Fünf Fragen an: Clive Chapman

„Zukunft braucht Herkunft!“ Unter diesem Slogan drängt Lotus in den Rennsport zurück. Classic Driver Redakteur Mathias Paulokat sprach am Rande des siebten Grand Prix Historique in Monaco mit Clive Chapman, Sohn von Lotus Gründer Colin Chapman und Teamchef des Classic Team Lotus.

Herr Chapman, welche historische Bedeutung hat Monaco für die Marke Lotus?

Monaco ist der Ort, an dem für Lotus im großen Renngeschäft alles anfing. 1958 nahm Lotus erstmals an einem Formel 1 Grand Prix teil – exakt hier in Monte Carlo. Das war gerade einmal zehn Jahre, nachdem mein Vater den ersten Lotus auf Basis eines Austin Seven gebaut hatte. Cliff Allison und Graham Hill pilotierten beim ersten Grand Prix dabei streng genommen ein Formel 2 Auto, welches zuvor ein Upgrade auf Formel 1-Spezifikationen erhielt. Es handelte sich dabei um einen Lotus Typ 12.

Heute sind Sie der Chef vom Classic Team Lotus. Wofür steht dieser Name eigentlich?

Mit unserem Classic Team Lotus ermöglichen wir Privatfahrern, an Veranstaltungen wie dem Grand Prix Historique aktiv teilzunehmen. Wir kümmern uns um die Fahrzeuge. Das geht von der Restauration bei uns im Workshop in Hethel über die Grand Prix-Anmeldung, den Transport bis hin zum Service während der Rennen. Derzeit haben wir insgesamt über 20 Fahrzeuge in intensiver Betreuung, bis zum Formel 1-Rennwagen der 1990er Jahre. In Monaco beispielsweise sind wir mit einem achtköpfigen Mechanikerteam angereist.

Und welche Fahrzeuge bringen Sie zum siebten Grand Prix Historique an den Start?

Eine schöne Auswahl. Insgesamt sind unter der Obhut von Classic Team Lotus fünf Fahrzeuge vertreten. Bei den Fahrzeugen vor 1966 gehen ein Lotus Typ 21 und ein Typ 25 an den Start. Bei den Rennautos vor 1974 ist es ein Lotus 49 aus dem ersten Herstellungsjahr 1967. Und bei den Formel 1-Rennwagen, die vor 1978 gebaut wurden, sind wir mit einem Typ 77 aus dem Jahre 1976 vertreten. Alle sind übrigens Kundenfahrzeuge und stammen aus Australien, Amerika und Großbritannien.

Wie fahren sich diese Klassiker und wie kam es eigentlich zu den verschiedenen Typbezeichnungen?

Eine Doppelfrage, die sich schnell beantworten lässt. Erstens: ganz einfach. Lotus Fahrzeuge sind sehr fahrerorientiert und berechenbar. Jeder geübte Fahrer kann schnell 90 Prozent aus den Autos heraus holen. Hundert Prozent zu fahren, ist allerdings auch in einem Lotus die hohe Kunst des Racing. Und zweitens: Die Typnummern werden bei Lotus chronologisch für Fahrzeuge vergeben. Das gilt für Renn- und auch für Serienfahrzeuge. Der Evora beispielsweise ist Typ 124. Sie sehen, es hat sich in den Jahren einiges getan.

In der Tat. Reden wir kurz über die Zukunft. Wo sehen Sie die Marke Lotus in fünf Jahren?

Gute Frage, schwere Frage! In der Tat erleben wir bei Lotus derzeit sehr viel Dynamik. Lotus hat aktuell absolut fahraktive und effiziente Fahrzeuge im Programm. Die überaus erfolgreiche Elise der neuesten Generation ist gerade an den Start gegangen. Mein Vater hätte dieses Auto sehr gemocht. Der Evora, mit dem Sie nach Monaco gefahren sind, ist ein richtiger Grand Tourer. Und für die nächsten Jahre sind noch einige Neuheiten geplant. Ich bin mir sicher: Mit dem neuen Management um Danny Bahar und dem eingeschworenen Lotus Team kommen zwei Gruppen von Enthusiasten zusammen, die Großartiges leisten werden. Zukunft braucht schließlich Herkunft. Lotus hat beides. Ich kann nicht exakt beantworten, wo Lotus in fünf Jahren stehen wird. Mein Bauch jedoch sagt mir: ziemlich weit vorne.

Fünf Fragen an: Clive Chapman St. Paul de Vence / Monaco, Mai 2010

Interview: Mathias Paulokat
Fotos: Lotus





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