommt die ausgeprägte Silhouette des Fastback-Coupés. Genau diese Kombination prägt einen Bentley Continental GT. Hinzu kommt das eindeutige Bentley-Gesicht mit großem Grill und vier Scheinwerfern, die jetzt noch ausdrucksstärker wirken.

Fiel es Ihnen leichter, das Coupé oder das Cabriolet zu entwerfen?

Ein Cabriolet ist im Hinblick auf die Entwicklung dabei immer das anspruchsvollere Fahrzeug. Sie müssen sich mit mehr technischen Anforderungen innerhalb bestimmter, meist sehr enger Vorgaben auseinander setzen. Daneben muss das Fahrzeug geschlossen wie geöffnet einfach sehr gut aussehen. Einzigartig für ein Carbriolet ist die Tatsache, dass bei geöffnetem Verdeck das Interieur praktisch ausgepackt und den Blicken preisgegeben wird. Es wird damit so präsentiert, wie Sie es bei einem Coupé oder einer Limousine niemals sehen würden. Plötzlich ist das Exterieur nur noch der Rahmen, das Ausstellungsfenster, für das Interieur. Wir müssen also die richtige Balance zwischen Exterieur und Interieur finden. Und wir müssen das Styling des Innenraums so auslegen, dass es aus jedem Blickwinkel überzeugend proportioniert wirkt.

Fünf Fragen an: Dirk van Braeckel, Bentley-Designchef

Als Classic Driver muss ich Sie zum Abschluss fragen: Haben Sie selbst eine bevorzugte Farb- und Materialkombination? Wie sieht Ihr bevorzugter Bentley Continental GTC aus, Herr van Braeckel?

Spannende Frage. Individualität ist für uns bei Bentley ein sehr hohes Gut. Genau deswegen bringen wir die unterschiedlichen Individualisierungsmöglichkeiten ans Limit. Farbe ist dabei immer ein sehr persönlicher Aspekt. Kunden können bei uns aus 112 Farbtönen und vielen Lederfarben und -qualitäten wählen. Hinzu kommen unterschiedlichste Hölzer und Dekore. Es gibt somit Millionen an Kombinationsmöglichkeiten. Wir können damit praktisch jeden Geschmack bedienen und jeden Wunsch erfüllen. Als Designer und Sportwagenfreund hingegen bevorzuge ich eine strenge Schlichtheit. Mein bevorzugter Bentley wäre daher Schwarz. Außen wie Innen. Um den handwerklichen Anspruch zum Ausdruck zu bringen, würde ich weiße oder rote Nähte wählen. Dazu allerdings keine gemaserten Hölzer, sondern Elemente aus schwarzem Klavierlack oder dunklem Sichtcarbon. Ein Statement hinsichtlich Understatement einerseits und Leistung andererseits. Ja, ich denke, das wäre mein perfekter Continental.

Interview: Mathias Paulokat
Foto: Bentley